• Walter Gasperi

Spider-Man: No Way Home


Jon Watts mischt auch im abschließenden Teil seiner "Homecoming"-Trilogie Action und Witz: Spielerisch-leichtes und unterhaltsames Popcorn-Kino, das mit seinen zahlreichen selbstreferentiellen Momenten aber auch vor allem für Fans und Kenner der Serie angelegt ist.


Spider-Man ist wohl der jugendlichste und witzigste Held des ganzen Marvel Cinematic Universe. Das liegt einerseits am Teenager-Alter von Spider-Man / Peter Parker und seinem Image des netten Jungen aus der Nachbarschaft, andererseits an der Leichtigkeit, mit der er mit Spinnenfäden von Wolkenkratzer zu Wolkenkratzer quer durch New York fliegt. Alles wirkt hier leicht und verspielt, auch die Actionszenen sind von Witz und Ironie durchzogen.


Diese Stimmung versprüht "Spider-Man: No Way Home" schon in der Auftaktszene, die direkt an die Enthüllung von Spideys Identität durch den sterbenden Mysterio am Ende von "Spider-Man: Far From Home" anknüpft. Im Flug entreißt Spider-Man (Tom Holland) seine Freundin MJ (Zendaya) der sensationsgierigen Presse und bringt sie auf dem Luftweg nach Hause. Doch ein normales Leben ist für ihn und seine Freude nach der Enttarnung nicht mehr möglich.


Da hetzt nämlich nicht nur der Medienmacher J. Jonah Jameson im Fernsehen gegen den Superhelden mit Vorwürfen von Verbrechen und Selbstjustiz, sondern auch das renommierte MIT (Massachusetts Institute of Technology) lehnt es ab nicht nur Spider-Man / Peter Parker selbst, sondern auch MJ und seinen Freund Ned (Jacob Batalon) aufgrund der jüngsten Vorfälle aufzunehmen. Aus Sorge um seine Freunde bittet der Spinnenmann deshalb Dr. Strange (Benedict Cumberbatch) mit einem Zauberspruch dafür zu sorgen, dass die Menschheit wieder vergisst, wer er ist.


Weil Spider-Man aber Dr. Strange stört, misslingt die Zauberei und Schurken aus alternativen Universen wie Dr. Octopus (Alfred Molina) mit seinen metallenen Tentakeln, der Green Goblin (William Dafoe), Electro (Jamie Foxx) und Sandman (Thomas Haden Church) tauchen in der Gegenwart auf. Bald sind diese zwar eingefangen, doch Spider-Man möchte sie nicht in ihre Welt zurückschicken und töten, sondern heilen. Unterstützung erhält er dabei nicht nur von MJ und Ned, sondern bald tauchen aus Parallelwelten, in denen man die Vorgänger-Filme sehen muss, auch zwei alternative Spider-Man-Versionen (Andrew Garfield und Tobey Maguire) auf.


Mit der leichthändigen Mischung aus Action und Witz, aus dynamischen Szenen und Dialogen, einer emotionalen Sterbeszene, auf die eine Trauerpause folgt, hält Jon Watts den 27. Spielfilm aus dem Marvel Cinematic Universe mühelos auch über fast 150 Minuten am Laufen. Kurzweilige, technisch perfekte Popcorn-Unterhaltung wird so geboten, dass sich hinter der perfekten Verpackung wenig verbirgt, steht auf einem anderen Blatt.


Vor allem aber ist dies ein Film für die Fans der Spider-Man-Serie. Denn jeder der Schurken wird hier ebenso Erinnerungen an frühere Filme wecken wie die alternativen Spider-Man-Versionen Tobey Maguire und Andrew Garfield, die sich zudem an eigene Erlebnisse wie den Verlust ihrer Freundin bzw. von Onkel Ben erinnern.


So funktioniert dieses Spektakel auch für das kundige Publikum als Erinnerungsfilm und ist mit diesen zahlreichen Reminiszenzen unübersehbar als – zumindest vorläufiger – Abschluss dieser Reihe angelegt. Ans Kämpferische tritt dabei auch zunehmend das Versöhnliche, wenn Peter Parker / Spider-Man lernen muss seine Wut zu zügeln und statt Rache und Vernichtung vielmehr der Versuch einer Heilung der fehlgeleiteten Schurken im Zentrum steht.


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Trailer zu "Spider-Man: No Way Home"