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Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • vor 22 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit
"Disclosure Day - Der Tag der Wahrheit": Steven Spielberg und die Existenz von Außerirdischen
"Disclosure Day - Der Tag der Wahrheit": Steven Spielberg und die Existenz von Außerirdischen

Seit Jahrzehnten hält eine halbstaatliche Organisation Berichte über Kontakte mit Aliens unter Verschluss, doch nun wollen ein IT-Experte und eine Wettermoderatorin die Wahrheit publik machen: Der 37. Spielfilm von Steven Spielberg ist mehr rasanter und technisch perfekter Verschwörungsthriller als Science-Fiction, krankt aber an einer retortenhaften Handlung.


Schon in seinem vierten Spielfilm "Close Encounters of the Third Kind" ("Unheimliche Begegnung der dritten Art", 1977) beschäftigte sich Steven Spielberg mit der Frage der Existenz von außerirdischen Lebewesen und der Möglichkeit der Kontaktaufnahme. Einen Welterfolg landete er dann mit "E.T." (1982) und stellte 23 Jahre später diesem niedlichen Alien in seinem Remake des Klassikers "War of the Worlds" ("Krieg der Welten", 2005) Aggressoren gegenüber, die den Weltuntergang herbeizuführen drohen.


Mit 79 kehrt Spielberg mit einer eigenen Story, aus der David Koepp das Drehbuch entwickelte, nicht nur zum Science-Fiction-Genre zurück, sondern zitiert in einigen Szenen "Close Encounters" ebenso wie am Ende "E.T.". Auf großes Spektakel verzichtet er dabei im Gegensatz zu "War of the Worlds" ebenso wie auf Gewalt und Sex. Weder kommt während der ganzen 145 Minuten ein Mensch zu schaden noch gibt es eine Liebesszene.


Mit vier Erzählsträngen, häufigen Schauplatzwechseln und einigen Actionszenen, deren stärkste freilich schon im Trailer zu sehen ist, hält der dreifache Oscarpreisträger seine Kinomaschine dennoch am Laufen. Da gibt es einerseits nämlich einen IT-Experten (Josh O´Connor), der während eines Wrestling-Kampfes von Handlangern einer regierungsnahen Organisation gefangen genommen wird, dann aber mittels eines seltsamen Stabes mit seiner Freundin wieder entkommen kann.


Auf einer zweiten Ebene gibt es eine Wettermoderatorin (Emily Blunt), die plötzlich in fremden Sprachen sprechen kann und persönlichste Dinge über ihr im Grunde fremde Menschen weiß. Damit gerät auch sie ins Visier der von Noah Scanlon (Colin Firth) geleiteten Organisation, kann aber ebenfalls entkommen und versucht Kontakt mit dem IT-Experten zu knüpfen.


Den beiden Protagonisten gegenüber steht die Organisation von Scanlon, die seit Jahrzehnten Berichte über Kontakte mit Außerirdischen unter Verschluss hält und unbedingt verhindern will, dass diese publik gemacht werden. Andererseits gibt es aber auch wieder eine Gruppe von Whistleblowern, die den IT-Experten und die Wettermoderatorin unterstützt und versucht, deren Festnahme zu verhindern.


Mit winterlich kalten Bildern und schmutzigen Farben evozieren Spielberg und sein Stammkameramann Janusz Kamiński zwar eine zu diesem Verschwörungsthriller passende frostige Atmosphäre, doch die Handlung ist insgesamt sehr grob zusammengeschustert, wirkt wie ein Patchwork aus Versatzstücken anderer Filme.


Zu gezielten, aber wenig wirksamen Anflügen von Humor, die wohl für Leichtigkeit sorgen sollen, kommen so lachhafte Szenen, wenn die verbrecherische Organisation durchgehend mit schwarzen Limousinen und schwarz gekleideten Männern auftritt. Feige wirkt auch, wie jede Kritik am Staat vermieden wird, indem diese Organisation als privat oder allenfalls halbstaatlich gekennzeichnet wird, um die Autorität der realen Behörden keinesfalls in Frage zu stellen.


Kopfschütteln kann aber auch hervorrufen, wie die Wettermoderation zu einer Erlöserin à la Jesus aufgebaut wird, und wie über eine Nonne auch noch Fragen nach Religion und der Auswirkung der Existenz von Außerirdischen auf den Glauben an Gott angeschnitten werden.


Nicht gerade hochspannend, aber doch recht unterhaltsam bleibt dieser retortenhafte Blockbuster angesichts des hohen Tempos dabei durchaus, doch im Gegensatz zu den großen US-Paranoia-Thriller der 1970er Jahre fehlt hier jede reale Verankerung. Wenig überzeugend ist auch die Verbindung mit sich im Hintergrund hochschaukelnden politischen Spannungen und einem drohenden Dritten Weltkrieg.


Diesem soll ein Plädoyer für den Frieden gegenübergestellt werden, für das vor allem die Aliens stehen, die Empathie über alles stellen. Spielberg´scher Kitsch kommt dabei spätestens auf, wenn der Kontakt mit den Außerirdischen mit einem Kindheitserlebnis verknüpft wird, ein verschneites Märchenhaus à la "Hänsel und Gretel" und süß blickende Tiere von einem Hirsch über einen Fuchs und einen leuchtend rotem Kardinalvogel bis zu einem Waschbär nicht fehlen dürfen.


Von Pathos strotzt schließlich das Finale, bei dem alle Handlungsfäden zusammengeführt werden und der Film wieder zu einem seiner Ausgangspunkte zurückkehrt. Gut gemeint ist dieses Ende sicherlich, aber einerseits ist höchst unglaubwürdig, was hier medial abläuft, andererseits sind die Reaktionen der Öffentlichkeit mehr peinlich als bewegend und die Aufforderung zum Zuhören und zu Kommunikation verpufft auch ohne Nachwirkung.

 


Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit

USA 2026

Regie: Steven Spielberg

mit: Colin Firth, Emily Blunt, Josh O'Connor, Eve Hewson, Colman Domingo

Länge: 145 min.



Läuft derzeit in den Kinos.



Trailer zu "Disclosure Day - Der Tag der Wahrheit"


 

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