• Walter Gasperi

Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe


Ein Frauenmörder verbreitet in Dario Argentos Regiedebüt Angst und Schrecken in Rom. – Der effektvoll inszenierte Giallo aus dem Jahr 1970 ist bei Pidax Film in digital restaurierter Fassung auf DVD und Blu-ray erschienen.


Reine Marketing-Strategie war es in Deutschland Dario Argentos Regiedebüt mit Edgar Wallace, dessen Verfilmungen in den 1960er Jahren Kassenschlager waren, in Verbindung zu bringen, denn nichts hat dieser Film mit den Romanen des britischen Schriftstellers zu tun, sondern ist vielmehr ein waschechter Giallo.


Eine überzeugende Handlungsführung interessiert Argento kaum, wichtig ist ihm die effektvolle Inszenierung von Mordanschlägen und Momenten der Bedrohung. Auch der deutsche Titel führt in die Irre, denn die schwarzen Handschuhe des Täters spielen kaum eine Rolle, treffender schon der internationale Titel "The Bird with the Crystal Plumage", denn das Krächzen eines Vogels hilft bei der Fahndung nach dem Serienmörder entscheidend weiter.


Schon der Einstieg mit einem roten Tuch, auf dem zwei in schwarzen Handschuhen versteckte Hände ein Messer für einen Mord herrichten, stimmt auf die expressive Ästhetik von "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" ein. Auch der schwarze Ledermantel des Täters, den er bei jeder Tat tragen wird, findet sich oft in den Gialli.


Beliebter Schauplatz dieses Subgenres des Thrillers ist auch eine Galerie, in der ein Mord passiert. Hilflos muss der in Rom lebende amerikanische Schriftsteller Sam Dalmas (Tony Musante) zusehen, wie hier die Galeristen-Gattin (Eva Renzi) überfallen und niedergestochen wird, weil er die Glaswand, die ihn von der Szene trennt, nicht öffnen kann. Gespiegelt wird hier die Situation des Zuschauers, der ebenfalls dem Geschehen im Film folgt, ohne eingreifen zu können.


Die Frau überlebt zwar, doch für die Polizei ist Sam der wichtigste Zeuge. Um zu verhindern, dass er mit seiner italienischen Freundin Giulia (Suzy Kendall) zurück in die USA fliegt, nimmt der Kommissar ihm deshalb seinen Pass ab. Aber auch Sam selbst glaubt, etwas für die Lösung des Falls Wichtiges gesehen zu haben, weiß aber nicht, was es war. Immer wieder wird er so von Erinnerungen an das Verbrechen verfolgt, beginnt aber auch selbst sich intensiver für den Fall zu interessieren und in der Serie der mysteriösen Frauenmorde auf eigene Faust zu ermitteln. Damit zieht er aber auch die Aufmerksamkeit des Täters auf sich, der bald nicht nur Sam, sondern auch dessen Freundin bedroht.


Wilde Haken schlägt die Handlung, doch in den Momenten der Bedrohung und den noch folgenden Morden baut Argento immer wieder große Spannung auf. Lange lässt er so eine junge Frau ein dunkles Stiegenhaus hochsteigen, bis sie in einem Lift Zuflucht sucht, oder die scheinbar sichere Wohnung von Sam und Giulia entwickelt sich zu einem Ort hilflosen Ausgeliefertseins, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint.


Nicht unwesentlich wird der Spannungsaufbau von der eigenwilligen Filmmusik von Ennio Morricone, aber auch von der Kameraarbeit des dreifachen Oscar-Preisträgers Vittorio Storaro ("Apocalypse Now", "Reds", "Der letzte Kaiser") unterstützt. Mit überraschenden Perspektiven, Detailaufnahmen und dem Einsatz einer subjektiven Kamera erzeugen Argento und Storaro immer wieder eine Atmosphäre der Bedrohung und versetzen den Zuschauer ins Spannungsfeld von Schaulust und Angst.


Geschickt setzt Argento auch noch einmal eins drauf, als schon alles geklärt scheint, um beim finalen Showdown in die Galerie zurückzukehren, in der der Film begann. An Alfred Hitchcocks "Psycho" scheint sich der Italiener dabei zu orientieren, wenn er abschließend einen Psychiater in einer TV-Sendung die Ursachen für die psychische Störung des Täters erklären lässt. Andererseits ist unübersehbar, dass sich Brian De Palma bei "Dressed to Kill" nicht nur von der Eröffnungsszene in der Galerie, sondern auch von einem Mord mit Rasiermesser in einem Lift inspirieren ließ.


An Sprachversionen bietet die bei Pidax Film in digital restaurierter Fassung erschienene DVD und Blu-ray die italienische Original- sowie die englische und die deutsche Synchronfassung, aber keine Untertitel. Die in früheren deutschen Fassungen gekürzten Szenen, sind in dieser ungekürzten Fassung in Italienisch mit deutschen Untertiteln integriert. Die Extras beinhalten neben einem Nachdruck des "Neuen Filmprogramms" von 1970 eine Bildergalerie, den englischen, italienischen und deutschen Trailer sowie zwei kurze englische TV-Spots.


Trailer zu "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe"