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  • AutorenbildWalter Gasperi

Les histoires d´amour de Liv S.

Nach einem Streit mit ihrem Partner erinnert sich die 38-jährige Liv an frühere Beziehungen: Anna Luifs dritter Spielfilm ist eine von der Hauptdarstellerin Agnès Delachair getragene, leichthändige Reflexion über die Fragilität der Liebe und die meist erfolglose Suche dauerhaftem Glück.


Von Anfang an versetzt das Voice-over in die Perspektive der 38-jährigen Liv Sandor (Agnès Delachair). Sie spricht auch direkt das Publikum an, wenn sie in ihrem roten Badeanzug auf einem Floss auf einem See allein über die Liebe sinniert. Doch alle melancholischen Gedanken sind verflogen, als sie beim Sprung ins Wasser John (Rémi Fortin) kennenlernt: Es ist Liebe auf den ersten Blick und auch die warme Sommerstimmung evoziert ein Gefühl des unbeschwerten Glücks. Doch mit einem Schnitt und dem Insert "Ein Jahr später" ist dieses Glück schon zerbrochen und Liv verlässt wütend das Haus.


Während sie durch die Straßen streift, erinnert sie sich an frühere Beziehungen. Die Begegnungen mit Teenagern in einem Park, die über Dates sprechen, löst eine Erinnerung an ihre erste Liebe in einem Pfadfinderlager aus, der sie selbst durch ihre Angst keine Chance gab. Den Glauben, dass Liebe dauerhaft sein kann, scheint sie schon bei einem Ehestreit ihrer Eltern verloren zu haben.


Dass die Eltern in dem zwar in Zürich spielenden, dennoch französisch gesprochenen Film ungarisch reden, gibt dem dritten Spielfilm der ungarischstämmigen Anna Luif ebenso einen autobiographischen Touch wie, dass ihre Protagonistin später eine Filmschule besucht und mit ihrem ersten Spielfilm einen Erfolg landet.


Von Breitwand- auf Cinemascope-Format weitet sich zwar das Bild, als Lif mit dem Arzt Luc auf einem sonnendurchfluteten Feld das große Glück zu finden scheint, und auch die Musik dreht auf wie beim Happy-End eines Liebesfilms aus Hollywood. Doch auch wenn das Insert mit "The End" eine Dauerhaftigkeit des Liebesglücks signalisiert, so geht für Liv das Leben weiter und auch diese Beziehung zerbricht ebenso wie die mit dem Journalisten Ben.


Während ihre Freundin Emma mit dem Theaterregisseur Paul bald ein Kind hat und die beiden 15 Jahre später heiraten, wird Liv bei dieser Hochzeit erfahren, wie trügerisch die Versprechungen einer Internet-Bekanntschaft sein können. Gleichzeitig kontrastiert die langjährige Beziehung von Emma und Paul natürlich auch Livs häufigen Partnerwechsel.


Spielerisch locker reiht Anna Luif, die sich 13 Jahre nach dem Spielfilm "Madly in Love" (2010) und 20 Jahre nach ihrem Debüt "Little Girl Blue" (2003) zurückmeldet, die Szenen aneinander. Zusammengehalten wird der spürbar von persönlichen Erfahrungen inspirierte Reigen dabei allein von der von Agnès Delachair mit Leidenschaft gespielten Protagonistin. Auf Schritt und Tritt folgt ihr die Kamera von Timon Schäppi in Parallelfahrt bei ihrem Streifzug durch die Stadt und immer wieder kommentiert sie ihre Erfahrungen im Voice-over.


Die schnelle Abfolge der Beziehungen lässt in dem gerade mal 73 Minuten langen Film nie wirklich Traurigkeit und Schmerz aufkommen, sondern durchgängig strahlt "Les histoires d´amour de Liv S." auch durch die beschwingte Musik von Balz Bachmann, die kräftigen und warmen Farben und die Sommerstimmung Leichtigkeit und Lebensfreude aus. Nur wenig Profil gewinnen bei dieser flotten Szenenfolge allerdings die Partner von Liv.


Andererseits hält Luif aber sicher die Balance zwischen Ernst und Komik, reflektiert leichthändig über die Sehnsucht nach einer dauerhaften Liebe und zeigt unterschiedliche Gründe für das Scheitern einer Beziehung auf. Gleichzeitig lässt die Regisseurin ihre Protagonistin aber auch durch ihre Erfahrungen reifen und schlägt am Ende mit einer neuerlichen Badeszene stimmig den Kreis zum Anfang.

 

 

Les histoires d´amour de Liv S. Schweiz 2023 Regie: Anna Luif mit: Agnès Delachair, Jean-Christophe Folly, Marie Fontannaz, Baptiste Gilliéron, Andranic Manet, François Neycken, Dimitri Stapfer, Antonin Schopfer Länge: 73 min.



Läuft derzeit in den Schweizer Kinos, z.B. im Kinok St. Gallen.


Trailer zu "Les histoires d´amour de Liv S."



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