top of page

Viriginia Woolf´s Night and Day

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • vor 4 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit
"Virginia Woolf´s Night and Day": 1910 spielende satirische Gesellschaftskomödie über den Kampf um weibliche Gleichberechtigung
"Virginia Woolf´s Night and Day": 1910 spielende satirische Gesellschaftskomödie über den Kampf um weibliche Gleichberechtigung

Im London des Jahres 1910 träumt eine junge Frau von einem Studium der Physik und Astronomie, erfährt aber sowohl von ihrem Vater als auch von der männlich dominierten Gesellschaft heftigen Widerstand: Tina Gharavi inszeniert Virginia Woolfs Roman als Mischung aus satirischer Komödie und Drama, die mit einem spielfreudigen Ensemble und leichthändig-frischer Erzählweise solide Unterhaltung bietet.


Wenig bekannt ist Virginia Woolfs 1919 erschienener zweiter Roman, der auch als ihr konventionellster gilt. Auch die Produzent:innen scheinen auf den Titel "Night and Day" nicht zu vertrauen und haben ihm dem Namen der Autorin vorangestellt, um Aufmerksamkeit und Publikumsinteresse zu generieren.


Schon das erste Bild mit der nachts nackt in einen See springenden Katharine Hilbery (Haley Bennett) bringt die zentralen Themen des Films auf den Punkt. Denn einerseits erscheint hier die junge Frau als unabhängig und in ihrer Nacktheit befreit von allen Zwängen und andererseits kann man im Sprung in den See und im begeisterten Blick zu ein Sternen auch ein Bild für ihren Mut Neues zu wagen und Grenzen zu überschreiten sehen.


Harter Gegenwind schlägt ihr aber von ihrem Vater (Timothy Spall) entgegen, der nichts davon hält, dass seine Tochter studieren will, sondern vielmehr versucht, eine Heirat mit ihrem Jugendfreund William (Jack Whitehall) anzubahnen.


Mehr als ein Freund ist der brave und etwas unbeholfene William für die entschlossene junge Frau aber nicht. Auf keinen Fall will sie nämlich wie ihre Mutter enden, die über Jahrzehnte unter der Herrschaft ihres Ehemanns stand und deren Versuch ein Buch zu schreiben immer nur belächelt wurde.


Näher steht Katharine ihrem Cousin Cyril (Misia Butler), mit dessen Hilfe sie Zutritt zur Astronomischen Gesellschaft erreicht, wo aber ein Antrag auf Aufnahme von Frauen mit großer Mehrheit abgelehnt wird. Andererseits lernt Katharine auch die freigeistige Mary Datchet (Lily Allen) kennen, die mit Gleichgesinnten für die Durchsetzung des Frauenwahlrechts kennt. In deren Druckerei trifft sie auch den Lektor und Autor Ralph Denham (Elyas M´Barek). Man spürt, wie es auf Anhieb zwischen den beiden funkt, doch Katharine scheint nur für die Wissenschaft zu leben und keine Zeit für Liebe zu haben.


Kein neues Thema ist die Unterdrückung der Frauen Anfang des 20. Jahrhunderts und ihr Kampf ums Wahlrecht. Sarah Gavron erzählte beispielsweise davon mitreißend in "Suffragette" ("Suffragetten – Worte statt Taten", 2015) und Ildiko Enyedi bot zuletzt in "Silent Friend" (2025) Einblick in Ausgrenzung und Diskriminierung von Frauen an Universitäten zu dieser Zeit.


So versucht Tina Gharavi auch gar nicht erst inhaltlich neue Akzente zu setzen, wohl aber ihrem Film mit einer verspielten Erzählweise Frische zu verleihen. Zügig treibt die iranisch-britische Filmemacherin die Handlung voran, evoziert mit sorgfältiger Ausstattung die Stimmung der Zeit und sorgt gleichzeitig mit moderner Popmusik immer wieder für anachronistische Brüche.


Markant lässt sie auch mit der selbstbewussten Katharine auf der einen Seite und der verknöcherten astronomischen Gesellschaft sowie den Professoren in Cambridge auf der anderen Seite Gegensätze aufeinanderprallen. Bissig wird dabei mit rasanten Montagesequenzen mehrfach der Spott über diese Männergesellschaft verdichtet und beiläufig wird auch an die damalige Diskriminierung von Homosexuellen erinnert. Dazu kommt neben der öffentlichen Ebene die familiäre, in der die Männer ihre Frauen auf die Rolle der Ehe- und Hausfrau zurückdrängen und ihr keine Eigenständigkeit zugestehen.


Ernste Themen sind das im Grunde, doch "Virginia Woolf´s Night and Day" bewahrt immer Leichtigkeit. Das liegt einerseits daran, dass diese bissigen Blicke auf die Männerherrschaft durch komödiantische ebenso wie durch romantische Momente abgefedert werden, andererseits auch am spielfreudigen Ensemble.


Immer ein Vergnügen ist es Timothy Spall als grantigem Alten zuzusehen und großartig harmonieren Haley Bennett, die Katharine mit spürbarer Leidenschaft spielt, und Elyas M´Barak. Geschickt düpiert Gharavi aber auch Zuschauererwartungen an die Entwicklung einer romantischen Liebesgeschichte, steht für Katharine doch lange immer die Wissenschaft an erster Stelle. Nicht zuletzt, wie es hier am Ende eine Wende gibt und neben dem Hirn auch dem Herz seine Berechtigung zugestanden wird, macht diesen sicher zwischen Drama und Komödie pendelnden Film sympathisch.

 

 

Virginia Woolf´s Night and Day

Deutschland / Großbritannien / Irland 2025

Regie: Tina Gharavi

mit: Haley Bennett, Elyas M’Barek, Lily Allen, Jack Whitehall, Jennifer Saunders, Timothy Spall, Misia Butler

Länge: 95 min.



Läuft derzeit in den deutschen und österreichischen Kinos, z.B. im Cineplexx Hohenems und im Cinema Dornbirn.



Trailer zu "Virginia Woolf´s Night and Day"



Aktuelle Beiträge

Alle ansehen
bottom of page