• Walter Gasperi

Tote schlafen besser – The Big Sleep (1978)


Michael Winner verlegte Raymond Chandlers klassischen Kriminalroman vom Los Angeles der 1940er Jahre ins England der 1970er Jahre. Der solide, aber uninspirierte Krimi, in dem Robert Mitchum als Privatdetektiv Philip Marlowe brilliert, ist bei Pidax Film auf DVD erschienen.


1946 gelang Howard Hawks mit seiner Verfilmung von Raymond Chandlers 1939 erschienenem Krimi „The Big Sleep“ ein Meisterwerk des Film noir und Kriminalfilms. In ein oft nächtliches und verregnetes Los Angeles wirft Hawks darin seinen von Humphrey Bogart gespielten Privatdetektiv Philip Marlowe, der kein strahlender Held, sondern ein Underdog ist, der froh sein muss, wenn er überlebt.


Von Anfang an schlägt Michael Winner bezüglich Stimmung einen ganz anderen Ton an, wenn die Kamera aus der Perspektive eines Autofahrers während des Vorspanns auf die idyllische englische Landschaft blickt, auf der der Wagen Richtung Landschloss des alten und im Rollstuhl sitzenden amerikanischen General Sternwood (James Stewart) fährt.


Erst als der Wagen stoppt, folgt ein Schnitt auf den Fahrer. Eingeschworen ist der Zuschauer damit von Anfang an auf die Perspektive des Privatdetektivs Philip Marlowe (Robert Mitchum), immer auf dessen Wissensstand ist man, löst gleichzeitig mit ihm langsam die Geheimnisse. Auch sein Voice-over, mit dem Marlowe immer wieder mit seinen Überlegungen vertraut macht, verstärkt die Verbindung zwischen dem Detektiv und dem Zuschauer.


Sein Auftrag ist es für Sternwood im Fall einer Erpressung zu ermitteln, bald aber gibt es Leichen, die Marlowe veranlassen nach den Hintergründen zu forschen. Wie aus der Zeit gefallen wirkt hier Robert Mitchums emotionsloser Protagonist. Er ist ein markanter Gegenpol zu den beiden durchgeknallten Töchtern seines Auftragsgebers, von denen die eine (Candy Clark) unter Drogeneinfluss von sich Pornofotos machen lässt und scheinbar jeden Mann ins Bett holen will, die andere (Sarah Miles) spielsüchtig ist.


Linearer als Hawks´ undurchschaubares Meisterwerk ist dieses Remake angelegt, statt in der düsteren Großstadt spielt ein Großteil in beschaulicher und sommerlicher ländlicher Region. Kostüme, Autos, Musik, aber und auch die Erzählweise sorgen für viel nostalgisches 1970er Jahre-Flair. Sicher entwickelt Michael Winner, der vor allem durch den Charles-Bronson-Selbstjustizfilm „Death Wish – Ein Mann sieht rot“ (1974) bekannt ist, die Handlung, aber besonders inspiriert ist die Inszenierung nicht. Spannung entwickelt sich hier allenfalls durch die Beziehungen der Figuren.


Schön schließt sich aber am Ende der Kreis zum Anfang, wenn Marlowe zu Sternwood zurückkehrt. So klein die Rolle von James Stewart als Sternwood sein mag, es sind die beiden alten Hollywood-Stars Stewart und Mitchum, die diesem Krimi den Stempel aufdrücken und ihn auch zu einem nostalgischen Auseinandertreffen des alten Hollywood mit einer neuen Zeit machen, die unter anderem durch die Töchter und den von Oliver Reed gespielten Nachtclubbesitzer Eddie Mars repräsentiert wird.


An Sprachversionen bietet die bei Pidax Film erschienene DVD die englische Original- und die deutsche Synchronfassung, aber keine Untertitel. Die Extras beschränken sich auf den Originaltrailer und ein fünfminütiges Featurette über die Dreharbeiten und Robert Mitchums Verkörperung von Philip Marlowe.


Trailer zu "Tote schlafen besser - The Big Sleep" (1978)