• Walter Gasperi

Flucht vor dem Tode - The Cimarron Kid


Nach einer Haftstrafe möchte ein junger Mann ein rechtschaffenes Leben führen, schließt sich aber aufgrund der Repressionen durch einen Eisenbahndetektiv bald einer Gangsterbande an. Bei Koch Media ist Budd Boettichers kompakter Western, der durch Ambivalenzen Farbe gewinnt, als 46. Titel in der Reihe Western-Legenden auf Blu-ray erschienen.


Ansatzlos setzt Budd Boettichers 1952 gedrehter erster Western mit der Begnadigung des jungen Bill Doolin (Audie Murphy) ein. Zu Unrecht scheint er einst aufgrund zweifelhafter Zeugenaussagen verurteilt worden zu sein, der Sheriff scheint von seiner Unschuld überzeugt und alle wünschen ihm bei seiner Haftentlassung viel Glück.


Doch schon in der nächsten Szene gerät Bill in einen Eisenbahnüberfall und wird von den anderen Fahrgästen prompt der Mittäterschaft verdächtigt. Eine Vorladung zum Eisenbahndetektiv Swanson (David Wolfe), der schon bei Bills erster Verhaftung die Fäden zog, erweist sich als Falle. Bill kann zwar entkommen, doch treibt ihn der Betrug in die Hände der Dalton-Bande.


Wie unerklärlich ist, wieso aus diesen historischen Banditen in der deutschen Fassung die Kingstons wurden, so ist der nur in der deutschen Fassung vorhandene Off-Erzähler, der nach der Flucht Bills Situation kommentiert, entbehrlich. Wenn Bilder und Montage alles klar darlegen, sind Worte nicht mehr nötig, sondern stören nur.


Ein großer Überfall scheitert zwar, aber dem Gangsterleben will Bill, der sich nun Cimarron Kid nennt, vorerst nicht abschwören. Er will sich mit seinen Beutezügen zunächst noch genug Geld verschaffen, um mit der von ihm geliebten Farmerstochter in Argentinien ein neues Leben beginnen zu können.


Geradlinig und mit größter Ökonomie erzählt Boetticher, verklärt den Outlaw weder noch verdammt er ihn, sondern lässt vielmehr mit ihm und dem Eisenbahnangestellten Swanson einen Einzelkämpfer auf die Maschinerie des Kapitalismus treffen. Wie Kleists Michael Kohlhaas freilich nicht straflos Grenzen überschreiten durfte, so kann auch Bill nicht ungeschoren davonkommen.


Die Lakonie, Entspannt- und Entschlacktheit von Boettichers legendärem Ranown-Zyklus ("Ride Lonesome - Auf eigene Faust") findet man hier zwar noch nicht, aber action- und temporeich ist das erzählt, lässt auch originelle Einfälle wie einen brennenden Heuwagen als Schutz oder eine Eisenbahndrehscheibe als Schauplatz eines Showdowns nicht vermissen.


Etwas holprig entwickelt sich zwar die Handlung und Unglaubwürdigkeiten fehlen nicht, aber geschickt spielt Boetticher immerhin mit der Sehnsucht nach einem glücklichen Leben und dem Scheitern der Pläne durch wiederholten Verrat. Auch ein gesellschaftskritischer Akzent findet sich, wenn einem schwarzen Außenseiter, der den Outlaws Unterschlupf gewährt, eine Städterin gegenüber gestellt wird, die Cimarron Kid wegen der Belohnung verrät.


Neben der flotten Erzählweise und prächtigen, in satte Technicolorfarben getauchte Landschaftsaufnahmen von Kameramann Charles P. Boyle sind es solche Konflikte, bei denen wie auch beim Antagonismus zwischen Bill und dem Bandenmitglied Red (Hugh O´Brian) soziales Denken auf Egoismus trifft, durch die "The Cimarron Kid - Flucht vor dem Tode" spannende Schattierungen erhält.


Seltsam schal und schwach wirkt dagegen das Ende, das zwar mit umgekehrten Vorzeichen zu einem früheren Schauplatz zurückführt, aber in seiner Zahnlosigkeit notdürftig angepickt wirkt, um moralisierend von der Läuterung des Helden zu erzählen. Sichtlich Studiozwängen musste Boetticher hier nachgeben, verpufft damit doch auch der Konflikt zwischen Bill und Swanson im Nichts.


Die bei Koch Media als 46. Titel in der Edition Western-Legenden erschienene Blu-ray verfügt an Sprachversionen über die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie über englische Untertitel. Die Extras beschränken sich auf ein informatives Booklet von Hank Schraudolph und eine Bildergalerie.