• Walter Gasperi

A Rainy Day in New York


Ein junges Paar in New York, doch anders als geplant verbringen sie den Tag getrennt. – Leichthändig und locker reiht Woody Allen in seinem 49. Spielfilm Szenen aneinander, kann auf ein lustvoll aufspielendes Starensemble und Kameramann Vittorio Storaro, der mit goldfarbenen Bildern den „Big Apple“ verklärt, bauen. Das Frauenbild irritiert allerdings.


Seit 1971 hat Woody Allen beinahe jährlich einen Film in die Kinos gebracht. Auch „A Rainy Day in New York“ sollte schon 2018 starten, doch dann beendete Amazon aufgrund der – schon lange bestehenden, aber nie bewiesenen - Missbrauchsvorwürfe gegen Allen, die im Zuge der MeToo-Debatte wieder aufkamen, die Zusammenarbeit mit dem 84-Jährigen und distanzierte sich vom Film.


In den USA kam „A Rainy Day in New York“ in der Folge gar nicht in die Kinos, in Europa dagegen schon. Beginnend mit weißen Vorspanntitel auf schwarzem Grund, die von Bing Crosbys „I Got Lucky in the Rain“ begleitet werden, ist das ein unverkennbarer Allen. Der sanfte Jazz, der dem ganzen Film unterlegt ist, gehört ebenso dazu wie die geistreichen Dialoge, in denen es beiläufig auch um Kunst, Literatur und Filmgeschichte geht, und natürlich Allens Heimatstadt New York, der er nicht nur in „Annie Hall“ („Der Stadtneurotiker“, 1977), „Manhattan“ (1979) und „Hannah and Her Sisters“ (1986) seine Liebe erklärte.


Auslöser der Handlung ist die Einladung der Studentin Ashleigh (Elle Fanning), den berühmten Filmregisseur Roland Pollard (Liev Schreiber) für die Uni-Zeitung in New York zu interviewen. Ashleighs Freund Gatsby Welles (Timothée Chalamet), der im Gegensatz zu ihr aus der Ostküstenmetropole stammt, bietet ihr an sie zu begleiten und ihr seine Heimatstadt zu zeigen.


Nur eine Stunde soll das Interview dauern, doch der in einer schweren Krise steckende Regisseur lädt Ashleigh zunächst zum Screening seines neuen Films ein, dann muss sie dessen Drehbuchautor (Jude Law) begleiten und schließlich interessiert sich auch noch ein gefeierter Schauspieler (Diego Luna) für sie.


Weil Gatsby so immer wieder versetzt wird, muss er sich allein die Zeit vertreiben, begegnet bald der jüngeren Schwester (Selena Gomez) seiner früheren Freundin, steigt in eine Pokerrunde ein, besucht seinen Bruder und schließlich eine Charity-Veranstaltung seiner steinreichen Eltern.


Die leichthändige Abfolge der Szenen dient Allen dabei vor allem wieder einmal New York seine Liebe zu erklären. Wie der Name des Protagonisten und Erzählers Gatsby Welles, auf F. Scott Fitzgeralds „The Great Gatsby“, aber auch auf Orson Welles und damit auf eine andere Zeit verweist, beschwört auch „A Rainy Day in New York“ nostalgisch ein vergangenes New York.


Probleme der Millionenstadt, Gewalt oder Armut werden ausgeblendet, exklusive Wohnungen, vornehme Hotels, stilvolle Bars, das großzügige Haus von Gatsbys Eltern, der Central Park oder das Metropolitan Museum of Art sind die Schauplätze. Einen kongenialen Partner hat Allen dabei im Kameramann Vittorio Storaro gefunden, der mit seiner Arbeit für die Filme Bernardo Bertoluccis oder für Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now“ berühmt wurde.


Wie schon bei den letzten beiden Allen-Filmen „Café Society“ und „Wonder Wheel“ erweist sich Storaro auch hier wieder als Meister der Lichtführung und Farbgestaltung. Golden schimmern nicht nur immer wieder die Locations, sondern auch das blonde Haar von Elle Fanning, in betörendes Rot taucht der 79-jährige Italiener eine Hotellounge.


Visuell ist „A Rainy Day in New York” damit ein Genuss, unterhält auch mit seiner flüssigen Erzählweise und seinem lustvoll aufspielenden Star-Ensemble, kommt insgesamt aber doch kaum über eine charmante, aber auch etwas substanzarme Petitesse hinaus. Hauptproblem des Films ist aber das reichlich antiquierte Frauenbild das Allen mit der jungen Ashleigh zeichnet, die als naiv erscheint, für jede Berühmtheit schwärmt und ihrerseits von deutlich älteren Männern umschwärmt wird.


Läuft derzeit in den Kinos


Trailer zu "A Rainy Day in New York"