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  • AutorenbildWalter Gasperi

Pot-au-feu - La passion de Dodin Bouffant – Geliebte Köchin

Der in Cannes für die beste Regie ausgezeichnete vietnamesisch-französische Regisseur Trần Anh Hùng erzählt in seiner Ende des 19. Jahrhunderts spielenden Literaturverfilmung nicht nur von der Liebe zum Kochen und zum Essen, sondern auch von der Liebe eines berühmten Gourmets zu seiner Köchin: Kulinarisches Kino, das mit seinen Speisen Gaumenfreuden weckt und mit seinen erlesenen Bildern Augenschmaus bereitet, sich aber auch nah am Kitsch bewegt.


Genau ist der Blick auf jeden Handgriff vom Ernten des Gemüses im Garten über dessen Zerschneiden, das Ausnehmen eines Fisches und das Kochen von Eiern, bis dann die delikaten Speisen serviert werden. Detailreich fängt die bewegliche Kamera von Jonathan Ricquebourg das Geschehen in der Küche ein und ein geschmeidiger Schnitt sorgt für Erzählfluss.


Fern sind hier die Zeiten von Thermomixer oder auch nur einem einfachen Mixer, denn alles wird in der im späten 19. Jahrhundert spielenden Verfilmung von Marcel Rouffs 1924 erschienenem Roman "La vie et la passion de Dodin-Bouffant gourmet" in Handarbeit erledigt.


Erstellt werden die ausgefallenen Rezepte und Speisenfolgen vom Hausherrn Dodin Bouffant (Benoît Magimel), der auch als "Napoleon der Gastronomie" bezeichnet wird. Für die Zubereitung der Speisen sorgt dann seit 20 Jahren seine Haushälterin Eugénie (Juliette Binoche). Mehr als nur das Kochen verbindet ihn aber mit ihr, denn nachts besucht er sie auch immer wieder in ihrem Zimmer, sofern sie dieses nicht absperrt.


Gerne würde er sie heiraten, doch seine Anträge lehnt die freiheitsliebende Frau ab. Zudem zeichnet sich bei ihr eine Krankheit ab, wenn sie sich in der Küche niedersetzen muss oder erschöpft unter einem Baum im Garten liegt. Ein Arzt wird hinzugezogen, kann aber keine Krankheitsursache finden. Noch liebevoller kümmert sich Dodin nun um Eugénie und bekocht sie schließlich sogar selbst.


Im Grunde passiert nicht viel in diesem Film, der fast zur Gänze im und um das ländliche Anwesen von Dodin Bouffant spielt. Zentraler Schauplatz ist die Küche und viel Zeit lässt sich Trần Anh Hùng für die Schilderung der Zubereitung der Speisen. Gaumenfreuden weckt er im ausführlichen Blick auf das Zerhacken von Gemüse, das Filetieren und Braten von Fleisch, das Kombinieren der Zutaten und das Würzen. Eine Musterschülerin stellt sich hier mit der jungen Pauline ein, die zahlreiche Zutaten der Speisen schmecken kann und bei Eugénie eine Lehre machen will.


Aber nicht nur die hohe Kunst des Kochens zelebriert Hùng, der bei der Kreation und Zubereitung der Speisen vom Spitzenkoch Pierre Gagnaire unterstützt wurde, sondern auch die Gaumenfreuden, die sie bereiten, wenn er Bouffant mit seinen Freunden die Speisen und den entsprechenden Wein dazu genießen lässt. Ausführlich wird beides vom Gastgeber dabei auch immer wieder erklärt und die Besonderheiten von Speis und Trank betont. Angeregt wird in diesen Szenen auch der Geschmackssinn des Publikums und der Hunger wird geweckt.


Großartig harmonieren dabei die immer wunderbare Juliette Binoche und Benoît Magimel. Sie brilliert als ebenso zurückhaltende wie selbstbewusste und im Grunde ihren Arbeitgeber dominierende Frau, er lässt die Leidenschaft Boffants fürs erlesene Essen ebenso spüren wie seine tiefe, aber nicht ganz erfüllte Liebe zu seiner Köchin.


Freilich muss man diese Kochkünste auch ins richtige Licht rücken. Während der vietnamesisch-französische Regisseur, der mit seinem Debüt "Der Duft der grünen Papaya" 1993 in Cannes die Camera d´Or für den besten Erstlingsfilm und zwei Jahre später mit "Cyclo" in Venedig den Goldenen Löwen gewann, auf Filmmusik verzichtet, schwelgt er in eleganten, in warme Brauntöne und warmes Licht getauchten Bildern. Erst nach einem tragischen Zwischenfall werden die Bilder dunkel und von Schwarz bestimmt, aber auch diese strahlen große Eleganz aus. – Augenschmaus bereiten die Innenszenen dabei ebenso wie die prächtigen, von Grüntönen dominierten Bilder der freien Natur.


Gleichzeitig ist diese Geschichte über die Liebe zum Kochen, zum Essen und auch zu einer Frau in seiner schon geschmäcklerisch schönen Bildsprache aber auch gefährlich nahe am Kitsch. Doch wie der Geschmack und die Eleganz der Speisen und Getränke ist es schließlich auch der Geschmack des Regisseurs, der diesen bildschönen Film, der mit einem großartigen 720 Grad Schwenk durch die Küche und über die vielfältigen Gerätschaften endet und dabei nochmals die Pole Küche und Liebe verbindet, vor dem Absturz in eine Kitschsauce bewahrt.

 

 

Pot-au-feu – La Passion de Dodin Bouffant – Geliebte Köchin Frankreich / Belgien 2023 Regie: Trần Anh Hùng mit: Juliette Binoche, Benoît Magimel, Emmanuel Salinger, Patrick d’Assumçao, Gallatéa Bellugi, Jan Hammenecker, Pierre Gagnaire, Bonnie Chagneau-Ravoire Länge: 135 min.



Läuft derzeit in den Kinos, z.B. im Kinok St. Gallen.


Trailer zu "Pot-au feu - La Passion de Dodin Bouffant - Geliebte Köchin"



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