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  • AutorenbildWalter Gasperi

Machine Gun Kelly

Die Geschichte des Gangsters George Kelly (1900 – 1954) bot Roger Corman 1958 einen idealen Stoff für einen effektreichen B-Film, in dem er den Gangster-Mythos jeder Romantik beraubte. Bei explosive media ist "Machine Gun Kelly", in dem Charles Bronson seine erste Hauptrolle spielte, auf DVD und Blu-ray erschienen.


Roger Corman selbst nannte "Machine Gun Kelly" einen Wendepunkt in seiner Karriere. In zehn Tagen soll er diesen schmutzigen kleinen Gangsterfilm gedreht haben. Er selbst bezifferte das Budget mit 60.000 Dollar, während andere Quellen von 100.000 sprechen.


Ansatzlos setzt der in den frühen 1930er Jahren spielende Schwarzweißfilm mit einem Banküberfall ein. Schnelle Jazz-Musik steigert die hektische, fiebrig-angespannte Atmosphäre der Szene, die Kameramann Floyd Crosby teilweise als Schattenspiel filmt. Wortlos läuft auch die anschließende, genau geplante Flucht ab. Ganz auf die Bilder vertraut Corman, bis nach rund sechs Minuten der erste Dialog einsetzt.


Schon in dieser Auftaktszene wird nicht nur die Skrupellosigkeit George Kellys (Charles Bronson), der auch "das Raubtier" genannt wird, sichtbar, wenn er ohne Zögern einen Wachmann erschießt, sondern auch seine Angst vor dem Tod, wenn ihn der Anblick eines Bestattungsunternehmens zurückschrecken lässt. Weitere solche Irritationen werden später beim Anblick eines Sarges oder des Tattoos eines Totenkopfs folgen, während Kelly sonst immer den furchtlosen Gangster spielt. Brutal schüchtert er so einen befreundeten Tankstellenbesitzer ein, der in einem Käfig einen Puma hält, schlägt Gang-Mitglieder nieder und tötet, wer ihn betrügen will.


Immer wieder gibt er mit seiner Maschinenpistole an, mit der er seiner Komplizin Florence (Susan Cabot) wohl auch seine sexuelle Potenz demonstrieren will. Doch als ein Banküberfall schief läuft und er und Florence ein Kind entführen, rückt ihm die Polizei langsam näher.


Auf einen großen Background verzichtet der King of the B´s, der im Laufe seiner Karriere an rund 500 Filmen für Kino und Fernsehen beteiligt war, bei diesem rüden kleinen Genrefilm. Dafür nimmt er das zehn Jahre später beginnende New Hollywood mit der Direktheit der Inszenierung schon vorweg.


Mit Arthur Penns "Bonnie und Clyde" verbindet "Machine Gun Kelly" dabei nicht nur, dass beide Filme in der Zeit der Großen Depression und nicht in einer Großstadt, sondern im ländlichen Amerika spielen, sondern auch das zentrale Pärchen. Aber auch die Dekonstruktion des Gangster-Mythos und die Thematisierung von Gewalt als eine Grundkomponente der amerikanischen Gesellschaft ist beiden Filmen gemeinsam.


Infantil wirkt so Kelly immer wieder, wenn er über seine Maschinenpistole und sein hartes Auftreten seine Männlichkeit demonstrieren will, gegenüber seiner Komplizin aber schwach wirkt. Sie spielt regelrecht mit ihm, provoziert ihn gezielt, indem sie mit anderen Männern flirtet. So pendelt ihre Beziehung immer wieder zwischen Anziehung und Auseinandersetzungen und ist ebenso mit Erotik wie mit Gewalt aufgeladen.


Keine Geschichte vom Aufstieg eines Kleingangsters zum großen Boss erzählt Corman so, sondern zeichnet das vielschichtige Porträt eines neurotischen Mannes, der im Kern noch ein Kind ist und sich stets über Macho-Gehabe und Gewalt selbst und den anderen gegenüber beweisen muss.


Perfekt kehrt Corman die Brutalität und Härte seines Protagonisten durch die bis zum knappen Ende dynamische Erzählweise nach außen. Wie Kelly fackelt auch Corman nicht lange, sondern erzeugt permanenten Druck, indem er den Banküberfällen immer wieder Konflikte innerhalb der Bande gegenüberstellt. – Entstanden ist so ein klassischer, schmutziger B-Film, der auch 66 Jahre nach seiner Uraufführung packt und auch Einiges über die USA erzählt.


An Sprachversionen bieten die bei Explosive Media (Vertrieb: Plaion Pictures) erschienene Blu-ray und DVD die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie englische und deutsche Untertitel. Die Extras umfassen die gekürzte deutsche Kinoversion, den originalen Kinotrailer eine Bildergalerie und einen Vergleich zwischen Szenen im Superama- und im normalem 35-mm-Format.



Trailer zu "Machine Gun Kelly"



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