• Walter Gasperi

Falling


Inspiriert von persönlichen Erfahrungen erzählt Viggo Mortensen in seinem Regiedebüt von der schwierigen Beziehung zwischen einem dementen homophoben Vater und seinem homosexuellen Sohn. – Trotz des ernsten Themas fehlt auch Humor nicht, der dem gefühlvoll inszenierten und stark gespielten, aber auch sehr glatten und etwas überkonstruierten Drama Leichtigkeit verleiht.


Seinen beiden jüngeren Brüdern Charles und Walter hat der Schauspieler Viggo Mortensen sein Regiedebüt gewidmet. Auch Starregisseur David Cronenberg, in dessen Filmen Mortensen mehrfach die Hauptrolle spielte, erweist er seine Reverenz, indem er ihm die Rolle eines Arztes gab, der eine für den Body-Horror-Spezialisten Cronenberg passende unangenehme Prostatauntersuchung durchführen darf.


Die Widmung legt einen autobiographischen Bezug des Films nahe, doch Mortensen selbst betont, dass nur einige Details und Gespräche auf persönlichen Erfahrungen beruhen. Insgesamt erzählt der Regiedebütant, der auch selbst die Hauptrolle spielt, so eine fiktive Geschichte, die in der Tradition der Demenz-Filme der letzten Jahre wie "Still Alice", "The Roads Not Taken" oder "Away from Her" steht.


Wird in der ersten Szene mit der Heimkehr eines Paares mit seinem Baby im ländlichen New York State auf seine Farm ein Familienglück beschworen, so erfolgt abrupt der Sprung in ein Flugzeug, in dem der gut 50-jährige John (Viggo Mortensen) seinen dementen Vater Willis (Lars Henriksen) zu beruhigen versucht. Sie sind unterwegs von der Ostküste nach Los Angeles, um dort zusammen mit Johns Schwester Sarah (Laura Linney) eine Möglichkeit für die Pflege ihres Vaters zu finden.


Der homophobe, sexistische und rassistische Charakter von Willis wird schon im Flugzeug sichtbar und tritt in der Folge zunehmend klarer zutage, als sie in L.A. ankommen, wo John mit seinem asiatischen Ehemann Eric und der mexikanisch-stämmigen Adoptivtochter Monica lebt. Permanent aggressiv agiert Willis, beschimpft jeden als Arschloch, Schwuchtel oder als Hure, gleichzeitig öffnen auch seine immer wieder einbrechenden Erinnerungen Einblicke in eine dysfunktionale Familie. Schon bald zerbrach so die Ehe am autoritären Charakter von Willis, während die beiden Kinder unter ihrem Vater litten.


Geweitet wird das Bild des homophoben Charakters von Willis beim Besuch der Familie von Johns Schwester, bei der der Vater wieder den Sohn von Sarah wegen blauer Haare als schwul abkanzelt und natürlich auch das Piercing ihrer Tochter heftig kritisiert.


Das ist rund inszeniert und geschickt stellt Mortensen dem vierschrötigen reaktionären Farmer, der natürlich Republikaner ist, den Obama-Wähler John gegenüber, aber auch eine reaktionäre ältere Generation einer toleranten jüngeren. Und nicht nur durch die Zeiten wird dieser Gegensatz betont, sondern auch durch die Lokalität, wenn dem konservativen ländlichen New York State das liberale Kalifornien gegenübergestellt wird.


Überdeterminiert ist "Falling" freilich mit diesen auf allen Ebenen durchgezogenen Gegensätzen. Zu rein sind hier letztlich die Charaktere mit dem cholerischen und verbohrten Vater auf der einen und dem stets beherrschten Sohn auf der anderen Seite, der trotz allem die Fürsorge für seinen Vater nicht aufgibt.


So treffend hier auch der Verweis auf Howard Hawks´ "Red River" ist, der ebenfalls von einem Generationenkonflikt erzählt und einem sturen alten Cowboy einen sensiblen jungen gegenüberstellt, es ist doch gleichzeitig in der Ausführlichkeit, in der dieser Film parallel zu einem eskalierenden Streit zwischen John und Willis im TV läuft, ein weiterer Aspekt dieser Überdeterminierung.


Eine sehr solide inszenierte, feinfühlige Familiengeschichte, die trotz des Ernstes des Themas durch den eingestreuten Humor Leichtigkeit bewahrt und damit auch gut konsumierbar bleibt, ist Mortensen aber mit seinem Debüt auf jeden Fall gelungen. Andererseits bleibt "Falling" in seiner weichgespülten Gefälligkeit letztlich auch ohne große Nachwirkung.


Läuft ab 11. Juni in den österreichischen Kinos


Trailer zu "Falling"