• Walter Gasperi

Filmbuch: Eine kurze Geschichte des Films


Ian Haydn Smith bietet auf 224 reich bebilderten Seiten einen knappen Überblick über Filmgenres, herausragende Meisterwerke, filmische Strömungen und Techniken. – Eine Einführung, die Lust auf mehr wecken kann.


In der Reihe "Eine kurze Geschichte der" rückt der Laurence King Verlag nach der Kunst, der Fotografie, der Architektur und der Modernen nun den Film in den Mittelpunkt. In vier Abschnitten bietet der britische Autor Ian Haydn Smith dabei einen kompakten Überblick über unterschiedliche Aspekte der siebten Kunst.


Auf jeweils einer Seite werden so mit einem kurzem Text, Hinweis auf zentrale Regisseure sowie Meilensteine und aufgelockert durch ein Filmplakat Filmgenres vom Western bis zum Superheldenfilm vorgestellt. Aufgrund der Kürze kann das Thema freilich jeweils kaum mehr als angerissen werden, nicht einsichtig ist auch nach welchen Kriterien die Anordnung der Beiträge erfolgte, aber ein Überblick wird geboten.


Sehr übersichtlich ist die Gliederung mit Basistext und einem hervorgehobenen Kasten zu den Meilensteinen. Teilweise nach dem Gießkannenprinzip vergeben wurden aber scheinbar die Verweise am jeweiligen Fuß der Seite. Wieso hier beispielsweise bei der "Romantischen Komödie" gerade auf "Großaufnahme" und "Zeitlupe" verwiesen wird, ist ebenso uneinsichtig wie der Verweis beim Monumentalfilm auf "2001 – Odyssee im Weltraum" oder "Apocalypse Now" oder beim Psychothriller auf Jane Campions "Das Piano" oder Chantal Akermans "Jeanne Dielman. – Da scheint doch wohl Einiges vertauscht worden zu sein.


Im zweiten Abschnitt werden auf jeweils zwei Seiten chronologisch 50 Meisterwerke der Filmgeschichte vorgestellt. Der Bogen spannt sich dabei von David Wark Griffiths "Intolerance" bis zu Alfonso Cuaróns "Roma". Insgesamt überzeugt hier die Auswahl. So erfreulich aber die großzügige Bebilderung mit einem jeweils ganzseitigen Filmstill oder Plakat ist, so sehr wird dadurch doch auch wieder der Text begrenzt. Echte Filmanalysen darf man hier nicht erwarten, sondern einzig Anregungen sich intensiver mit den vorgestellten Meisterwerken zu beschäftigen.


In jeweils rund fünf Zeilen werden auch die Regisseure knapp vorgestellt und auf weitere Filme verwiesen. Beliebig wirken auch bei diesem Abschnitt teilweise die Querverweise am Seitenfuß wie "Ausleuchtung" bei John Fords "The Searchers / Der schwarze Falke" oder "Großaufnahme" bei Barry Jenkins "Moonlight".


Vieles wird mit 26 Stichwörtern auch im Abschnitt "Strömungen" abgedeckt. Nicht nur Klassisches wie "Deutscher Expressionismus", "Italienischer Neorealismus", "Nouvelle Vague" und "New Hollywood" findet sich in der chronologisch angeordneten Darstellung, sondern auch die "Taiwanesische Neue Welle", "New French Extremity" und "Mublecore". Mit einer – zudem mit einem Filmstill aufgelockerten - Seite pro Strömung kann freilich auch hier bestenfalls an der Oberfläche gekratzt werden.


Kurz wird jeweils Entstehung und Geschichte der Strömung beleuchtet. In rund fünf Zeilen wird ein zentraler Film vorgestellt und in einer Kopfzeile auf weitere wichtige Filme der Bewegung hingewiesen.


Im letzten Abschnitt werden 28 Techniken vom Master Shot über die Parallelmontage bis zur Großaufnahme und Visuellen Effekten vorgestellt. Weil diese Begriffe zumeist gut auf engem Raum erklärt werden können, ist dieser Abschnitt als Nachschlagewerk durchaus brauchbar. Auch hier wird in der Kopfzeile jeweils auf Filme verwiesen, in denen die vorgestellte Technik eine wichtige Rolle spielt. Nicht einsichtig sind hier aber wieder teilweise die Querverweise am Seitenfuß, wenn beim "Szenenbild" beispielsweise auf "Chinas fünfte Generation" oder bei der "Parallelmontage" auf "Western", "Kriegsfilm" und "Blade Runner" verwiesen wird.


Als Appetitanreger und Einstieg ist "Eine kurze Geschichte des Films" somit auch aufgrund der übersichtlichen Gestaltung und der reichen Bebilderung gut geeignet. Um wirklich Einblick in die Filmgeschichte und deren Meisterwerke zu bekommen, wird man dann aber zu schwergewichtigerer Literatur greifen müssen.

Ian Haydn Smith, Eine kurze Geschichte des Films, Laurence King Verlag, Berlin 2020. 224 S., € 18, ISBN 978-3-96244-171-5