• Walter Gasperi

Out of Sight

Aktualisiert: 17. Nov 2019


Lässig, cool, leichthändig sind drei Adjektive, mit denen man Steven Soderberghs 1998 entstandene Verfilmung eines Romans von Elmore Leonard beschreiben kann. Bei Studiocanal ist die Krimikomödie, bei der der Amerikaner souverän Liebesfilm, Spannung und Komik mischt, auf DVD und Blu-ray erschienen.


Zwischen Experiment und Mainstream pendelt der inzwischen 56-jährige Steven Soderbergh in seinem Werk. So souverän er zwischen Genres und Erzählweisen wechselt, so sicher changiert er in „Out of Sight“ zwischen den Tonlagen.


Da mag gleich in der Exposition der Serien-Bankräuber Jack Foley wieder einmal zuschlagen, doch nicht nur der lockere Jazz, sondern auch die smarte Vorgangsweise des von George Clooney gespielten Verbrechers sorgt dafür, dass hier keine Thrillerspannung aufkommt, sondern die Szene entspannt und leicht wirkt.


Auch im Gefängnis, in dem Foley bald landet, ist die Atmospäre nicht wie sonst in diesem Milieu beklemmend und trist, sondern - obwohl es teilweise auch gewalttätig zugeht - der Charme Foleys, seine Chuzpe und Gewitztheit sorgen für unbeschwertes Entertainment. Selbst eine Flucht, bei der die Wachen das Feuer auf zwei Häftlinge eröffnen und diese töten, kippt bald ins Komische, wenn Foley mit US-Marshal Karen Sisco (Jennifer Lopez) notgedrungen zusammen in den Kofferraum des Fluchtwagens gesperrt wird.


Auf gegnerischen Seiten mag man stehen, doch auf engstem Raum, unterhält man sich nicht nur über Filme wie „Bonnie and Clyde“, sondern kommt sich unweigerlich auch - nicht nur körperlich - näher. Mehr als für die Flucht interessiert sich Soderbergh hier für die Charaktere und knüpft nicht nur mit dem ungleichen Duo, sondern auch mit den pointierten Dialogen an die klassischen Screwball-Komödien an.


Die Wege der Hüterin des Gesetzes und Foleys mögen sich zwar trennen, doch er kommt nicht von ihr los, während sie hin- und hergerissen ist zwischen ihrer Pflicht und der wachsenden Sympathie für den Bankräuber.


Vom in Goldgelb getauchten, lichtdurchfluteten sommerlichen Florida verlagert sich die Handlung im zweiten Teil des von Kameramann Elliot Davis prächtig fotografierten Films ins stahlblaue, winterlich kalte Detroit. Einen lukrativen Überfall will Foley mit Partner hier durchführen, doch Sisco ist ihm auf den Fersen - freilich nicht nur aus beruflichen Gründen.


Wie drei Jahre später in „Ocean´s Eleven“ und dessen Sequels oder auch 2017 in „Logan Lucky“ erweist sich Soderbergh schon in „Out of Sight“ als souveräner Spieler, der niemandem etwas beweisen muss, und mit einer umwerfenden Leichthändigkeit inszeniert. Komödiantisch ist dabei zwar der Grundton, aber auch auf romantische Szenen verzichtet Soderbergh nicht und das Finale bietet klassisches Spannungskino.


Absurder Witz kommt aber auch beim großen Coup am Ende nicht zu kurz, wenn sich der eine Gangster plötzlich mehr für den Kühlschrank und der andere für den Kleiderschrank des Millionärs als für die Suche nach den Rohdiamanten interessiert. Und auch im Epilog schlägt der Film nochmals eine überraschende Volte.


Nie spürt man die Arbeit, die in dieser Produktion steckt, vielmehr wirkt dieser Krimikomödie so, als ob die Dreharbeiten allen großen Spaß bereitet haben, der sich wiederum auf das Publikum überträgt. Das ist freilich auch den blendend aufgelegten und bestens harmonierenden Schauspielern von George Clooney über Jennifer Lopez bis Don Cheadle und Albert Brooks zu verdanken.


An Sprachversionen bieten die bei Studiocanal erschienene DVD und Blu-ray die englische Originalfassung, zu der deutsche Untertitel zugeschaltet werden können, sowie die deutsche Synchronfassung. Die Extras umfassen neben dem Trailer und dem deutsch untertitelten 25-minütigen Feature „Inside Out of Sight“, das mit Interviews mit Soderbergh, Autor Elmore Leonard, Drehbuchautor Scott Frank und mehreren Schauspielern Einblick in die Produktion des Films bietet, vor allem einen – allerdings nur englischsprachigen – Audiokommentar von Steven Soderbergh.


Trailer zu "Out of Sight"