• Walter Gasperi

Im Kino: Was wir wollten

Aktualisiert: Apr 6


Nach Peter Stamms Erzählung "Was wir wollten" erzählt Ulrike Kofler in ihrem Langfilmdebüt von einem Paar, das, da der Kinderwunsch unerfüllt bleibt, bei einem Urlaub auf Sardinien Klarheit über die gemeinsame Zukunft gewinnen will. – Ein feinfühliges und sanftes Drama, das den starken Hauptdarstellern Lavinia Wilson und Elyas M`Barek viel Raum lässt, es aber doch etwas an Intensität missen lässt.

Niklas (Elyas M´Barek) und Alice (Lavinia Wilson) sind ein glückliches Paar. Er ist Sozialarbeiter, sie Beraterin bei einer Bank und das neue Einfamilienhaus am Stadtrand von Wien steht vor der Fertigstellung. Einzig der Kinderwunsch will sich nicht erfüllen und auch der jüngste Versuch einer künstlichen Befruchtung blieb erfolglos. Die Ärztin empfiehlt ihnen Urlaub zu machen und schon in der nächsten Einstellung sind sie unterwegs Richtung Sardinien.


Mit Blicken aus dem Auto auf Kinder macht Ulrike Kofler eindringlich Alices Wunsch nach einem eigenen Kind und die Belastung, die die Nichterfüllung dieses Wunsches auslöst, erfahrbar. Wenig erfreut sind die beiden folglich, als in der Ferienanlage auf Sardinien im benachbarten Bungalow eine Tiroler Familie mit einem 14-jährigen Sohn und einer etwa fünfjährigen Tochter einzieht. Ständig werden sie so mit einer Familie konfrontiert, die auch das hat, was ihnen noch fehlt. Und während das Tiroler Paar auch ein glückliches Eheleben führt, werden die Spannungen und Risse in der Beziehung von Niklas und Alice, die sie zunächst überspielen, zunehmend offensichtlich.


Man versucht sich den Nachbarn zu entziehen, dennoch lässt sich der Kontakt auf Dauer kaum vermeiden. Immer wieder mal schaut die kleine Denise vorbei und zum Ärger von Alice nimmt Niklas die Einladung von Romed zu einer Klettertour an. Am nächsten fühlt sich Alice dem Teenager David, der sich von seiner Familie abschottet und niemanden an sich heranlässt, dessen No-Future-Haltung aber auch langsam die Erkenntnis weckt, dass man vielleicht nicht um jeden Preis Kinder haben muss.


Ulrike Kofler, die bisher vor allem als Cutterin der Filme von Marie Kreutzer arbeitete, die hier für den Schnitt verantwortlich zeichnet und auch zusammen mit Kofler und Sandra Bohle das Drehbuch schrieb, dramatisiert nicht, sondern beschränkt sich aufs ruhige Beobachten. In langen und sorgfältig kadrierten Einstellungen lässt sie den SchauspielerInnen immer wieder viel Raum, ihren Figuren und deren Verfassung Profil zu verleihen.


Auch beim Musikeinsatz hält sich Kofler wohltuend zurück. Sie baut zwar gut ein halbes Dutzend sanfte Popsongs vor allem der Amerikanerin Cat Power ein, die fragmentierten stimmungsvollen Erinnerungsbildern an ein früheres Glück unterlegt sind, aber bei der eigentlichen Handlung wird auf Musik weitgehend verzichtet. Emotionen werden nicht aufgebauscht, sondern realistisch wirken die Szenen durch die sanfte und leise Erzählweise.


Vertrauen kann Kofler dabei auf Lavinia Wilson und Elyas M`Barek, die eindrücklich die Schwierigkeiten und Spannungen dieses Paares vermitteln. Während Wilson Alice als Frau spielt, die der unerfüllte Kinderwunsch in stille Trauer gleiten lässt, legt M´Barek Niklas als gutmütigen Partner an, der sich Alice aber auch zunehmend entzieht, da er mit ihrer Trauer und ihrem zwanghaften Kinderwunsch nicht umgehen kann. Mit Witzen versucht er sie immer wieder aufzuheitern, doch ihrer Situation sich stellen und offen darüber reden, gelingt dem Paar lange nicht. Erst ein dramatisches Ereignis ermöglicht es ihnen, sich ihrer Vergangenheit zu stellen und damit auch einen möglichen Weg in die Zukunft zu finden.


So sehr man die zurückhaltende Inszenierung, die mehr auf Stimmungen als auf Handlung setzt, aber auch schätzen mag, mit ihr geht doch auch das Problem einher, dass dieses Beziehungsdrama, das Österreich für den heurigen Auslands-Oscar einreichte, die Intensität nicht über 100 Minuten aufrecht halten kann. Fad wird es zwar nicht, aber echte Durchschlagskraft entwickelt dieses Debüt, das auch jede Überraschung und jeden filmischen Wagemut vermissen lässt, eben auch nicht.


Läuft derzeit im Cinema Dornbirn TaSKino Feldkirch im Kino Rio: Mi 24.3., 18 Uhr; Sa 27.3., 17.15 Uhr; Mo 29.3., 17.45 Uhr


Trailer zu "Was wir wollten"