• Walter Gasperi

In den Kerkern von Marokko – Yankee Pasha


Kino als pure Schaulust bietet Joseph Pevneys bei Pidax Film auf DVD erschienener Abenteuerfilm: Exotische Kulisse, kräftige Technicolorfarben und im Zentrum die Queen of the B´s Rhonda Fleming. - Da sieht man über die simple Handlung und Inszenierung locker hinweg.


Ein Insert verankert die Handlung in Salem, Massachusetts im Jahr 1800. Wie ein klassischer Western beginnt der 1954 gedrehte "In den Kerkern von Marokko" mit der Ankunft eines Fremden in der Kleinstadt. Sogleich demonstriert dieser Trapper namens Jason Starbuck (Jeff Chandler), von Kindern herausgefordert, auch seine Schießkünste, und wird sich unmittelbar darauf auf ein Pferderennen einlassen.


Zudem wirft die hübsche Roxana (Rhonda Fleming) ein Auge auf Starbuck, gibt ihm Tipps, wie er beim Pferderennen seinen Konkurrenten besiegen kann. Dass es sich dabei ausgerechnet um Roxanas Verlobten handelt, macht schon deutlich, dass ihre Liebe nicht allzu groß ist. Nur ihrem Vater zuliebe will sie den vermögenden und arroganten Mann heiraten, verliebt sich aber so leidenschaftlich in Starbuck, dass die Verlobung gelöst wird.


Um Tratsch aus dem Weg zu gehen, bricht sie mit ihrem Vater nach Marseille auf, doch das Schiff wird von Piraten gekapert, der Vater getötet und sie selbst als Sklavin nach Marokko in einen Harem verkauft. Als Starbuck von der Lösung der Verlobung erfährt, folgt er ihr, kommt schließlich auch nach Marokko, kann sich mit seinen Schießkünsten einen Job als Ausbildner der Armee des Sultans sichern, versucht aber vor allem Roxana zu finden und zu befreien.


Da mag Jeff Chandler steif spielen und die Handlung simpel gestrickt sein, doch Joseph Pevney erzählt so flott und leichthändig, dass nie Leerlauf aufkommt. Die großen Stärken dieses Abenteuerfilms sind aber zweifellos die kräftigen Technicolorfarben und Rhonda Fleming. Hier kommen nicht nur ihre roten Haare und grünen Augen so richtig zur Geltung, sondern auch das mal blaue, mal gelbe und dann wieder braune Kleid lässt den Blick auf diese Queen of Technicolor richten.


Gesteigert wird die Farbenpracht noch durch die Verlagerung der Handlung nach Marokko, mit der auch noch Exotik in den Film kommt. Während der Machtkampf zwischen dem Sultan (Lee J. Cobb) und dem militärisch überlegenen Omar Id-Din sowie vor allem die heimliche Suche Starbucks nach der Geliebten für Spannung sorgen, bieten die bunten Kostüme, vor allem aber die Haremsfrauen jede Menge Augenfutter.


Acht Teilnehmerinnen der Miss Universe-Wahl 1953 dürfen sich hier in hauchdünnen Kleidern präsentieren und viel Bauch und Bein zeigen, im Zentrum aber steht Rhonda Fleming, auf die der Film ganz zugeschnitten ist. Wie schon in Salem sieht man sie auch in Marokko in stets neuen Kleidern, die nun nicht mehr hochgeschlossen sind, sondern den Körper Flemings, die in den 1950er Jahren zu den schönsten Frauen Hollywoods zählte, richtig zur Geltung bringen.


Politisch völlig unkorrekt ist freilich, wie hier Frauen zu Objekten für männliche Schaulust degradiert werden, doch Flemings Roxana ist durchaus eine auch selbstständig agierende Frau. Einerseits beugt sie sich nicht Omar und setzt sich heftig zur Wehr, andererseits wird sie selbst aktiv, als die Flucht durch Verrat auffliegt und Starbuck ergriffen und in den Kerker geworfen wird.


Wer mehr über diese am 14. Oktober 2020 im Alter von 97 Jahren verstorbene Schauspielerin wissen will, dem sei Robert Zions ebenso informative wie flott geschriebene, schwergewichtige Monographie "Rhonda Fleming - Queen of the B´s" empfohlen.


An Sprachversionen bietet die bei Pidax Film erschienene DVD die englische Original- und die deutsche Synchronfassung, aber keine Untertitel. Die Extras beschränken sich auf eine Bildergalerie und eine Trailershow sowie als Booklet den Nachdruck der Illustrierten Film-Bühne.