Liebhaberinnen


Die Filmemacherin Koxi transferiert Elfriede Jelineks 1975 erschienenen Roman um zwei Frauen, die sich nach einem Ausbruch aus ihrer unbefriedigenden Lebenssituation sehnen, in die Gegenwart: Eine ebenso kühle wie einfallsreiche Gesellschaftssatire, die mit schwarzem Humor bissig Abhängigkeiten, patriarchale Strukturen und die Degradierung der Frau zum Objekt anprangert.
1975 gelang Elfriede Jelinek mit dem Roman "Die Liebhaberinnen" der literarische Durchbruch. Die deutsch-luxemburgische Komponistin, Filmemacherin und Filmproduzentin Caroline Kox, die den Künstlernamen Koxi verwendet, lässt in ihrer Adaption nicht nur beim Titel den Artikel weg, sondern transferiert vor allem die Handlung in die Gegenwart.
Aus der Arbeiterin einer Miederwarenfabrik bei der österreichischen Nobelpreisträgerin wird so bei Koxi die etwa 50-jährige Messehostess Brigitte (Johanna Wokalek) und während die auf dem Land lebende 17-jährige Paula (Hannah Schiller) im Roman eine Schneiderlehre beginnt, versucht sie im Film als Influencerin über Handyvideos ihre getragenen Slips und ihre Zehennägel zu verkaufen, um ihr tristes Dorf verlassen zu können. So ist Paula im Film weitgehend auch nur über diese hochformatigen Videos präsent.
Gemeinsam sind den beiden Frauen die Gängelung durch eine dominante Mutter und unbefriedigende Lebensverhältnisse, aus denen sie auszubrechen versuchen. Brigitte, die aufgrund ihres Alters in dem von deutlich jüngeren Frauen dominierten Job eine Außenseiterin ist, muss sich so bei der Bewerbung von luxuriösen Endzeitbunkern ständig die Übergriffigkeit von Männern gefallen lassen und dennoch stets freundlich lächeln.
Ihre schwindende Attraktivität versucht sie durch Besuche im Fitnessstudio zu erhalten, in dessen Umkleideraum sie auch auf ihrer Yoga-Matte schläft, während sie ihre eigene Wohnung untervermietet, um Geld zu machen. Um der Misere zu entkommen, ergreift sie schließlich selbst die Initiative und angelt sich das reiche Muttersöhnchen Heinz (Ben Münchow), während offen bleibt, ob Paula ein Entkommen aus dem monotonen Landleben gelingt.
Getrennt führt Koxi die beiden Erzählstränge, Bindeglied sind Paulas Videos, die Brigitte immer wieder geradezu süchtig auf ihrem Handy anschaut. Durch die Parallelhandlungen weitet "Liebhaberinnen" den Blick auf weibliche Lebenssituationen. Ebenso kühl wie bissig wird dabei die Reduzierung der Frau auf ihren Körper und das sexistische Verhalten der Männer kritisiert.
Koxi interessiert sich dabei mehr für einprägsame Szenen als für die Entwicklung einer stringenten Handlung. Ganz im Stile Jelineks blickt sie gnadenlos nicht nur auf die Männerwelt, sondern auch auf die Mutterfiguren, sodass einem das Lachen immer wieder im Hals stecken bleiben kann. So bitterböse aber auch die karikaturistisch überzeichnete Gesellschaftskritik ausfällt, so lässt doch der kalte Blick nur bedingt Mitgefühl mit den beiden Protagonistinnen aufkommen: Man sieht ihre bedrückende Situation und ihre Sehnsucht nach einem besseren Leben, doch mitgerissen wird man von "Liebhaberinnen" nicht, sondern bleibt distanzierte:r Zuschauer:in.
Liebhaberinnen
Deutschland / Luxemburg 2026
Regie: Koxi
mit: Johanna Wokalek, Hannah Schiller, Ben Münchow, Victoria Trauttmansdorff, Susanne Bredehöft, Ulrike Willenbacher, Stephanie Stremler
Länge: 98 min.
Läuft derzeit in den deutschen und österreichischen Kinos, z.B. im Cinema Dornbirn.
Trailer zu "Liebhaberinnen"




Kommentare