• Walter Gasperi

Ride Lonesome - Auf eigene Faust


Ein wortkarger Einzelgänger, der sich meist für ein lange zurück liegendes Verbrechen rächen will, die Felswüste um das kalifornische Lone Pine als Schauplatz, ein kleiner Cast und eine kleine Geschichte, die ruhig, aber konzentriert erzählt wird – das sind die Ingredienzien der sechs großen Western, die Budd Boetticher zwischen 1956 und 1960 mit Randolph Scott als Hauptdarsteller drehte. Bei Koch Media ist das 1959 entstandene Meisterwerk „Ride Lonesome – Auf eigene Faust“ als 59. Titel der "Edition Western-Legenden" auf DVD und Blu-ray erschienen.


Ein Mann nähert sich in einer Totalen durch eine Felslandschaft der Kamera, bis diese sich mit einem Schwenk einem anderen Mann, der auf einem Felsplateau schon wartet, zuwendet und sich diesem bis in eine Nahaufnahme nähert.


So einfach dieser Opening-Shot ist, so großartig ist er, isoliert einerseits den Ankömmling, verstärkt durch das Cinemascope-Format, in der Weite des Raums, schafft andererseits schon eine Beziehung zwischen den Männern. Bald wird der erfahrene Kopfgeldjäger Brigade (Randolph Scott) dem jungen Mörder (James Best) gegenüberstehen und ein Showdown scheint unausweichlich, als plötzlich ein Schuss aus dem Hinterhalt fällt. Der scheinbar überlegene Brigade ist in eine Falle getappt, doch kann er mit der Drohung Billy zu erschießen trotzdem den Abzug von dessen Bande erreichen.


Wie sich in dieser ersten Szene die Positionen und Machtverhältnisse immer wieder verschieben, so zieht sich dieses Wechselspiel durch den ganzen, für Budd Boetticher typische nur rund 75 Minuten langen Film.


Mit seinem Gefangenen wird Brigade in einer Postkutschenstation in der Wüste auf zwei Banditen und die Frau des Poststellenleiters (Karen Steele) treffen, deren Mann von Indianern ermordet wurde. Zu fünft werden sie sich Richtung Santa Cruz aufmachen, Gefahr droht von Indianern, während gleichzeitig die Bande des Bruders (Lee Van Cleef) des Gefangenen näher rückt. Langsam wird dabei erst gelüftet, welche Ziele nicht nur die beiden Banditen verfolgen, sondern auch worum es Brigade eigentlich geht.


So ökonomisch und konzentriert die erste Szene inszeniert ist, entwickelt sich der ganze Film, in dem bei der Durchleuchtung des labilen und sich stets verschiebenden Gleichgewichts innerhalb des Quintetts auch der Humor nicht zu kurz kommt. Nie kommt dabei Hektik auf, sondern wunderbar gelassen und lakonisch erzählt Boetticher, lässt sich trotz der kurzen Spieldauer Zeit seine Protagonisten beim Durchqueren der Wüsten und Felder zu zeigen.


So erzählt Boetticher zunächst einmal von dem, was er zeigt: von der Veränderung der Landschaft im Lauf des Ritts, von der Hitze des Tages und den Pausen am Abend. Bei diesen Pausen wiederum liegt der Fokus ganz auf den Menschen, auf der Sehnsucht des Outlaws (James Coburn) nach einem Neubeginn, dem undurchschaubaren und wortkargen Brigade, der Frau, die sich wieder neu orientieren muss.


Nicht über das Wort, sondern über die Tat definieren sich diese Charaktere dabei, Psychologisieren ist nicht Boettichers Sache, seine Filme erzählen von Männern, die bedingungslos das tun, was sie glauben tun zu müssen, und entschlossen ihren Weg gehen.


Eine Stadt bekommt man dabei bezeichnenderweise nie zu Gesicht, nicht einmal eine Innenszene gibt es in „Ride Lonesome“. Abgesehen von der Postkutschenstation und einer verfallenen Hütte gibt es im ganzen Film kein Zeichen der Zivilisation. Diese Befreiung von jedem Ballast bietet aber Boetticher gerade die Möglichkeit sich auf seine fünf Protagonisten zu konzentrieren. Geschickt baut er dabei Spannung auf, lässt bis kurz vor Ende mehrere Ausgänge möglich scheinen.


Und auch das Ende ist letztlich – wie bei den Western von Anthony Mann – kein Ende: Mit der vollzogenen Rache mag zwar etwas zu Ende gebracht worden sein, doch wie es weitergeht ist unklar – nicht nur für den Protagonisten, sondern auch für seine Begleiter.


An Sprachversionen bieten die DVD und Blu-ray, die bei Koch Media als 59. Titel in der "Edition Western-Legenden" erschienen sind, die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie englische Untertitel. Die Extras umfassen neben einem Booklet, Trailer und Bildergalerie einen – allerdings nur englischsprachigen – Audiokommentar des Filmhistorikers Jeremy Arnold. Dazu kommt ein rund 40-minütiges Interview mit Budd Boetticher nicht nur über diesen Film, sondern über seine gesamte Karriere, sowie rund fünfminütige Analysen von Martin Scorsese und John Sayles von „Ride Lonesome“.


Trailer zu "Ride Lonesome - Auf eigene Faust"