• Walter Gasperi

Light Sleeper


Paul Schrader schickt Willem Dafoe als Drogenkurier durchs nächtliche New York. Bei Koch Films ist das 1992 entstandene Thrillerdrama in einem Mediabook auf DVD und Blu-ray erschienen.


Schuld und die Sehnsucht nach Erlösung sind die großen Themen von Paul Schrader („Mishima – Ein Leben in vier Kapiteln“, 1985). Streng calvinistisch erzogen, hat der 1946 geborene Amerikaner erst spät das Kino entdeckt, arbeitete zunächst als Kritiker, wurde dann als Drehbuchautor speziell von Martin Scorseses „Taxi Driver“ (1976) und „Raging Bull“ (1980) berühmt.


Unübersehbar sind bei „Light Sleeper“ die Parallelen zu „Taxi Driver“ ebenso wie zu Schraders eigener Regiearbeit „American Gigolo – Ein Mann für gewisse Stunden“ (1980) und Schrader selbst sieht seinen Protagonisten John LeTour (Willem Dafoe) als Fortschreibung des von Robert De Niro gespielten einsamen Taxifahrers und Richard Geres Gigolo für reiche Damen.


Wie in Scorseses Meisterwerk erscheint New York als düsterer Ort, an dem sich am Straßenrand die Müllberge aufgrund eines Streiks der Müllabfuhr stapeln. Durch die nächtliche Metropole lässt sich LeTour schon während des Vorspanns chauffieren, um betuchte Kunden aus der Finanzwelt mit Drogen zu beliefern. Seine Aufträge erhält er von der etwas älteren Ann (Susan Sarandon), mit der ihn eine Freundschaft verbindet. Mit dem Drogengeschäft möchte sie genügend Geld verdienen, um den Umstieg auf die Kosmetikproduktion finanzieren zu können.


Auch LeTour selbst war einst süchtig und seine Ehe zu Marianne (Dana Delany) ist daran zerbrochen. Seit längerem ist er nun aber clean, wirkt aber ziellos und leidet an Schlaflosigkeit. Als er Marianne zufällig wieder begegnet, sieht er ein Ziel darin, sie wieder zurückzugewinnen. In einem Diner vermittelt eine Kameraeinstellung zunächst ihre Nähe, wenn sie sich gegenübersitzen und sich ihre Hände berühren, aber nur um nach einem Schnitt sie durch eine Tischabtrennung voneinander zu separieren. Unmöglich scheint eine gemeinsame Zukunft, auch wenn sie sich danach in einem Hotelzimmer lieben werden. Denn was Hoffnung auf einen Neubeginn weckt, leitet vielmehr den endgültigen Bruch und eine Wende ins Tragische ein.


Nicht nur der schlaflose Drogenkurier und das nächtliche New York erinnern an „Taxi Driver“, sondern auch eine Racheaktion LeTours, während andererseits die finale Begegnung von LeTour und Ann im Gefängnis das Ende von „Ein Mann für gewisse Stunden“ zitiert, das wiederum das Ende von Robert Bressons „Pickpocket“ zitierte.


Stilsicher ist das inszeniert und Ed Lachmans Kameraarbeit sorgt für atmosphärische Dichte. Aber die Leidenschaft und Inbrunst die „Taxi Driver“ oder später auch Schraders eigenen „First Reformed“ (2017) so intensiv und mitreißend machten, spürt man hier kaum. Zu sehr verlässt sich Schrader darauf ein weiteres Mal seine Themen zu verhandeln. Die Empathie, die er aber seinem verlorenen Protagonisten LeTour entgegenbringt, und dessen starke Verkörperung durch Willem Dafoe sorgen dennoch dafür, dass diese Figur und ihr Schicksal berührt und die Fragen nach Schuld und Erlösung auch im Zuschauer weiterarbeiten.


An Sprachversionen bieten die bei Koch Films in einem Mediabook erschienene DVD und Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie Untertitel in diesen beiden Sprachen. Die Extras umfassen neben einer Bildergalerie und dem englischen und deutschen Trailer einen – nur englischen – Audiokommentar von Paul Schrader sowie – jeweils deutsch untertitelt - einen 17-minütigen Kommentar Willem Dafoes und Susan Sarandons zu einzelnen Szenen, ein Audiointerview mit Dafoe, ein 17-minütiges Interview mit Schrader und ein Q & A mit Schrader und Kameramann Ed Lachman.


Trailer zu "Light Sleeper"