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  • AutorenbildWalter Gasperi

Das erste Omen

Woher kam das Satanskind Damien 1976 im Horrorfilmklassiker "Das Omen". –Die Fernsehregisseurin Arkasha Stevenson erzählt in ihrem Kinodebüt die Vorgeschichte und zeichnet dabei ein düsteres Bild kirchlichen Machtmissbrauchs.


Drei Sequels und ein Remake hat Richard Donners Kassenschlager zwischen 1978 und 2006 erhalten, große Beachtung fand aber keiner dieser Filme. Nun erzählt Arkasha Stevenson die Vorgeschichte und lässt ihr Leinwanddebüt mit einer starken Pre-Title-Szene beginnen.


Unmissverständlich klar macht dieser Auftakt, dass Gefahr durch die Zeugung des Antichristen droht, doch nur das Foto eines Babys weist eine Spur. Völlig offen ist aber, wer dieses Kind ist, durch das knapp 20 Jahre später das Böse in die Welt kommen soll.


Mit einem Schnitt wechselt "Das erste Omen" ins Rom des Jahres 1971. Am Flughafen Leonardo da Vinci kommt die junge amerikanische Novizin Margaret Daino (Nell Tiger Free) an, die hier in einem von katholischen Nonnen geleiteten Waisenhaus arbeiten und auch ihr ewiges Gelübde ablegen soll.


Stimmungsvoll beschwört Stevenson mit Autos und Kleidung, aber auch mit leicht körnigen Bildern und verblassten Farben – gedreht wurde auf analogem 35mm-Film - die Stimmung der frühen 1970er Jahre. Die Fahrt vom Flughafen zum Waisenhaus bringt dabei mit Protesten von ArbeiterInnen und vor allem von StudentInnen auch schon den gesellschaftlichen Um- und Aufbruch dieser Zeit ins Spiel. Eine große Gefahr sieht Margarets Mentor, Kardinal Lawrence (Bill Nighby), in dieser Liberalisierung und Säkularisierung, verliere die Kirche dadurch doch Autorität und Macht.


Die Pole zwischen züchtigem Klosterleben und Lebensgenuss prallen auch aufeinander, wenn Mitnovizin Luz (Maria Caballero) Margaret auf eine Lokal- und Discotour mitnimmt. Nicht nur hier endet die Szene in Schwarzfilm, um mit dem Erwachen am nächsten Morgen wieder einzusetzen.


Geschickt baut Stevenson durch diese Leerstellen mehrfach Spannung auf, vermittelt dank des starken Spiels von Nell Tiger Free aber auch eindrücklich den psychisch labilen Zustand der jungen Novizin. Denn bald stellen sich bei Margaret, die schon in der Kindheit unter Wahnvorstellungen litt, Albträume ein. Offen bleibt, ob sie Folge der neuen Umgebung oder von Schuldgefühlen, die der Regelverstoß mit dem Discobesuch und später ein grässlicher Unfall auslöst, sind, oder andere, tiefer in Margaret liegende Gründe haben.


Dazu kommen die Erfahrungen im Waisenhaus, in dem sich die älteren Nonnen nach außen hin fürsorglich um ihre Schützlinge kümmern, andererseits diese aber auch bei Fehlverhalten in eine enge Kammer, das sogenannte "böse Zimmer", sperren. Vor allem die etwa gleich alte Carlita (Nicole Sorace) weckt mit ihrem verstörten Wesen und ihren düsteren Zeichnungen das Interesse Margarets. Gleichzeitig warnt sie aber der exkommunizierte Priester aus der Pre-Title-Sequenz vor der bevorstehenden Ankunft des Antichristen. – Auch hier stellt sich die Frage nach Paranoia oder echter Bedrohung.


Ganz lassen Margaret die Worte des Priesters aber nicht los und so beginnt sie im Waisenhaus zu recherchieren. Mit dieser Suche nach der Mutter des Antichristen entwickelt sich "Das erste Omen" zu einem klassischen Thriller, bleibt aber gleichzeitig mit den Visionen und Albträumen auch immer ein Horrorfilm. Dichte Atmosphäre erzeugen Stevenson und ihr Kameramann Aaron Morton dabei mit ungewöhnlichen Kameraperspektiven und Lichtsetzung sowie der Einbindung beunruhigender Gemälde und Zeichnungen, aber auch die Musik von Mark Korven trägt zur Spannungssteigerung bei.


Aber auch ein düsteres Bild der Katholischen Kirche wird gezeichnet, wenn es hier eine Gruppe gibt, die alle Mittel einsetzt, um in Zeiten der Säkularisierung ihre Macht zurückzugewinnen. Wenn hier von Machtmissbrauch erzählt wird, kann darin auch eine Verarbeitung der zahlreichen, im letzten Jahrzehnt bekannt gewordenen sexuellen Missbrauchsfälle gesehen werden. Stevenson treibt aber die Perfidie der Würdenträger sowie der verbohrten Äbtissin und ihrer Helferinnen in klassischer Genre-Manier geschickt weiter.


Stringent und ohne Leerlauf wird so die Handlung auf den Höhepunkt hin entwickelt, bis der Film quasi an den ersten "Omen"-Film andockt, gleichzeitig aber auch mit einem zweiten Handlungsstrang die Möglichkeit für eine Fortsetzung offen lässt.


Mag dieses Ende auch überkonstruiert sein, so beeindruckt doch, wie Stevenson, die auch am Drehbuch mitarbeitete, durch die Fokussierung auf die Protagonistin Spannung aufbaut und speziell mit einer Geburtsszene auch mit Body-Horror arbeitet, der haften bleibt. Störend und irritierend ist allerdings die sprachliche Ebene. Inkonsequent ist nämlich, dass die Amerikanerin Margaret kaum Italienisch kann und die Italiener:innen mit ihr zunächst einige Brocken Italienisch wechseln, dann aber alle – von den Kindern im Waisenhaus bis zu den alten Nonnen - völlig akzentfrei Deutsch – oder im Original wohl Englisch – sprechen.


Das erste Omen USA 2024 Regie: Arkasha Stevenson mit: Nell Tiger Free, Bill Nighy, Ralph Ineson, Sônia Braga, Andrea Arcangeli, Anton Alexander, Tawfeek Barhom, Ishtar Currie-Wilson Länge: 120 min.



Läuft derzeit in den Kinos, z.b. im Cineplexx Hohenems und Cineplexx Lauterach.


Trailer zu "Das erste Omen"



 

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