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Arco

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • vor 8 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit
"Arco": Visuell beeindruckender französischer Animationsfilm
"Arco": Visuell beeindruckender französischer Animationsfilm

Ein zehnjähriger Zeitreisender landet aus der Zukunft in der vom Klimawandel bedrohten Erde des Jahres 2075, findet aber bald in einem gleichaltrigen Mädchen eine Freundin und Helferin: Visuell beeindruckender, aber auch etwas überladener französischer Animationsfilm, der die Kraft der Freundschaft feiert und für Umwelt- und Klimaschutz plädiert.


Der französische Comic-Künstler Ugo Bienvenu wirft die Zuschauer:innen mitten hinein in sein für den Oscar nominiertes und beim Animationsfilmfestival Annecy mit dem Hauptpreis ausgezeichnetes Langfilmdebüt. So braucht es eine gewisse Zeit, bis man den Überblick gewinnt, und klar wird, dass sich die Welt des zehnjährigen Arco, in der die Menschen in auf Stahlstützen stehenden, energieautarken Baumhäusern hoch über den Wolken leben, in der Zukunft liegt.


Wie seine Eltern und seine ältere Schwester möchte auch Arco einen regenbogenfarbenen Anzug anziehen und sich auf eine Zeitreise begeben, doch der Vater verbietet dies mit dem Hinweis auf das Mindestalter von zwölf Jahren. Wie Ikarus im antiken Mythos sich aber nicht an die Vorgaben seines Vaters Daedalus hält, so widersetzt sich auch Arco, entwendet nachts den Anzug seiner Schwester und fliegt durch Raum und Zeit, bis er in der nicht allzu fernen Zukunft des Jahres 2075 strandet.


Dort findet ihn die gleichaltrige Iris im Wald, bringt ihn nach Hause, wo er von einem Roboter, der gleichzeitig Kindermädchen und Haushaltshilfe ist, gepflegt wird. Doch drei dubiose Männer sind auch hinter dem Jungen her und haben zudem den Diamanten gefunden, den Arco für eine Rückkehr in seine Welt benötigt. Zwar entwickelt sich eine Freundschaft zwischen Arco und Iris, vor allem möchte der Junge aber wieder in seine Welt und zu seinen Eltern zurückkehren. Doch dafür fehlt ihm der Diamant…


In den in sanftes Weiß und zarte Blautöne getauchten Wolkenszenen am Beginn und den detailreichen und farbintensiven Bildern der Welt von Iris erinnert "Arco" ebenso an die Filme von Hayao Miyazaki wie in seiner Warnung vor den Folgen des Klimawandels. Plastisch entsteht hier das Bild einer volltechnisierten Welt, in der nicht nur Hausarbeit und Kindererziehung, sondern auch Schulunterricht, Straßenarbeiten und Verkehrsregelung Roboter übernehmen, während die aufgrund ihrer Arbeit meist abwesenden Eltern nur als Hologramme präsent sind. Eindringlich beschwört Bienvenu aber auch mit einem mächtigen Sturm sowie einem verheerenden Feuer die drohenden Folgen der Klimakrise.


Gleichzeitig orientiert sich der Franzose aber auch unübersehbar an Steven Spielbergs "E.T." (1982). An die Stelle des freundlichen Aliens tritt hier mit Arco zwar ein ganz normaler Junge, doch wie Spielbergs Außerirdischer sehnt sich auch der Protagonist dieses Animationsfilms vor allem nach einer Rückkehr in seine Heimat und ist dabei auf die Hilfe eines Mädchens angewiesen, das ihm bald zur Freundin wird.


Visuell viel zu bieten hat dieser Film mit seinen bunten Bildern vom Regenbogen, den die Zeitreisenden bei ihren Flügen wie Kondensstreifen an den Himmel zeichnen, bis zu den einfärbigen blauen, gelben und roten Anzügen, der drei geheimnisvollen Männer. Auch an Action fehlt es nicht, wenn Iris und Arco schließlich aus dem Elternhaus vor der Polizei fliehen müssen und sich dabei überraschende Allianzen bilden.


Mit seinen jugendlichen Protagonist:innen und der Geschichte um Freundschaft und Hilfsbereitschaft kann "Arco" so Kinder ebenso ansprechen wie mit den gesellschaftskritischen Akzenten Erwachsene. Nicht zu übersehen ist aber auch, dass Bienvenu so viel hineingepackt hat, sodass manches nicht wirklich weiterentwickelt werden kann und Einiges auch unklar bleibt.


Wenig Profil gewinnt so Iris´ Nachbarsjunge und die drei Männer stören in ihrer Skurrilität mehr den ernsten Grundton als für echten Witz zu sorgen. Unklar bleibt auch, wieso man im Schulgebäude durch Türen in die Welt der Dinosaurier ebenso wie in die der Ritter und Piraten eintreten kann, und nicht erklärt wird auch eine überraschende Wendung bei der Flucht.


Aber auch wenn diese Unstimmigkeiten den Spannungsaufbau stören, so berührt dieser Animationsfilm doch einerseits mit seiner Freundschaftsgeschichte und einem Roboter, der für das Wohl seines Schützlings alles gibt, und lässt auch mit der Schilderung einer von der Zerstörung bedrohten Erde nachdenklich zurück, auch wenn die Utopie einer Zukunft in einer ganz anders gearteten Welt beschworen wird.



Arco

Frankreich / USA / Großbritannien 2025

Regie: Ugo Bienvenu

Animationsfilm

Länge: 88 min.



Läuft derzeit in den Kinos, z.B. im Kinok St. Gallen.

Spielboden Dornbirn: Mi 15.4. + Fr 25.4. - jeweils 19.30 Uhr (franz. OmU.)



Trailer zu "Arco"



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