• Walter Gasperi

La fine fleur - Der Rosengarten von Madame Vernet


Um die vom Vater übernommene Rosenzucht vor dem Bankrott zu retten, schreckt Madame Vernet in Pierre Pinauds Komödie auch vor kriminellen Aktionen nicht zurück. Nicht nur das ländliche Frankreich, sondern mehr noch die Vielfalt und Schönheit von Rosen wird in prächtigen Bildern gefeiert, sympathisch sind auch die Protagonist*innen, doch da die Konflikte auf kleiner Flamme köcheln, bleibt dieses Feelgood-Movie doch etwas kraftlos.


Schon mit der einleitenden Großaufnahme von weißen Rosen setzt die Feier der Königin der Blumen ein, seltsamer Kontrast zu den weißen Rosen stellt sich freilich ein, wenn Dean Martin dazu singt "I want some red roses for a blue lady". Keine Chance haben Eve Vernet (Catherine Frot) und ihre treue Mitarbeiterin Vera (Olivia Côte) aber beim nationalen Rosenzuchtwettbewerb in Paris. Schon zum achten Mal in Folge trägt hier der große Konkurrent Lamarzelle (Vincent Dedienne) mit seinem Konzern den Sieg davon.


Gewohnte Gegensätze prallen hier aufeinander mit Eve, die viel Liebe in die Zucht steckt und sich um alles selbst kümmert, und Lamerzelle, der andere für sich arbeiten lässt und für den Rosen nur eine Ware sind, mit der man Geld machen kann. Der klassische Kampf David gegen Goliath wird damit eingeläutet, bei dem Vernet auf verlorenem Posten zu stehen scheint.


Finanziell schwer angeschlagen ist ihr Betrieb nämlich, nicht einmal Saisonarbeiter kann sie sich leisten. In der Notlage hat Vera als neue Helfer zwei Arbeitslose und einen Ex- Häftling aus einem Resozialisierungsprogramm angestellt. Nicht von ungefähr erinnert dieses Trio an die Underdogs in Ken Loachs "The Angel´s Share", nennt doch auch Regisseur Pierre Pinaud diesen Film als wichtige Referenz.


Mit dieser Tragikomödie kann aber "Der Rosengarten von Madame Vernet - La fine fleur" nicht mithalten. Zu wenig erfährt man dazu über die Biographie des 50-jährigen algerischstämmigen Samir (Fatsah Bouyahmed) und über die überängstliche junge Nadege (Marie Petiot). Blass bleiben so diese Figuren, einzig beim mehrfach vorbestraften Fred (Melan Omerta) bekommt man Einblick in seine Kindheit mit Vernachlässigung durch die Eltern und den drohenden Rückfall in die Kriminalität.


Zu dieser regt Madame Vernet ihre drei Helfer freilich selbst an, denn nur durch Diebstahl der preisgekrönten Rose von Lamarzelle kann eine Kreuzung hergestellt werden, mit der im kommenden Jahr der dringend nötige Sieg beim Zuchtwettbewerb errungen wird. Einen Einschlag in Richtung Heist-Movie nimmt diese Komödie mit diesem Einbruch und liefert damit schon den dramatischen Höhepunkt, ehe wieder die Pflege der Blumen, aber auch der Kampf gegen die finanziellen Probleme ins Zentrum rücken.


Spannung und Witz köcheln hier aber eher auf kleiner Flamme, denn auch der Konflikt mit dem Konkurrenten Lamarzelle wird nicht groß ausgespielt, zentraler ist das langsame Zusammenwachsen der Chefin und ihrer neuen Arbeiter*innen. Über sie führt Pinaud, der seinen zweiten Spielfilm seiner Mutter gewidmet hat, auch das Publikum in die Kunst der Rosenzucht ein und in jeder Szene lässt Catherine Frot spüren, wie die Rosen für Madame Vernet ihre ganze Leidenschaft sind. Nur angedeutet wird, dass sie vielleicht nie eine andere Wahl hatte, sondern von ihrem Vater von klein auf in den Familienbetrieb hineingedrängt wurde.


Trefflich besetzt sind auch die drei Arbeitslosen sowie Madames Mitarbeiterin Vera, die Olivia Côte wunderbar steif und ernst spielt, doch das dramatische oder auch komödiantische Potential, das diese gegensätzlichen Charaktere bieten, schöpft Pinaud so wenig aus wie er deren schwierige soziale Situation auslotet. Statt auf Konfrontation und sozialkritischen Impetus setzt der Franzose auf Harmonie und Wohlgefühl.

Geschickt werden zwar neue Strategien beim Verkauf von Rosen durch die Montage gerafft und für Witz sorgt auch, wie Eve und Co. an Allerheiligen vor dem Friedhof ihren Verkauf ankurbeln, insgesamt bleibt das aber doch – trotz der bis in den Nachspann hinein farbintensiven Beschwörung der Vielfalt und Schönheit der Rosen - etwas farblos und kraftlos. Da fehlt es doch etwas an Würze, denn zu sehr in ausgetretenen Bahnen solcher Filme bewegt sich diese Komödie, bei der vorhersehbar ist, dass es nach positiver Entwicklung kurz vor Ende zwar zu einem Tiefschlag kommt, aber schließlich doch alles gut ausgehen wird.


Läuft derzeit in den Kinos, z.B. im Feldkircher Kino Rio (Deutsche Fassung), im Kinok St. Gallen (O.m.U.) und im Skino in Schaan (O.m.U.).


Trailer zu "Der Rosengarten von Madame Vernet - La fine fleur"