• Walter Gasperi

17. Zurich Film Festival: Eine Vorschau


Das Line-up des heurigen Zurich Film Festival (23.9. – 3.10. 2021) kann sich sehen lassen: 164 Filme aus 53 Länder, darunter 25 Welt- oder internationale Premieren und fünf Europapremieren. Auch zahlreiche Stars werden an der Limmat erwartet. – Der Kartenvorverkauf startet am Montag, den 13. September.


Nachdem letztes Jahr aufgrund der Pandemie viele Hollywood-Filme zurückgehalten wurden, kündigt Artistic Director Christian Jungen fürs heurige Zurich Film Festival die Rückkehr Hollywoods an. So findet sich auch der heiß erwartete und oft verschobene neue Bond-Film "No Time to Die" im Programm des ZFF, wird freilich schon wenige Tage nach dieser Vorführung in zahlreichen Kinos weltweit und auch im deutschsprachigen Raum anlaufen.


Eröffnet wird das Festival aber mit dem Schweizer Thriller "Und morgen seid ihr tot", in dem Michael Steiner von einem jungen Schweizer Paar erzählt, das 2011 während einer Reise entlang der Seidenstraße entführt und den Taliban übergeben wurde. Davon abgesehen dominiert aber ganz klar das US-Kino die Programmschiene "Gala Premieren". Wes Andersons "The French Dispatch" läuft hier ebenso wie Ridley Scotts Mittelalter-Film "The Last Duel" oder Maggie Gyllenhalls Elena Ferrante-Verfilmung "The Lost Daughter", Sean Bakers "Red Rocket", Jane Campions beim Filmfestival von Venedig hoch gelobter Post-Western "The Power of the Dog" oder Todd Haynes´ Dokumentarfilm "The Velvet Underground".


Auch "The Card Counter", in dem Paul Schrader – wie seit seinem Drehbuch für "Taxi Driver" immer wieder auch in seinen eigenen Regiearbeiten – von einem Verlorenen erzählt, der nach Erlösung sucht, wird in diesem Rahmen gezeigt. Genützt wird diese Premiere dabei auch, um dem 75-jährigen Amerikaner den Life Achievement Award zu verleihen.


Aber auch neue internationale Autorenfilme, die bei den Festivals von Cannes und Venedig auf große Beachtung stießen, fehlen mit beispielsweise Asghar Farhadis "A Hero", Juho Kuosmanens "Compartment No. 6", Pablo Larrains "Spencer" oder Xavier Giannolis "Illusions perdues" nicht. Dazu kommen Weltpremieren wie Andreas Schmieds Spielfilm über die österreichische Abfahrtslegende Franz Klammer ("Klammer – Chasing the Line") oder Florian Gallenbergers Verfilmung von Jochen-Martin Gutschs und Maxim Leos Alterspubertäts-Bestseller "Es ist nur eine Phase, Hase".


Trotz dieser starken internationalen Präsenz ist auch das Schweizer Filmschaffen mit 22 Filmen beeindruckend vertreten. Die Hälfte der zwölf Filme, die im "Wettbewerb Fokus" laufen, der deutschsprachigen und ersten bis dritten Regiearbeiten vorbehalten ist, sind so reine Schweizer Produktionen oder Schweizer Koproduktionen. Während Fred Baillif im Sozialdrama "La Mif - The Fam" das Publikum in ein Mädchenheim versetzt, in dem es immer wieder zu Konflikten zwischen der wild zusammengewürfelten Ersatzfamilie kommt, präsentiert Andreas Fontana mit "Azor" einen Politthriller, in dem ein Schweizer Banker ins Argentinien der Militärdiktatur des Jahres 1980 reist, um seinen verschwundenen Partner zu suchen.


Einen spannenden Blick hinter die Kulissen des investigativen Journalismus sollte dagegen "Hinter den Schlagzeilen" bieten, für den Daniel Sager Bastian Obermayer und Frederik Obermaier von der Süddeutschen Zeitung ein Jahr lang bei ihren Recherchen begleitete. Um ein dystopisches, im Jahr 2054 spielendes Science-Fiction-Märchen soll es sich dagegen bei Marten Parsiels "Everything Will Change" handeln, surrealistisch die Belastbarkeit einer Beziehung ergründet wiederum Zora Rux in "Ich ich ich".


Leichter als ein A-Festival tut sich das ZFF freilich bei der Programmierung, dürfen hier in den diversen Wettbewerben doch auch Filme gezeigt werden, die schon auf anderen Festivals liefen. So wird beispielsweise auch Sebastian Meises in Cannes hochgelobter und preisgekrönter Spielfilm "Große Freiheit" um das mit 25.000 Schweizer Franken dotierte Goldene Auge konkurrieren.


Mit 14 ersten, zweiten oder dritten Regiearbeiten führt der "Wettbewerb Spielfilm" um die Welt. Der Bogen spannt sich dabei vom isländischen "Lamb" bis zu "Aloners" aus Südkorea und vom rumänischen "Miracle" über den us-amerikanischen "Mass" bis zum norwegischen "Ninjababy".


Aber auch die zwölf Filme im "Dokumentarfilm Wettbewerb" versprechen mit dem Einblick in den Alltag eines mexikanischen Polizisten in "A Cop Movie" bis zum dokumentarischen Essay "The Real Charlie Chaplin" spannende Blicke auf die Welt.


Dazu kommen die Schiene "Neue Welt Sicht: Tunesien", die mit 14 Filmen einen Einblick ins aktuelle tunesische Kino bietet, sowie die Schiene "Border Lines", die Filme präsentiert, die sich "mit aktuellen Themen des Weltgeschehens, mit Menschenrechten und humanitären Projekten, mit territorialen und sozialen Spannungen, mit Konflikten zwischen Individuum und Staat" auseinandersetzen.


Im "Window: San Sebastian" wird eine Auswahl von vier Filmen aus Spanien und Lateinamerika gezeigt, die am diesjährigen San Sebastián Film Festival liefen, und im "Window: Hongkong" vier neue Filme aus Hongkong. Auch eine kleine, vier Filme umfassende James-Bond-Retro gibt es und in der Schiene "ZFF für Kinder" laufen zehn Kinderfilme. Und schließlich gibt es eine Retro für Paolo Sorrentino, der beim ZFF mit dem Ehrenpreis "A Tribute to…" ausgezeichnet wird.


Der Neapolitaner wird ebenso Ehrengast beim heurigen ZFF sein wie Sharon Stone, die mit dem Golden Icon Award ausgezeichnet wird, Paul Schrader und der kanadische Filmkomponist Mychael Danna, dem der Career Achievement Award verliehen wird.


Auch ein Rahmenprogramm mit den ZFF Talks zu Themen wie dem Spannungsfeld von Datenschutz und investigativem Journalismus oder der Zukunft der Filmkritik sowie die ZFF Masters, bei denen Sharon Stone, Paolo Sorrentino, Todd Haynes und Paul Schrader im Gespräch mit einem Moderator Einblick in ihr Schaffen geben, fehlt nicht.


Weitere Informationen zum Zurich Film Festival finden Sie hier.