• Walter Gasperi

Days of the Bagnold Summer


Ein Teenager, der Heavy-Metal-Fan ist, muss den Sommer mit seiner biederen Mutter verbringen. – Der Komiker Simon Bird macht in seinem Regiedebüt aus dieser Ausgangssituation mit genauem Blick auf die beiden ideal besetzten Protagonisten eine smarte, rundum sympathische Komödie, die nicht auf laute Lacher aus ist, aber viel zum Schmunzeln bietet.


Schon die erste Einstellung macht deutlich, wie verschieden Mutter und Sohn sind: Der biederen Frisur, der altmodischen Brille und der Strickjacke der 52-jährigen Bibliothekarin Sue (Monica Dolan) stehen die langen braunen Haare und das Metallica-T-Shirt des 16-jährigen Daniel (Earl Cave) gegenüber. Kein Wunder ist es folglich, dass sie sich beim Schuhkauf für eine Hochzeit nicht einigen können: Er möchte schwarze Sneaker, für sie kommt das nicht in Frage.


Obwohl Daniel alles peinlich ist, was seine Mutter tut, und er sie immer wieder angiftet und beleidigt, bleibt sie stets gütig und verständnisvoll. Lange müssen sie ja nicht zusammenbleiben, denn Daniel soll die Ferien bei seinem Vater, der mit seiner neuen hochschwangeren Partnerin in Florida lebt, verbringen. Wenig erfreut ist der Teenager allerdings, als sein Vater meldet, dass sein Besuch doch ungelegen sei, denn nun müssen Mutter und Sohn Bagnold den Sommer doch gemeinsam in der ebenso ruhigen wie langweiligen englischen Vorstadt verbringen.


Lustlos reagiert Daniel auf Mutters Aufforderung sich einen Ferienjob zu suchen, hängt in seinem Zimmer herum, träumt von der Gründung einer Heavy-Metal-Band, traut sich dann aber zunächst doch nicht sich zu melden, als per Anzeige ein Lead-Sänger gesucht wird. Auch mit seinem Freund Ky kommt es zu einer Krise, während seine Mutter zu Daniels Entsetzen mit dem Geschichtelehrer anzubandeln beginnt.


Nicht viel passiert im Grunde in Simon Birds Verfilmung der 2012 erschienenen schwarzweißen Graphic Novel von Joff Winterhart, aber der warmherzige und genaue Blick auf die beiden mit Nick Caves Sohn Earl Cave und Monica Dolan ideal besetzten Protagonisten nimmt von Anfang an für "Days of the Bagnold Summer" ein.


Weil diese unverbrauchten Schauspieler das ungleiche Duo so echt und natürlich spielen, ist es einfach herzerwärmend und berührend zuzusehen, wie sich die alleinerziehende Mutter, die auch ihre Schwester zu einem aktiveren Sozialleben bewegen will, unermüdlich für das Wohl ihres verstockten und wortkargen Sohnes einsetzt, ihn stets bekochen will und ihn aufzuheitern versucht.


Überfordert und hilflos wirkt diese Sue allerdings, wenig erfolgreich ist sie mit einem Ausflug ans Meer und zu einem Jahrmarkt, aber dennoch taut Daniel langsam auf und nicht nur über die Erkrankung ihres Hundes kommen sie sich näher. Andererseits lässt auch das Spiel Monica Dolans zunehmend spüren, wie sehr diese Mutter unter der Verdrängung der Kränkungen und der Beziehungslosigkeit leidet, bis der ganze Schmerz in einem bewegenden, aber auch befreienden Tränenausbruch bei einer Reiki-Sitzung bei Kys esoterischer Mutter aus ihr hervorbricht.


Keine stringente Handlung baut Bird in seinem Debüt auf, sondern er reiht in der in vier Kapitel gegliederten Komödie vielmehr kleine Szenen aneinander, die mit trockenen Dialogen und schrägen Details immer wieder für ein Schmunzeln sorgen. Mit viel Gespür lässt er dabei nicht nur Mutter und Sohn, die sich bei aller äußeren Verschiedenheit im Grunde in ihrer Introvertiertheit sehr ähnlich sind, sich langsam näherkommen, sondern sich auch gegenüber der Umwelt öffnen und befreiter aufs Leben blicken.


Da kann sich dann schließlich auch der zuvor immer apathische und mürrische Daniel ein Lächeln nicht mehr verkneifen. Gewohnte Bahnen mag "Days of the Bagnold Summer" mit diesem Finale einschlagen, doch retortenhaft wirkt dieser Film nie, sondern lässt bis zum Ende spüren, mit wie viel Liebe und Herzblut er gemacht wurde.


Aber nicht nur die beiden Hauptdarsteller und Birds Gespür für kleine Szenen, sondern auch die sommerliche Atmosphäre, die mit warmem Licht und kräftigen Farben beschworen wird, sowie der Soundtrack mit zahlreichen sanften Pop-Songs der schottischen Indie-Band Belle & Sebastian sorgen für eine Stimmung, die diese Komödie rundum sympathisch macht und den Zuschauer mit einem Lächeln das Kino verlassen lässt.


Läuft derzeit im Kinok St. Gallen und im Skino in Schaan.


Trailer zu "Days of the Bagnold Summer"