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  • AutorenbildWalter Gasperi

Diagonale ´24: Queere RomCom und fragile Männlichkeit

Aktualisiert: 8. Apr.

Kat Rohrer präsentierte bei der Grazer Diagonale mit ihrem Spielfilmdebüt "What a Feeling" eine von einem lustvoll aufspielenden Ensemble getragene romantische Komödie. Katrin Schlösser spürt dagegen in ihrem Dokumentarfilm "Besuch im Bubenland" im Südburgenland der Männlichkeit nach.


Auf den Titelsong des Musicals "Flashdance" bezieht sich der Titel von Kat Rohrers Spielfilmdebüt "What a Feeling" und mehrmals setzt sie dieses Lied nicht nur ein, sondern lässt ihre Protagonist:innen dabei auch aus ihren Hemmungen ausbrechen und ihre Emotionen ausleben.


Geschickt führt die viele Jahre in den USA lebende gebürtige Wienerin die aus Deutschland stammende Ärztin Marie-Theres (Caroline Peters) und die iranischstämmige Tischlerin Fa (Proschat Madani) über mehrere Begegnungen zusammen. Während erstere in eine Krise stürzt, als ihr Mann ihr ausgerechnet am Hochzeitstag erklärt, dass er eine Auszeit von der Ehe brauche, gibt sich Fa als starke Frau, die ihre lesbische Orientierung offen auslebt, verheimlicht sie in Wahrheit aber vor ihrer konservativen Mutter und Schwester.


Vorherzusehen ist, dass sich eine Beziehung zwischen den beiden gegensätzlichen Frauen entwickeln wird, doch der Weg ist weit, bis die steife, sehr bürgerliche Ärztin zu ihren Gefühlen stehen und sich auch ihrer Tochter gegenüber dazu bekennen kann. In gewohnter Manier solcher romantischer Komödien kommt es so auch zwischenzeitlich zu einem Bruch in der Beziehung und Liebeskummer, doch das Happy End ist gewiss.


Von Anfang an schlägt Rohrer ein hohes Tempo an, baut ein dichtes Netz an Figuren und Problemfeldern auf, wenn sie dem gehobenen Milieu von Marie-Theres die migrantische Familie Fas gegenüberstellt, die Midlife-Crisis von Marie-Theres´ Mann ebenso wie den Klimaaktivismus ihrer Teenager-Tochter und die Proteste gegen das die Frauen unterdrückende iranische Regime ins Spiel bringt.


Trotz der Fülle wirkt "What a Feeling" aber dank der ebenso leichthändigen wie schwungvollen Inszenierung und des lustvoll aufspielenden Ensembles nie überladen, sondern reißt mit Dialogwitz und mit Situationskomik mit und verbreitet mit seinen in warmes Licht und Farben getauchten Bildern Optimismus und Lebensfreude. Mag dieser romantischen Komödie auch im letzten Drittel die Luft etwas ausgehen und mögen sich dann Längen einstellen, so entwickelt das große Finale in einer Lesben-Bar dann doch wieder mitreißende Kraft.


Auf eine Spurensuche nach der Befindlichkeit von Männern machte sich dagegen Katrin Schlösser. Nachdem sie in ihrem ersten Dokumentarfilm "Szenen meiner Ehe" sehr persönlich von sich und ihrem Mann erzählte, bleibt die aus Deutschland stammende Regisseurin in "Besuch im Bubenland" nun unsichtbar.


Mit ihrer Handykamera fährt sie durch das sehr ländliche, hügelige Südburgenland, in dem sie selbst eine Zeitlang lebte, und befragt Männer unterschiedlichsten Alters und Berufs über ihr Leben, ihre Wünsche und Träume. Behutsam fragt Schlösser immer wieder nach, lässt den Männern auch Raum zum Schweigen und Sinnieren, bis sie sich öffnen und über gescheiterte Beziehungen, über Kinder, zu denen der Kontakt abgebrochen ist, über einstige Berufsträume, wirtschaftliche Sorgen in der Landwirtschaft und persönliche Schicksalsschläge, aber auch über die Verbundenheit mit der Region, aus der sie nicht wegziehen möchten, erzählen.


Nie werden die Interviewten dabei bloßgestellt, sondern immer ist das Interesse und Mitgefühl Schlössers, die diesen Film praktisch im Alleingang gedreht hat, zu spüren. Obwohl sie dadurch das Vertrauen der Männer gewonnen hat, öffnen sich ihr nicht alle, denn manche tun sich sichtlich schwer, über ihre Gefühle zu sprechen, schweigen oder verharren in einem antrainierten Rollenverhalten.


Frauen bleiben fast völlig ausgespart, ganz auf den Männern liegt in diesem unaufgeregt-lakonischen Dokumentarfilm der Fokus. Erst am Ende rückt Schlösser bei einem älteren Bauernehepaar auch die Frau ins Bild, die in der Beziehung mindestens gleichwertig neben dem Mann zu stehen scheint und eine Wiese mit der Sense mäht, während er das Gras zusammenrecht.



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