Das Schloss im Schatten - Moonfleet (1955)


Im England des 18. Jahrhunderts findet ein zehnjähriger Waisenjunge im eleganten Anführer einer Schmugglerbande einen vermeintlichen Freund, der ihm helfen soll, einen wertvollen Diamanten zu finden. – Bei Plaion Pictures ist Fritz Langs romantischer Abenteuerfilm in einem Mediabook auf DVD und Blu-ray erschienen.
Erst zwei Wochen vor Drehbeginn kam Fritz Lang zu dem 1955 gedrehten Abenteuerfilm dazu. Nach dem Erfolg der Verfilmung von Robert Louis Stevensons "Treasure Island" (1950) wurde Jan Lustig beauftragt, aus J. Meade Falkners 1898 erschienenem Roman "Moonfleet" ein Drehbuch zu entwickeln. Vom Original blieb dabei nur noch das Grundgerüst übrig.
Gemeinsam ist "Treasure Island" und "Moonfleet" aber nicht nur, dass sie im England des 18. Jahrhunderts spielen und es jeweils um Verbrecherbanden geht, sondern auch dass jeweils ein Teenager im Zentrum steht, der sich auf die Suche nach einem Schatz macht.
In "Moonfleet" kehrt der zehnjährige John Mahoune (Jon Whiteley) nach dem Tod seiner Mutter auf deren verfallenes Familienanwesen Moonfleet zurück. Dort glaubt er in Jeremy Fox (Stewart Granger), einem ehemaligen Geliebten der Mutter, einen Freund und Helfer zu finden. Für diesen scheinbaren Aristokraten, der in Wahrheit aber eine Schmugglerbande anführt, ist der Junge aber nur ein Klotz am Bein.
Dennoch weckt John einerseits bei diesem Frauenhelden, der mit einer feurigen Roma ebenso flirtet wie mit der verheirateten Lady Ashwood, die Erinnerung an seine große Liebe, die am Widerstand der Familie von Johns Mutter gescheitert ist, und andererseits erweicht ihn langsam die Bewunderung und das unerschütterliche Vertrauen des Jungen für und in ihn.
Lang drehte diesen Abenteuerfilm, der bei seiner Uraufführung bei der amerikanischen Kritik schlecht wegkam, in Frankreich in den Cahiers du Cinéma aber als "einer der schönsten Abenteuerfilme aller Zeiten mit einer der schönsten Kinderfiguren der Filmgeschichte" gefeiert wurde, nicht nur in Farbe, sondern auch in dem von ihm ungeliebten Cinemascope. Seiner Meinung nach taugt dieses nämlich nur für die Darstellung von Beerdigungen und Schlangen.
Romantisch-märchenhafte Züge entwickelt "Moonfleet" einerseits durch die Kinderperspektive, andererseits durch immer wieder in dunkle Blautöne und braune Erdfarben getauchte und an Gemälde erinnernde Bilder von Kameramann Robert H. Planck. Starken Kontrast baut Lang zudem nicht nur mit dem Gegensatz zwischen dem Jungen und Fox auf, sondern auch zwischen diesem stets vornehm gekleideten Gentlemangauner und seiner bäuerlich-proletarischen Bande.
Spiegelung dieses Gegensatzes kann man auch im Oben und Unten sehen, mit dem der Film mehrfach spielt. Denn da taucht John nicht nur in eine unter dem Friedhof liegende Gruft ab, sondern wird mit einem Eimer auch in einen tiefen Brunnen hinabgelassen. Diese beiden Welten kann man auch als Verweis auf das Spiel mit Sein und Schein bei Fox sehen, der einerseits Mitglied der vornehmen Gesellschaft, andererseits aber auch Schmuggler ist.
Statt die Breite des Cinemascope-Formats zu nützen, arbeitet Lang dabei bewusst mehr mit der Tiefe des Raums. So evoziert er im Brunnenschacht klaustrophobische Enge und Höhenangst, während er in der Gruft mittels der Anordnung der Figuren dem Setting großartig Tiefe verleiht.
Wie diese Arbeit mit dem Raum "Moonfleet" mit anderen Filmen Langs verbindet, so erinnert auch das Siegel von Johns Familie, das schließlich eine wichtige Rolle beim Finden des Schatzes spielt, unweigerlich an den Klassiker "M", in dem der Mörder mit einem "M" gekennzeichnet wird, um nicht entkommen zu können.
Treibfeder dieses Abenteuerfilms ist freilich die ungleiche Beziehung zwischen dem Jungen und Jeremy Fox. Im Laufe der Begegnungen und der Abenteuer, die sie bestehen müssen, ist er zunehmend zwischen der Verwirklichung seiner eigenen Pläne und wachsendem Verantwortungsgefühl hin- und her gerissen, während der Junge unverbrüchlich an Fox und dessen Freundschaft glaubt.
Während Lang aber den Film tragisch enden ließ, ließ Produzent John Houseman ohne Langs Wissen nicht nur den Film neu schneiden und kürzen, sondern ergänzte auch ein hoffnungsvolleres Ende. Beeinträchtigt haben diese Eingriffe zwar "Moonfleet", doch zerstören konnten sie diesen durch seine starken Bilder atmosphärisch dichten, romantischen Abenteuerfilm, der im Kern von der Läuterung eines Verbrechers auf der einen Seite und dem Weg Johns ins Erwachsenenalter auf der anderen Seite erzählt, nicht.
An Sprachversionen bieten die bei Plaion Pictures in einem Mediabook erschienene Blu-ray und DVD die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie deutsche Untertitel. An Extras gibt es das 30-minütige, deutsch untertitelte Feature "Die Botschaften von Fritz Lang", das detailliert die Anmerkungen von Fritz Lang im Drehbuch zu "Das Schloss im Schatten" mittels Filmszenen mit der Umsetzung vergleicht, sowie das 18-minütige, deutsch untertitelte Feature "Die Prüfung im Untergrund", in dem Alain Bergala den Abenteuerfilm spannend analysiert.
Dazu kommen der englische und der deutsche Trailer, eine Bildergalerie und ein Booklet mit einem Text von Tobias Hohmann, der nicht nur Einblick in den Film, sondern in die gesamte Karriere Langs bietet.
Trailer zu "Das Schloss im Schatten - Moonfleet" (1955)




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