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Loveable - Elskling

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • vor 12 Minuten
  • 2 Min. Lesezeit
"Loveable": Dicht inszenierte und großartig gespielte Studie einer Frau in einer Krise
"Loveable": Dicht inszenierte und großartig gespielte Studie einer Frau in einer Krise

Die 40-jährige Maria stürzt in eine Krise, als ihre Ehe zerbricht, und muss sich mit sich selbst auseinandersetzen: Lilja Ingolfsdottirs Spielfilmdebüt ist eine dicht inszenierte und großartig gespielte Charakterstudie.


Von der ersten Einstellung an, ist man mittendrin in Lilja Ingolfsdottirs Frauenporträt: Wie die Norwegerin mit Voice-over und splitterartigen Szenen Marias erste Begegnung mit Sigmund (Oddgeir Thune), ihre Bemühungen Kontakt mit ihm zu knüpfen und die folgende leidenschaftliche Liebe bis hin zum positiven Schwangerschaftstest rafft, packt. Nicht nur hier, sondern während des ganzen Films erzeugt die nah geführte und bewegliche Kamera Unmittelbarkeit und Dichte.


Eingeschworen wird man mit diesem Auftakt auch auf die Perspektive Marias. Ganz aus ihrer Sicht erzählt Ingolfsdottir und in jeder Szene ist die von Helen Guren großartig gespielte Protagonistin präsent. Mit einem Schnitt und einem Insert überspringt der Film sieben Jahre und bietet mit einer prägnanten Szene Einblick in den stressigen Alltag Marias: Beim Einkauf im Supermarkt muss sie ihre beiden etwa sieben- und fünfjährigen Kinder, die sie mit Sigmund hat, bändigen. Zu Hause muss sie sich auch mit ihren beiden etwa zehn- und fünfzehnjährigen Kindern, die sie aus ihrer ersten Ehe in die Beziehung mitgebracht hat, auseinandersetzen.


Groß ist zwar zunächst die Wiedersehensfreude, als Sigmund, der beruflich oft mehrere Wochen unterwegs ist, heimkehrt, doch bald kommt es zu Streit. Anders als besprochen hat er nämlich einen neuen Auftrag angenommen und die Kinderbetreuung soll wieder ganz bei Maria liegen, die doch davon träumt, wieder in ihrem Beruf als Zeichnerin Fuß zu fassen.


Sukzessive eskaliert der Konflikt, bis Sigmund sich scheiden lassen will. Diese Entscheidung stürzt Maria in eine psychische Krise und verzweifelt versucht sie ihren Mann zurückzugewinnen. Gemeinsam besuchen sie eine Psychologin, doch Sigmund verzichtet bald auf die Sitzungen, während Maria durch die Gespräche lernt, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, ihr Selbstbild zu stärken und auch die Entscheidung Sigmunds zu akzeptieren.


Dichte entwickelt "Loveable" durch die Konzentration auf Maria und ihre psychische Verfassung. Intensiv lotet Ingolfsdottir ihre Belastungen und ihre Verzweiflung, ihre Sehnsucht nach Zärtlichkeit ebenso wie ihre immer wieder aufflammende Wut, aber auch ihre schwierige Beziehung zu ihrer Mutter und ihre Abhängigkeit von Sigmund aus. Anschaulich macht sie durch die Wiederholung von Szenen, die leicht variiert werden, erfahrbar, wie sich Maria langsam wandelt, sie einen neuen, genaueren und ehrlicheren Blick auf sich selbst findet und ihr Selbstbewusstsein dadurch gestärkt wird.


Der sehr reduzierte, aber prägnante Musikeinsatz verhindert das Aufkommen von Sentimentalität und verstärkt das Gefühl von Echtheit, während die kalte Winterstimmung die Krise Marias quasi nach außen kehrt. Dennoch ist "Loveable" kein pessimistischer Film, sondern erzählt eben auch bewegend und hoffnungsvoll von einer Selbstfindung.


Die Trennung erscheint so nicht nur als Tragödie, sondern auch als Chance, den Fokus nicht mehr auf den Partner, sondern auf sich selbst zu richten und durch diese intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Person einen neuen Weg ins Leben und Versöhnung mit sich und der Umwelt zu finden.



Loveable

Norwegen 2024

Regie: Lilja Ingolfsdottir

mit: Oddgeir Thune, Helga Guren, Elisabeth Sand, Kyrre Haugen Sydness, Heidi Gjermundsen, Mona Grenne

Länge: 103 min.



Spielboden Dornbirn: Fr 20.3., 19.30 Uhr (norweg. OmU.)



Trailer zu "Loveable"



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