• Walter Gasperi

Kiss Me Kosher


Unbekümmert, aber auch unausgewogen und sprunghaft erzählt Shirel Peleg von einer lesbischen Liebe zwischen einer Jüdin und einer Deutschen vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte und den Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern.


Kräftige Farben, flotte Musik und die dynamisch auftretende Shira (Moran Rosenblatt) stimmen auf eine leichte Komödie ein. Offen lebt die junge Frau ihre Homosexualität, weder ihre Eltern noch ihre Oma (Rikva Michaeli), von deren heimlichen Beziehung zu einem Palästinenser nur Shira weiß, haben ein Problem damit. Diffiziler ist schon, dass sie sich nun in eine Deutsche verliebt hat. Weil Maria (Luise Wolfram) Shira aus einem Missgeschick heraus mehr spielerisch als ernst gemeint sogar einen Heiratsantrag gemacht hat, werden die familiären Beziehungen, aber auch Spannungen intensiver.


Während Maria ihre zukünftigen Schwiegereltern zum Abendessen besucht und dabei immer wieder über ihre Familiengeschichte, speziell natürlich über deren Haltung im Nationalsozialismus, befragt wird, reisen auch Marias Eltern aus Deutschland an. Für Spannungen sorgt aber auch, dass Maria langsam entdeckt, dass Shira vor ihr zahlreiche rasch wechselnde Partnerinnen hatte. Und auch die Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern spielen herein.


Mit ansteckender Spielfreude agiert zwar das Ensemble, das vom Amerikaner John Carroll Lynch als Shiras Vater über Juliane Kohler als Marias Mutter bis zu Moran Rosenblatt und Luise Wolfram als lesbisches Liebespaar und Rivka Michaeli als starke Oma Berta reicht. Diese Oma, eine Meisterin im Monopoly, ist das geheime Kraftzentrum des Films, nach ihr hat Shira auch ihr Café "The Real Jewish Princess" genannt, aber gerade für diese Oma ist eine Heirat mit Maria, die nicht nur lesbisch und nicht-jüdisch, sondern auch noch – was Berta keinesfalls akzeptiert – deutsch ist, ein No-Go.


Die Regie von Shirel Peleg, die in Israel aufgewachsen ist und in Deutschland studiert hat, ist ziemlich fahrig, lässt eine klare Fokussierung und Stoßrichtung vermissen. Vieles wird angerissen, aber nichts wirklich vertieft und seltsam in der Luft hängen auch drei von der Handlung losgelöste Musikeinlagen mit Hochzeitsliedern, die den Film gliedern. Aus der Bahn werfen diese leichte Komödie aber auch ernste Passagen, wie der Besuch eines Holocaust-Museums oder die im Hintergrund durchschimmernden israelisch-palästinensischen Spannungen.


Gut gemeint ist diese Culture-Clash-Komödie zweifellos. Doch so positiv das Plädoyer für Toleranz hinsichtlich sexueller Beziehungen und für den Abbau von kulturellen und ethnischen Barrieren sowie für eine Überwindung der belasteten deutsch-israelischen Geschichte auch ist, so will "Kiss Me Kosher" trotz rasanter Dialoge und flotter Musik nicht richtig zünden.


Zu viel presst Peleg einerseits in ihr Debüt hinein, wenn es auch noch um ein Filmprojekt von Shiras jüngerem Bruder geht, bei dem er die lesbische Beziehung seiner Schwester dokumentiert. Andererseits lässt der abrupte Wechsel der Tonlagen und Szenen keinen richtigen Erzählfluss aufkommen und auch die Gefühlsumschwünge der Protagonistinnen sowie von Oma Berta sind nicht glaubwürdig. – Statt fein gewoben wirkt das doch sehr grob gestrickt, reizt im Detail zwar zum Lachen, fügt sich aber nicht zu einem runden Film, sondern bleibt letztlich Stückwerk.


Nicht gut bekommen ist dem Film aber sicherlich auch die Synchronisation, bei der das zumindest dreisprachige deutsch-hebräisch-englische Original durchgängig eingedeutscht wurde. Die Gegensätze, die im Original auch in der sprachlichen Differenz spürbar werden, werden so negiert und auch Atmosphäre will so kaum aufkommen.


Läuft derzeit in den Schweizer Kinos. - z.B. im Kinok St. Gallen


Trailer zu "Kiss Me Kosher"