• Walter Gasperi

Kursk


Im August 2000 sank das russische Atom-U-Boot Kursk nach zwei Explosionen. 23 der 118 Besatzungsmitglieder überlebten diesen Unfall zwar, doch statt rasch Rettungsmaßnahmen einzuleiten, zögerte die russische Führung und lehnte auch das Angebot internationaler Hilfe ab. – Das Drama, in dem der Däne Thomas Vinterberg nicht nur beklemmend die zunehmend aussichtslose Lage der eingeschlossenen Seeleute, sondern auch die Situation ihrer Familien nachzeichnet, ist bei Koch Media auf DVD und Blu-ray erschienen.


Erschütternd ist diese Katastrophe, weil man einen Teil der Besatzung hätte retten können, wenn man die Menschlichkeit über politische Überlegungen gestellt hätte. So aber wurden die Hilfsmaßnahmen unnötig hinausgezögert, weil die russische Führung sich nicht die Blöße geben wollte, internationale Hilfe in Anspruch zu nehmen.


Thomas Vinterberg deckt in seiner Verfilmung von Robert Moores Bestseller "A Time to Die" nicht nur die Arroganz der militärischen Befehlshaber und das Taktieren auf Kosten von Menschenleben auf, sondern auch die schweren technischen Mängel in der russischen Marine. Eine zielführende Rettungsaktion war so nie nötig, gleichwohl verwehrte man aus Angst militärische Geheimnisse preiszugeben auswärtigen Spezialisten den Zugang zum Unfallort. Weil man sich selbst keine Fehler zugestehen wollte, ging man sogar so weit, den Unfall in der Barentssee mit einer Kollision mit einem ausländischen U-Boot zu erklären.


Fröhlich setzt Thomas Vinterbergs Film mit einer Hochzeit ein, als Gegenpol dazu wird am Ende eine Trauerfeier stehen. Und wie „Kursk“ im engen 4:3 Format beginnt, wird er am Ende auch zu diesem zurückkehren, während der Hauptteil in breitem Cinemascope gefilmt ist.

Schon nach 25 Filmminuten kommt es zum verheerenden Unfall, bei dem das Atom-U-Boot nach der Explosion von zwei Torpedos sinkt. Auslöser ist auch hier die Ignoranz eines Generals, der auf Warnungen nicht reagiert, sondern seinen Plan durchziehen will.


Beklemmend vermittelt Vinterberg, unterstützt von Kameramann Anthony Dod Mantle nicht nur die klaustrophobische Enge im U-Boot, sondern auch die Kälte des Wassers, wenn zwei Seeleute in einen gefluteten Bereich des U-Boots tauchen, um Sauerstoffpatronen zu holen.


Der Däne, der mit seinem Spielfilmdebüt "Das Fest" 1998 die Dogma-Bewegung mitbegründete, verharrt aber nicht im U-Boot, sondern blickt dazwischen auch immer wieder zu den Frauen der Seeleute, speziell zur Frau des Protagonisten Mikhael (Mathias Schoenaerts) und seinem Sohn Misha. Wenn diese am Beginn noch Beeren auf einer Wiese unter weitem Himmel sammeln, ergibt sich auch der Gegensatz von Leben hier und Tod am Meeresgrund. Eindrücklich wird die Verlorenheit und Aussichtslosigkeit spürbar, wenn das U-Boot in Totalen in der Meerestiefe isoliert wird.


Bald aber rückt die Unsicherheit der Frauen, ihre bohrenden und verzweifelten Fragen an die Militärs, wie es mit Rettungsaktionen ausschaut, ins Zentrum. Und auf der anderen Seite schildert Vinterberg die Borniertheit und das Versagen der alten Militärs, die nur an die vermeintliche Größe und das Ansehen Russlands denken, so plastisch, dass es wütend macht.


Erschütternd wird in dem insgesamt freilich sehr konventionell und ohne Verve inszenierten Drama das langsame Sterben im U-Boot, das Schwinden der Hoffnung, dem mehrfach kurz aufflackernde Hoffnungsschimmer gegenüberstehen, geschildert. Zentraler ist für Vinterberg aber, was die Kaltschnäuzigkeit der Militärs den Familien, den Frauen und den Kindern antat. Nicht erst beim Schlussinsert, das festhält, dass die gestorbenen Seeleute 71 Kinder hinterließen, wird dies klar.


An Sprachversionen bietet die bei Koch Media erschienene DVD und Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie deutsche Untertitel. Die Extras umfassen ein etwa fünfminütiges Making-of und ein ebenso langes Featurette zu den Modellen des U-Boots und den Dreh der U-Boot-Szenen sowie den Trailer und eine Bildergalerie.


Trailer zu "Kursk"