• Walter Gasperi

Mein Liebhaber, der Esel und ich


Eine Volksschullehrerin reist ihrem verheirateten Geliebten nach, der mit seiner Familie auf den Spuren von Robert Louis Stevenson mit einem Esel durch die Cevennen wandert - und kommt dabei selbst auf den Esel. – Sehr einfach gestrickte, bescheidene Komödie, die vor allem als Tourismuswerbung fürs Zentralmassiv und Eseltourismus funktioniert.


Nachdem das Rezept mit Filmen über den Jakobsweg mehrfach aufgegangen, inzwischen aber doch etwas ausgelaugt ist, kommen nun für einmal die Cevennen und der dortige Eseltourismus auf dem Fernwanderweg GR 70 zum Zug. Auch der Erfolg von "La vache – Unterwegs mit Jacqueline", in dem ein algerischer Bauer mit einer Kuh quer durch Frankreich zieht, dürfte Caroline Vignal als Anregung gedient haben.


Die kleinen Episoden, die sich in diesen Filmen freilich abspielten, sind im Vergleich zu dem, was in "Mein Liebhaber, der Esel und ich" passiert, geradezu weltbewegend. Eine einfacher gestrickte Handlung als hier kann man sich nämlich kaum vorstellen. Die Geschichte scheint im Grunde nur Anlass zu sein, um die idyllische Berg-, Land- und Wiesenlandschaft sowie urige Unterkünfte oder ein romantisches Dörfchen attraktiv ins Bild zu rücken.


Vor dieser malerischen Kulisse erzählt Vignal von der Volksschullehrerin Antoinette (Laure Calamy), die gehofft hat die Ferien mit ihrem verheirateten Liebhaber Vladimir (Benjamin Lavernhe) zu verbringen. Doch dieser erklärt ihr zum Schulschluss, dass er mit Frau und Tochter, die in Antoinettes Klasse geht, eine Eseltour durch die Cevennen machen wird.


Kurzerhand bucht Antoinette selbst auch eine solche Wanderung, doch unklar bleibt, was sie im Grunde damit bezweckt, kann das Zusammentreffen doch nur peinlich enden. Tatsächlich trifft sie die Familie zunächst gar nicht. Allein zieht sie mit ihrem Esel Patrick durch die Landschaft. Dieser ist zwar störrisch und eigensinnig, aber dennoch schließt Antoinette ihn mit der Zeit ins Herz. Auch Fuchs, Reh, Hase und Uhu erfreuen sie, als sie einmal vom Weg abkommt. Und da ein Gesprächspartner fehlt, erzählt sie ihrem vierbeinigen Packtier wie einem Psychotherapeuten von ihren diversen unglücklichen Liebschaften.


Am Abend wiederum findet sie nette Gesellschaft in anderen Reisenden, die meist freilich ohne Esel unterwegs sind. Schließlich kommt sie auch in die gleiche Unterkunft wie ihr Liebhaber. Versucht sie zuerst sich zu verstecken, wird sie bald doch entdeckt und man sitzt zusammen. Dass es hier freilich bald einmal zu Konflikten kommen wird, ist vorhersehbar. So geht es dann doch allein weiter – oder eben mit ihrem Esel, auf den sie sich im Gegensatz zu den Menschen wenigstens verlassen kann.


Zum Lachen reizt diese Komödie aber kaum, es sei denn, dazu reicht schon die Sturheit und das Wiehern des Vierbeiners. Dazu kommt, dass auch die von Laure Calamy gespielte Antoinette nicht unbedingt eine Sympathieträgerin ist, sondern mit ständigem Lachen oder hysterischem Schreien nervt. Relativ egal ist einem so bald ihre Befindlichkeit und auch sonst gibt es keine Person, die wirklich Interesse weckt.


Ausgesprochen simpel ist auch die Struktur mit Antoinette als Reisender und mehreren kleinen harmlosen, aber nicht wirklich unterhaltsamen Episoden. So plötzlich hier Mitwanderer auftauchen, so abrupt verabschieden sie sich – Antoinettes Liebhaber und dessen Familie mit eingeschlossen – auch wieder.


Einzig als 90-minütige Werbeveranstaltung für die Cevennen und den Eseltourismus auf den Spuren des "Schatzinsel" und "Dr. Jekyll und Mr. Hyde"-Autors Robert Louis Stevenson, der diese Wanderung im 19. Jahrhundert machte, um über das Ende einer Affäre mit der freisinnigen verheirateten Amerikanerin Fanny Osbourne hinwegzukommen, scheint somit "Mein Liebhaber, der Esel und ich" angelegt. – Und als solche funktioniert diese fade Komödie mit ihren Landschaftstotalen auch – aber leider eben nur als solche.


Läuft ab Donnerstag, den 22.10. in den österreichischen Kinos


Trailer zu "Mein Liebhaber, der Esel und ich"