• Walter Gasperi

Ein Brite in Hollywood: James Mason


Odd Man Out (Carol Reed, 1947)

Der 1909 in Yorkshire geborene James Mason gehörte nie zu den Top-Stars Hollywoods, gewann nie einen Oscar, bleibt aber doch nicht nur durch seine Darstellungen in Carol Reeds „Odd Man Out“, George Cukors „A Star is Born“ und Stanley Kubricks „Lolita“ unvergessen. Das Filmpodium Zürich widmet dem 1984 verstorbenen Briten eine Filmreihe.


Den internationalen Durchbruch brachte für den als Sohn eines wohlhabenden Wollhändlers am 15. Mai 1909 in Huddersfield geborenen James Mason 1947 die Darstellung des irischen Freiheitskämpfers Johnny in Carol Reeds düsterem Drama „Odd Man Out“. Sein Lieblingsfilm blieb dieses Meisterwerk, in dem er angeschossen der Polizei zu entkommen versucht, seine Lage aber immer aussichtsloser wird.


In seiner Heimat war Mason, der nach dem Abschluss eines Architekturstudiums zunächst zum Theater und dann zum Film ging, schon zuvor mit der Verkörperung eines Sadisten in „The Man in Grey“ (Leslie Arliss, 1943) zum kassenstärksten männlichen Kinostar Großbritanniens aufgestiegen, und er brillierte auch in Melodramen wie „The Seventh Veil“ (Compton Bennett, 1945), in dem er einen frauenfeindlichen Musiklehrer spielte, der seine Cousine manipuliert.


Aber erst seine Rolle in „Odd Man Out“ ebnete ihm den Weg nach Hollywood. Unter der Regie von Max Ophüls spielte er dort in dem Film noir „Caught“ (1949) einen idealistischen Kinderarzt ebenso wie in dem atmosphärisch dichten „The Reckless Moment“ (1949) einen Erpresser.


In den 1950er Jahren wurde Mason dann aber immer wieder für die Darstellung historischer und fiktiver „großer Männer“ engagiert. Zweimal spielte er den deutschen Generalfeldmarshall Erwin Rommel („The Desert Fox: The Story of Rommel“, 1951, Regie: Henry Hathaway; „The Desert Rats“, 1953, Regie: Robert Wise), in Joseph L. Mankiewicz „Julius Caesar“ (1953) spielte er an der Seite von Marlon Brando den Caesarmörder Brutus, in der Jules-Verne-Verfilmung „20.000 Leagues Under the Sea“ (Richard Fleischer, 1954) Kapitän Nemo.


Brillieren konnte er aber auch in großen Melodramen. In Albert Lewins visuell brillantem „Pandora and the Flying Dutchman” (1951) spielte er den “Fliegenden Holländer“, der nur durch die Liebe einer Frau von seinem geisterhaften Leben erlöst werden kann, in George Cukors glamourösem Remake von „A Star is Born“ (1954) einen alternden Hollywoodstar, der eine Sängerin entdeckt und fördert, selbst aber immer mehr dem Alkohol verfällt.


Eine Oscarnominierung als bester Hauptdarsteller brachte ihm diese Rolle, aber auch in Nicholas Rays „Bigger then Life“ (1956) beeindruckte er mit seiner Darstellung eines Lehrers, der aufgrund einer Überdosierung eines Medikaments zunehmend psychisch erkrankt. Gerade zwiespältigen, zerrissenen und mit sich selbst ringenden Männern konnte Mason immer wieder eindrücklich Gestalt verleihen.


So fand auch Stanley Kubrick in ihm seinen Humbert Humbert für seine Vladimir Nabokov-Verfilmung „Lolita“ (1961). Mason verstand es eben die Kultiviertheit und Bildung dieses alternden Literaturdozenten zu vermitteln, gleichzeitig ließ er aber auch das Begehren spüren, das ihn angesichts der Kindfrau Lolita überfällt und wie er ihr zunehmend verfällt.


Statt in großen Hauptrollen war Mason, der schon 1962 an den Genfersee zog, ab den 1960er Jahren vor allem in Nebenrollen zu sehen, zunächst mehrfach in historischen Filmen wie „The Fall of the Roman Empire“ (Anthony Mann, 1963), „Genghis Kahn“ (Henry Lewin, 1964) oder als Kaiser Franz-Joseph in „Mayerling“ (Terence Young, 1968), dann in den 1970er Jahren in Action- und Kriegsfilmen wie „De la part des copains“ („Kalter Schweiß“, Terence Young, 1970), „Mandingo“ (Richard Fleischer, 1975), „Cross of Iron“ („Steiner – Das eiserne Kreuz“, Sam Peckinpah, 1977) oder „North Sea Hijack“ („Sprengkommando Atlantik“, Andrew V. Mclaglen, 1979).


Noch einmal sein ganzes Können ausspielen konnte er 1982 als Anwalt in Sidney Lumets „The Verdict“ (1982), für den er nach „A Star is Born“ und „Georgy Girl“ (Silvio Narizzano, 1967) auch zum dritten Mal für einen Oscar – dieses Mal als bester Nebendarsteller – nominiert wurde. Zwei Jahre später, am 27. Juli 1984, starb James Mason in Lausanne im Alter von 75 Jahren an einem Herzinfarkt.


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Trailer zu "Odd Man Out"