Die Schlacht von Marathon (1959)


Ein muskelbepackter Held muss Athen vor den angreifenden Persern retten: Der bei Explosive Media (Vertrieb: Plaion Pictures) auf DVD und Blu-ray erschienene Sandalenfilm von Jacques Tourneur hat nicht viel mit den geschichtlichen Ereignissen gemein, bietet aber immer noch farbenprächtige, naive Unterhaltung.
Nachdem Hollywood seit den frühen 1950er Jahren mit Monumentalfilmen wie "Quo vadis" (1951), "Das Gewand" (1953), "Die Gladiatoren" (1954), "Die zehn Gebote" (1956) oder "Ben Hur (1959) versucht hatte, fürs Kino ein attraktives Gegenangebot zum aufblühenden Fernsehen zu bieten, sprang man ab Ende des Jahrzehnts auch in Italien auf diesen Zug auf.
Billiger produziert waren diese Sandalenfilme – italienisch: Peplum – und, statt die Handlung über epische drei Stunden auszudehnen, beschränkte man sich meist auf kinoübliche rund 90 Minuten. Wichtiger als Stars waren hier auch Schauspieler:innen, die mit ihren Muskeln Aufmerksamkeit erregen konnten und hübsche Frauen als Love-Interest.
Mit drei "Herkules"-Filmen hatte der US-Body-Builder Steve Reeves in diesem Genre Karriere gemacht. Für "Die Schlacht von Marathon" (1959) wollte er nun den Amerikaner Jacques Tourneur als Regisseur. Tourneur hatte sich vor allem mit den B-Horrorfilmen "Cat People" (1942) und "I Walked With a Zombie" (1943) sowie dem Film noir "Out of the Past" einen Namen gemacht, doch Reeves war vor allem von dessen Historienfilm "The Flame and the Arrow" ("Der Rebell", 1950) begeistert.
Von den ersten Bildern an ist klar, dass hier historische Genauigkeit keine Rolle spielt, sondern andere Reize zählen, wenn hinter dem Insert von Reeves Namens sein muskelbepackter nackter Oberkörper ins Bild gerückt wird. Nach seinem Triumph bei den Olympischen Spielen kehrt dieser Philippides (Steve Reeves) in seine Heimatstadt Athen zurück, die im Jahr 490 v. Chr. nicht nur durch einen Angriff der Perser unter König Dareios, sondern auch durch innenpolitische Konflikte gefährdet ist.
Denn einige Verräter um Theokrit möchten mit den Persern kooperieren und die Stadtregierung um Miltiades entmachten. Theokrit möchte auch Philippides für seine Pläne instrumentalisieren, doch bald kommt es auf persönlicher Ebene zu einem Konflikt, denn Philippides verliebt sich in die hübsche Andromeda (Mylène Demongeot), die nach Wunsch ihres Vaters mit Theokrit verheiratet werden soll.
Muskelkraft auf der einen Seite und zarte Frauen auf der anderen Seite, politische Intrigen, bei denen auch eine Prostituierte den Helden umgarnen soll, und actionreiche Kämpfe sind der Stoff, aus dem dieser Film gemacht ist. Auch die Künstlichkeit der Kulissen und Szenerien sowie die makellosen Kostüme und die perfekt ausgeleuchteten Bilder machen die Realitätsferne dieses Sandalenfilms spürbar, trotzdem sorgen die kräftigen Farben von Kameramann Mario Bava für optischen Genuss.
So strahlend blau der Himmel am Tag leuchtet, so stimmungsvoll dunkel sind die Nachtszenen und immer wieder wird der sonnengebräunte und eingeölte nackte Oberkörper des Helden ins Bild gerückt. Nichts kann ihn stoppen. Er entkommt einem Anschlag auf seinem Weg nach Sparta, wo er um Unterstützung bitten soll, und wehrt mit einer List die von Theokrit angeführte persische Flotte ab, während Miltiades die Feinde auf dem Land besiegt.
Komplex sind hier weder Figurenzeichnung noch Handlung, doch die zügige Erzählweise lässt keinen Leerlauf aufkommen. Spektakulär ist nicht nur die Schlacht bei Marathon inszeniert, bei der die mächtigen Heere aufeinanderprallen, sondern vor allem die Abwehr der Flotte auf den Hafen von Piräus.
Inszeniert hat diese Schlussszenen aber nicht Tourneur selbst, der nur für zehn Wochen engagiert war, sondern Mario Bava, der später als Regisseur von Horror- und Giallo-Filmen Karriere machte, und der Produzent Bruno Vailati. Poetisch-traumhafte Bilder gelingen hier in den Unterwasserszenen, in denen griechische Taucher versuchen die persischen Schiffe zu zerstören und sich das Blau des Wassers und das Weiß der Badehosen mit dem Rot des Bluts der von Pfeilen und Lanzen durchbohrten Taucher mischt.
An Sprachversionen bieten die bei Explosive Media (Vertrieb: Plaion Pictures) erschienene DVD und Blu-ray die italienische Original- und die deutsche und englische Synchronfassung sowie englische, deutsche und italienische Untertitel. Die Extras umfassen die rund fünf Minuten kürzere deutsche Kinoversion, den US-Kinotrailer sowie einen unterhaltsamen Audiokommentar von Benedikt Wilken und Leonhard Elias Lemke, die vielfältige Hintergrundinformationen bieten, aber auch immer wieder konkret auf Filmszenen eingehen.




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