Todesstille – Dead Calm (1989)
- Walter Gasperi

- 29. Juli
- 3 Min. Lesezeit

Ein Ehepaar nimmt auf seiner Yacht einen Schiffbrüchigen auf, der sich bald als Psychopath entpuppt. - Bei Plaion Pictures ist Philip Noyces minimalistischer, aber durch seine perfekte Inszenierung und starke Schauspieler:innen hochspannender Thriller in einem Mediabook auf DVD und Blu-ray erschienen.
Schon in den 1960er Jahren begann Orson Welles mit Jeanne Moreau und Lawrence Harvey unter dem Titel "The Deep" mit einer Verfilmung von Charles Williams´ 1963 erschienenem Roman "Dead Calm". Wie andere Projekte von Welles blieb aber auch dieser Film unvollendet und nach dem Tod von Laurence Harvey im Jahr 1973 wurde die Arbeit daran endgültig eingestellt.
Während Welles´ Film vor der dalmatinischen Küste spielte, ist bei Philip Noyce der Pazifik der Schauplatz. So minimalistisch der Vorspann mit weißen Titeln auf schwarzem Grund gehalten ist, so schnörkellos ist der ganze Film inszeniert. Verunsichern kann freilich schon, bevor die Bilder einsetzen, die Musik von Graeme Revell. Mächtig schwillt diese schließlich an, als man Marinesoldaten in einem Zug sieht, die bald an ihrem Zielort aussteigen.
Aus der Gruppe picken Noyce und Kameramann Dean Semler den Offizier John Ingram (Sam Neill) heraus, der offensichtlich erwartet, am Bahnhof abgeholt zu werden. Stattdessen kommen aber zwei Polizisten auf ihn zu. Eine Totale isoliert Ingram nicht nur in der großen Bahnhofshalle, sondern man hört dadurch auch das Gespräch mit den Polizisten nicht.
Erst nach einer Autofahrt durch eine Regennacht, erfährt man im Krankenhaus, dass Johns Sohn bei der Fahrt zum Bahnhof umgekommen ist, seine Frau Rae (Nicole Kidman) schwer verletzt überlebt hat. Eine Rückblende gibt einen ebenso kurzen wie schockierenden Einblick in den Unfall, doch schon in der nächsten Szene sieht man die Mutter und Ehefrau körperlich genesen, aber immer noch schwer traumatisiert.
Um den Verlust des Sohnes zu verarbeiten, unternimmt das Paar mit seiner Yacht eine mehrwöchige Segelreise auf dem Pazifik. Eines Tages sichten sie einen Schoner, der offensichtlich in Seenot geraten ist und von dem sich ihnen ein Mann in einem Ruderboot nähert. Sie nehmen den vermeintlichen Schiffbrüchigen Hughie (Billy Zane) auf, doch weil John dem Fremden misstraut, begibt er sich, während Hughie schläft, mit einem Beiboot auf den Schoner. In Abwesenheit Johns erwacht Hughie aber, übernimmt das Kommando an Bord und entpuppt sich als Psychopath, der Rae terrorisiert und die Rückkehr Johns verhindert.
In gewohnter Manier entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen Rae und Hughie, in dessen Verlauf die vom Verlust ihres Kindes psychisch schwer angeschlagene Frau zunehmend stärker und raffinierter wird, aber bei den Versuchen Hughie zu überwältigen auch immer wieder Rückschläge erlebt. Gleichzeitig muss sie aber auch versuchen, ihren Mann zu retten, der sich auf dem sinkenden Schoner befindet.
Abgesehen von der kurzen Exposition entwickelt der Australier Philip Noyce, der in den 1990er Jahren in den USA mit den Thrillern "Die Stunde der Patrioten" (1992), "Das Kartell" (1994) und "Der Knochenjäger" (1999) Hits landete, ausschließlich mit drei Personen und den beiden Schiffen ein hochspannendes Kammerspiel auf dem endlosen Pazifik. Perfekt spielt Noyce dabei mit dem Gegensatz von Weite des Meeres und klaustrophobischer Enge der Yacht, von der es kein Entkommen gibt.
Aber auch mit der Parallelmontage zwischen Raes Situation und Johns Versuch vom langsam sinkenden Schoner zu entkommen hält Noyce die Spannung hoch. Zum Psychoduell zwischen Hughie, der im Kontrast zur beklemmenden Stimmung Kassetten mit fröhlicher Popmusik abspielt, und Rae kommen dabei auch immer wieder Actionszenen, bei denen sie versucht, den Psychopathen zu überwältigen, aber auch ein Sturm, der bald den Schoner, dann die Yacht bedroht.
Unterstützt wird Noyce von starken Schauspieler:innen. Großartig spielt Billy Zane Hughie als zunächst smarten jungen Mann, hinter dessen Fassade aber bald Abgründe sichtbar werden, während Sam Neill als versierter Seemann, der einfallsreich ums Überleben kämpft, überzeugt. Zentrum des Films ist aber Nicole Kidman, die mit diesem Film den internationalen Durchbruch schaffte. Packend vermittelt sie die Entwicklung der schwer traumatisierten Rae, die sich zunächst nur mit Tabletten über Wasser hält, zur entschlossenen und harten Kämpferin, die auch zu Gewehr und Harpune greift.
Überflüssig ist zwar der finale Schlusskampf, der Noyce nach Fertigstellung des Films vom Weltvertrieb Warner Bros. aufgezwungen wurde, doch davon abgesehen besticht "Todesstille" auch 37 Jahre nach seiner Uraufführung noch als schnörkelloser, minimalistischer Thriller, der im Vergleich zum ähnlich angelegten "Dangerous Animals" (2025) weitgehend ohne blutige Gewaltszenen auskommt, sondern vor allem durch das Psychoduell Hochspannung entwickelt.
An Sprachversionen bieten die bei Plaion Pictures in einem Mediabook erschienene DVD und Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie englische und deutsche Untertitel. Als Extras gibt es den deutschen und englischen Trailer, eine Bildergalerie, eine zweiminütige Würdigung des Films im Rahmen der Reihe "Trailers from Hell" sowie ein 24-seitiges Booklet mit einem Text von Thomas Hohmann.
Trailer zu "Todesstille - Dead Calm"




Kommentare