• Walter Gasperi

Treffpunkt Hongkong


Eine Amerikanerin kommt in den 1950er Jahren in die britische Kronkolonie Hongkong, um ihren vermissten Mann zu suchen, der in chinesische Gefangenschaft geraten sein könnte. Bei ihrer Suche lernt sie den Abenteurer und Geschäftsmann Hank Lee kennen. – Bei Koch Media ist Edward Dmytryks Abenteuerfilm, der immer noch großzügige Unterhaltung bietet, auf DVD und Blu-ray erschienen.


Dem ganzen Vorspann sind Ansichten von Hongkong unterlegt: der Hafen mit seinen Dschunken, die engen und überfüllten Straßen, die Standseilbahn und dem Blick vom Victoria Gap über das Meer. Verankert ist dieser letzte Blick in dem von Clark Gable gespielten Hank Lee, der dann aber für rund 25 Minuten ein Phantom bleiben wird.


Immer wieder wird zwar von diesem Abenteurer und Geschäftsmann die Rede sein, aber erst spät wird man ihn wieder zu Gesicht bekommen. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Amerikanerin Jane Hoyt (Susan Hayward), die mit einem Schiff in Hongkong ankommt. Sie will ihren Mann suchen, der als Fotoreporter vermutlich heimlich nach China vorgedrungen ist und dort nun gefangen gehalten wird.


Statt die Handlung stringent und kompakt voranzutreiben, interessiert sich Edward Dmytryk aber für eine ausgiebige Schilderung verschiedener Orte und Bewohner der multikulturellen Großstadt. Im Treffpunkt unterschiedlichster Charaktere erinnert „Treffpunkt Hongkong“ dabei durchaus an den Kultfilm „Casablanca“.


Da gibt es das Hotel, in dem ein alkoholsüchtiger Franzose ebenso herumhängt wie eine verarmte Russin, eine Bar, in der man die Abende verbringt, die luxuriöse Villa von Hank Lee mit prächtigem Blick über das Meer, oder einen ehemaligen chinesischen General, der sich im Hotel als Fremdenführer anbietet, aber auch einen britischen Polizisten.


Von der Polizei werden die im Hafen liegenden Dschunken kontrolliert, während Lee mit Jane in einem chinesisches Restaurant speist und einen chinesischen Antiquitätenladen aufsucht, um die Besitzerin um Hilfe bei der Suche nach dem Vermissten zu bitten.


Ganz entscheidend lebt der Film von der Vielfalt und dem Reiz dieser Schauplätze und Figuren, zu denen schließlich auch noch ein altes Haus auf Macao und dessen portugiesischer Besitzer kommen. Ausführlich rückt dies Leo Tovers Kamera ins Cinemascope-Bild, lässt sich auch Zeit für eine Schlägerei und eine Hochzeit in der Bar, die für die Handlung ohne jeden Belang sind.


Überraschend wenig Raum nimmt dafür Clark Gable im Film ein, wenig entwickelt wird auch die Liebe zu Jane, mehr behauptet bleiben im Spiel von Gable und Susan Hayward die Emotionen, spürbar wird die Leidenschaft nie.


Ungewöhnlich kühl und ohne Nachdruck ist dann auch das im Grunde hochdramatische Finale inszeniert, in dem Gable mit einer Dschunke nach China vordringt. Sehr rasch lösen sich hier alle Probleme und Gefahren, sodass nie echte Hochspannung aufkommt. Unterhaltsames Kintopp bietet der 1955 gedrehte Abenteuerfilm, der freilich auch ausgiebig das Feindbild des kommunistischen China bedient, angesichts der leichthändigen und souveränen Inszenierung der prächtigen Schauplätze und der zahlreichen markanten Figuren aber immer noch.


An Sprachversionen bieten die bei Koch Media erschienene DVD und Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie Untertitel in diesen beiden Sprachen. Die Extras beschränken sich auf den amerikanischen und den deutschen Trailer sowie eine Bildergalerie.


Trailer zu "Treffpunkt Hongkong"