• Walter Gasperi

French Exit

Aktualisiert: Sept 3


Michelle Pfeiffer brilliert als ehemals reiche Amerikanerin, die sich mit ihrem Sohn nach Paris zurückzieht, um dort ihr letztes Geld zu verbrauchen. Begegnungen mit skurrilen Figuren sorgen bald für absurden Humor in Azazel Jacobs Verfilmung von Patrick De Witts Roman.


Die lange Liste an Produktionsfirmen lässt darauf schließen, dass sich die Finanzierung von „French Exit“ nicht einfach gestaltete. Großes Spektakel hat Azazel Jacobs´ Komödie auch nicht zu bieten, sondern entspannt oder abgehangen erzählt der 49-jährige Amerikaner, dramatisiert nicht und setzt auch nicht auf große Lacher, sondern vertraut auf seine Schauspieler*innen und den feinen Humor, der sich aus den skurrilen Figuren und absurden Situationen entwickelt.


Michelle Pfeiffer spielt die ebenso versnobte wie exzentrische Frances Price, die mittels des Vermögens ihres vor zwölf Jahren verstorbenen Mannes ein Luxusleben in der New Yorker High Society führt. Fest war sie davon überzeugt, dass das Geld, zu dem ihr jeder Bezug fehlt und das sie mit vollen Händen ausgibt, bis zu ihrem Tod ausreicht, doch dann teilt ihr der Finanzberater mit, dass praktisch alles aufgebraucht ist. Nur noch Schmuck, Kunstwerke, Möbel und Bücher sind ihr nun geblieben, die sie verkauft um ihre Schulden zu tilgen und einen neuen – letzten – Lebensabschnitt zu beginnen: Auf Anraten einer Freundin, die in Paris eine leerstehende Wohnung besitzt, bricht sie mit ihrem Sohn Malcolm (Lucas Hedges) und dem schwarzen Kater Small Frank nach Übersee auf.


Ohne zu zögern lässt Malcolm seine Verlobte Susan (Imogene Poots) sitzen und folgt seiner Mutter. Nicht mit dem Flugzeug, sondern mit dem Ozeandampfer geht’s nach Europa und schon auf der Überfahrt ergibt sich eine schräge Begegnung mit einer Wahrsagerin (Danielle MacDonald) und in der Pariser Wohnung versammeln sich zunehmend mehr skurrile Charaktere. Da stellt sich zunächst eine Amerikanerin, die seit dem Tod ihres Mannes vereinsamt ist und Kontakt sucht, ein und, als Kater Small Frank ausbüxt, muss ein Detektiv engagiert werden, um die Wahrsagerin zu finden, die scheinbar eine besondere Beziehung zum Kater hat. Denn das ist für Frances eben kein gewöhnlicher Kater, sondern die Reinkarnation ihres verstorbenen Mannes. Zudem kündigen sich bald weitere Besucher*innen aus den USA an.


Keine große Handlung entwickelt Azazel, baut vielmehr eine Bühne für seine Schauspieler*innen, vor allem für Michelle Pfeiffer und Lucas Hedges auf. Dieses Angebot lässt sich Pfeiffer nicht entgehen, spielt mit sichtlichem Vergnügen diese arrogante Amerikanerin, die sich gegenüber anderen immer wieder unmöglich benimmt, und lässt doch langsam hinter der kalten Fassade Melancholie und Ängste sichtbar werden. Ein Vergnügen ist es einfach ihr zuzusehen, wie sie mit ihrem mit Pelz besetzten kamelfarbenen Wollmantel durch die Straßen streift, mit vollen Händen das Geld ausgibt, für einen Kaffee einen 100 Euro-Schein liegen lässt, einem Obdachlosen mehrere Bündel mit Hundertern übergibt oder in einem Restaurant auf sich aufmerksam macht, indem sie seelenruhig die Tischdekoration in Brand steckt.


Während Pfeiffer richtig aufdreht, beeindruckt Lucas Hedges mit zurückhaltendem und leisem Spiel. Zunächst von der Mutter ignoriert, wurde er nach dem Tod ihres Mannes sofort aus dem Internat geholt, um quasi an dessen Stelle zu treten. Wie ihr Schoßhündchen wirkt er nun und muss sich erst emanzipieren und erwachsen werden. Trefflich besetzt sind aber auch die Nebenfiguren, die alle eine gewisse Verlorenheit und Einsamkeit verbindet.


Die skurrilen Figuren und die absurden Situationen erinnern teilweise an Miranda Julys „Kajillionaire“ oder auch an die Filme von Wes Anderson und doch ist „French Exit“, dessen Titel einen Ausstieg ohne Vorwarnung bezeichnet und sich sowohl auf die Reise nach Paris als auch auf Malcolms damit verbundene Trennung von seiner Verlobten bezieht, etwas ganz Eigenes. Ein großer Film ist das kaum, aber ganz sicher eine große Plattform für eine große Schauspielerin, die diese Chance zu nutzen versteht und der das spielfreudige Ensemble auch mit sichtlichem Vergnügen zuspielt.


Läuft derzeit in den Schweizer Kinos, z.B. im Kinok St. Gallen


Trailer zu "French Exit"