• Walter Gasperi

12 Stunden Angst - Narrow Margin


Ein Staatsanwalt versucht die Zeugin eines Mordes in einem Zug zum Verhandlungsort zu bringen, doch die Handlanger des angeklagten Gangsterbosses sind ihnen auf den Fersen. – Peter Hyams´ kompakter und mit Gene Hackman stark besetzter Actionfilm aus dem Jahr 1989 ist bei Koch Films auf DVD und Blu-ray erschienen.


Der 1943 geborene New Yorker Peter Hyams gehört sicher nicht zu den großen Regisseuren der Filmgeschichte, doch nicht nur mit seiner "Outland – Planet der Verdammten" betitelten Science-Fiction-Variation von Fred Zinnemanns "High Noon" oder diesem Remake von Richard Fleischers Thriller "Narrow Margin – Um Haaresbreite" (1952) belebte er das klassische Genrekino in Zeiten, in denen zunehmend bombastische Materialschlachten das Kino zu dominieren begannen.


Auf großes Spektakel verzichtet Hyams und setzt auf kompakte und stringente Erzählweise. Unvermittelt ist der Einstieg mit einem Blind Date der alleinstehenden Carol (Anne Archer) mit einem Anwalt, bei dem dieser sogleich von den Gangstern, für die er arbeitet, ermordet wird. Als von den Tätern nicht entdeckte Zeugin des Verbrechens flieht Carol in die kanadischen Berge, doch der stellvertretende Bezirksstaatsanwalt Robert Caulfield (Gene Hackmann) erfährt von ihrer Zeugenschaft und folgt ihr.


Über einen Maulwurf in der Justiz erfahren aber auch die Gangster davon und versuchen Carol und Caulfield in der abgeschiedenen Hütte zu ermorden. Dem Duo gelingt zunächst aber mit dem Auto eine wilde Flucht durch die Wälder, um dann in einen Zug zu steigen, der durch die kanadischen Rocky Mountains Richtung Vancouver unterwegs ist. Doch auch die beiden Killer steigen ein und zudem gibt es weitere Nebenfiguren, bei denen nicht klar ist, auf welcher Seite sie stehen.


Weitgehend auf eine Nacht und den Zug als Schauplatz beschränkt sich die Handlung. Diese Engführung, die schon Alfred Hitchcock in "Eine Dame verschwindet" und Sidney Lumet in "Mord im Orient-Express" meisterhaft zu nutzen verstanden, sorgt für Konzentriertheit, während der Zug die Möglichkeit eines fürs Kino essentiellen Spiels mit Stillstand und Bewegung bietet.


Zweifellos unrealistisch ist vor allem die Flucht mit dem Auto am Beginn und vorhersehbar ist auch, wie der Film ausgehen wird, doch mit Wendungen hält Hyams die Spannung hoch. Stopps wechseln hier mit Konfrontationen im Zug und immer besteht die Gefahr, dass Carol, über deren Aussehen die Killer nicht Bescheid wissen, entdeckt wird. Eine Nebenfigur bleibt so diese von Anne Archer gespielte Zeugin, während Gene Hackman als Staatsanwalt einerseits versucht seine Begleiterin gut zu verstecken, andererseits einen Weg sucht, um den Verfolgern zu entkommen.


Neben der schnörkellosen Handlungsführung und dem gerade in seiner Zurückhaltung starken Spiel Hackmans entwickelt "12 Stunden Angst" dabei auch durch die visuelle Gestaltung von Hyams, der selbst auch für die Kameraführung verantwortlich zeichnet, Eleganz und Spannung. Souverän wechselt er nicht nur immer wieder zwischen Totalen, die den Zug in der weiten kanadischen Berglandschaft isolieren, und Nahaufnahmen, die die Enge im Zug akzentuieren, sondern spielt auch geschickt mit Licht und Schatten.


So entwickelt sich ein dichtes Katz- und Mausspiel zwischen dem unbewaffneten Caulfield und den skrupellosen Gangstern, die den Staatsanwalt bald zu bestechen, bald mit Waffengewalt auszuschalten versuchen, bis der Thriller in einem Showdown auf dem Dach des fahrenden Zuges kulminiert. Auf die Entwicklung einer tieferen Beziehung zwischen dem Staatsanwalt und der Zeugin verzichtet Hyams dabei erfreulicherweise ebenso wie auf eine lange Nachgeschichte und lässt seinen spannenden Thriller mit einer knappen Gerichtsszene enden.


An Sprachversionen bieten die bei Koch Films erschienene DVD und Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie Untertitel in diesen beiden Sprachen. An Extras gibt es neben dem deutschen und englischen Trailer, einer Bildergalerie, kurzen Interviews mit Peter Hyams, Gene Hackman und Anne Archer sowie zwei fünf- bzw. zehnminütigen Featurettes zur Produktion des Films vor allem ein nicht untertitelter, aber gut verständlicher, informativer englischer Audiokommentar von Regisseur Peter Hyams.


Trailer zu "12 Stunden Angst - Narrow Margin"