• Walter Gasperi

Kultige Krimis: Die Edgar-Wallace-Filme


Der Hexer (Alfred Vohrer, 1964) (c) Filmarchiv Austria

Legendär sind die 32 Krimis nach Romanen von Edgar Wallace, die zwischen 1959 und 1972 von der deutschen Produktionsfirma Rialto hergestellt wurden. Aus Anlass des 90. Todestags des britischen Autors am 10. Februar erinnert das Filmarchiv Austria mit der Filmreihe "Im Banne des Unheimlichen" aber auch daran, dass es Verfilmungen der Romane des Briten schon in der Stummfilmzeit und den 1930er Jahren gab.


Mit 175 Büchern und 15 Theaterstücken gilt der Brite Edgar Wallace (1875 – 1932) als Vielschreiber. Auch am Drehbuch von "King Kong" (1933) arbeitete er mit, starb aber während der Dreharbeiten dieses Klassikers. Wenig bekannt ist, dass schon in der Stummfilmzeit und in den frühen 1930er Jahren in Deutschland Verfilmungen seiner Krimis entstanden. Schon 1931 drehte so Carl Lamak eine Version von "Der Zinker", 1932 adaptierte derselbe Regisseur "Der Hexer" für die Leinwand.


Fast vergessen sind diese Filme freilich, während die zwischen 1959 und 1972 entstandenen Krimis teilweise Kultstatus genießen. Den richtigen Riecher bewies der dänischen Produzent Preben Philipsen Mitte der 1950er Jahre mit der Idee einer Filmserie nach Romanen von Wallace. Den Anfang machte "Der Frosch mit der Maske" (1959), auf den in der Folge, ab 1961 unter der Gesamtleitung des Produzenten Horst Wendlandt, 31 weitere Krimis folgten.


Vielfältig sind die Gründe für den Erfolg dieser Reihe. Mit Abflauen der Heimatfilmwelle gab es beim Publikum den Wunsch nach etwas Neuem. Das Fernsehen hatte zwar schon Einzug gehalten, doch im Gegensatz zu heute waren Krimis dort einerseits rar, andererseits auch sehr bieder. Die Edgar-Wallace-Filme versprachen dagegen gezielt, das zu zeigen, was man im Fernsehen nie zu sehen bekommen wird. Gemischt wurde so eine Detektivgeschichte mit Horrorelementen und einer Prise Humor. Relativ gleichbleibend waren Aufbau und Figuren, sukzessive gesteigert wurden aber die Schockmomente.


Am Beginn steht meist ein effektvoll in Szene gesetzter Mord, auf den die Ermittlungen eines Polizisten oder Detektivs folgen. Motiv für das Verbrechen ist dabei oft ein großes Familienerbe. Mehrere neurotische Familienmitglieder sind tatverdächtig, während die tatsächliche Erbin vielfach eine junge Frau, oft eine Waisin ist, die vom Ermittler beschützt und gerettet werden muss. Neben dem Drahtzieher im Hintergrund darf dabei meist auch ein brutaler, zum Wahnsinn neigender Handlanger nicht fehlen.


Für Kontinuität sorgte auch ein relativ konstantes Team. Zentrale Regisseure waren Harald Reinl, der neben "Der Frosch mit der Maske" vier weitere Filme inszenierte, und Alfred Vohrer, der bei 14 Filmen Regie führte. Abonniert auf die Rolle des Ermittlers waren Joachim Fuchsberger und Heinz Drache. Für die gefährdeten jungen Frauen wählte man Darstellerinnen wie Karin Dor, Karin Baal und Uschi Glas, während Klaus Kinski als wahnsinniger Killer berühmt wurde.


Profilierte Schauspieler wie Gert Fröbe oder Dieter Brosche verkörperten die Drahtzieher im Hintergrund, Größen wie Elisabeth Flickenschildt und Rudolf Fernau übernahmen Nebenrollen, während Eddie Arent vielfach in der Rolle eines tollpatschigen Journalisten für den humoristischen Akzent sorgte.


Wesentlich zum Flair der Filme trugen auch die Schauplätze bei. Neben einem oft nebelverhangenen London waren das oft Schlösser oder geräumige Landsitze, bei denen natürlich finstere Keller und Verliese nie fehlen durften.


Auch die speziellen Mordmethoden trugen nicht unwesentlich zum Erfolg der Serie bei. Mit Pfeil und Bogen ("Der grüne Bogenschütze", 1961) arbeiten die Täter ebenso wie mit einem Schweißbrenner ("Das Gasthaus an der Themse", 1962) einer Harpune ("Das Gasthaus an der Themse", 1962) oder einem Halstuch ("Das indische Tuch", 1963).


Vom Budget her waren das billige B-Movies und auch filmsprachlich blieb die Serie hinter den damaligen Möglichkeiten zurück. Während in Frankreich die Nouvelle Vague blühte, in Deutschland mit dem Oberhausener Manifest 1962 der Grundstein für den Neuen Deutschen Film gelegt wurde, pflegten die Edgar-Wallace-Filme gerade die Erzählweisen und Rollenbilder des alten Kinos.


Nur eine Verschiebung der Muster des Heimatfilms sieht so Rainer Heinz in dieser deutschen Krimiwelle. An die Stelle der Wilderer treten für Heinz in diesen Filmen habgierige Erbschleicher, gerissene Massenmörder und perfide Killer, in denen die Saturiertheit der Wirtschaftswunderjahre einen Negativ-Reflex erfuhr.

Vorbereitet wurden mit diesen Filmen aber auch spätere TV-Krimi-Serien, wenn Heinz Drache später zum "Tatort" wechselte, Wallace-Ermittler Siegfried Lowitz mit "Der Alte" ebenso eine eigene Serie bekam wie Horst Tappert mit "Derrick".


Aber auch in Großbritannien entstanden in den 1960er Jahren im Rahmen der Reihe "Edgar Wallace Mysteries" 47, jeweils etwa 60-minütige Verfilmungen, die aber im deutschsprachigen Raum nie aufgeführt wurden und so relativ unbekannt blieben.


Aber auch Epigonen blieben mit einer Serie von "Dr. Mabuse"-Filmen, den "Pater Brown"-Filmen, in denen Heinz Rühmann den ermittelnden Pater Brown spielte, sowie Verfilmungen der Romane von Edgar Wallaces Sohn Bryan nicht aus. Und ab den 1990er Jahren folgten Parodien wie "Otto – Die Serie", die großteils aus neu synchronisierten Szenen aus Edgar Wallace-Filmen bestand, oder in den 2000er Jahren "Der WiXXer" (2004) und "Neues vom WiXXer" (2007). - Dass aber vor allem die Popularität der klassischen Edgar-Wallace-Filme ungebrochen ist, beweisen die stets beachtlichen Zuschauerzahlen bei Wiederholungen im Fernsehen.


Spieldaten und weitere Informationen finden Sie auf www.filmarchiv.at


Trailer zu "Der Frosch mit der Maske" (1959)