• Walter Gasperi

Nur noch 72 Stunden - Madigan


72 Stunden gibt der New Yorker Polizeipräsident dem Polizisten Dan Madigan und seinem Kollegen, um einen Gangster zu fassen, der ihnen beim ersten Verhaftungsversuch entkommen ist. – Bei Koch Media ist Don Siegels mit Henry Fonda und Richard Widmark prominent besetzter, 1968 gedrehter Prototyp des modernen Polizeifilms auf Blu-ray erschienen.


In einer Flugaufnahme nähert sich die Kamera dem nächtlichen New York, taucht in die von Neonreklame erleuchteten Straßen ein. Der Wechsel der Straßenzüge und die pulsierende jazzige Musik evozieren den Eindruck einer dynamischen, niemals schlafenden Stadt und mit dem Ende des Vorspanns geht die Nacht in den Tag über.


Ohne Exposition folgt die Kamera den Polizeibeamten Dan Madigan (Richard Widmark) und Rocco Bonaro (Harry Guardino), die den Gangster Barney Benesch in seiner Wohnung verhaften wollen. Doch durch eine Unachtsamkeit der Polizisten kann Benesch entkommen. Polizeipräsident Russell (Henry Fonda) gibt dem Duo 72 Stunden, um Benesch doch noch festzunehmen.


Einerseits folgt Don Siegel in der Folge den beiden Polizisten bei ihrer Suche nach Benesch, andererseits bietet er Einblick in den Alltag des prinzipientreuen und auch gegen sich selbst harten Polizeipräsidenten. Während diesen privat die Affäre mit einer verheirateten Frau belastet, liegt ihm beruflich der Korruptionsverdacht gegen den seit seiner Jugend mit ihm befreundeten Chief Inspector im Magen und auch im Fall eines afroamerikanischen Priesters, der der Polizei Gewaltanwendung beim Verhör seines Sohnes vorwirft, muss er eine Lösung finden. Zudem zeigt Siegel auch noch, wie der intensive Polizeiberuf die Ehe von Madigan belastet.


So zeichnet „Nur noch 72 Stunden“ zwar ein vielschichtiges und realistisches Bild von unterschiedlichen Aspekten des Polizeialltags, wirkt aber auch etwas zerfahren. Nichts wird da wirklich ausgelotet, vieles kurz angeschnitten und der häufige Wechsel zwischen den Erzählsträngen, die sich nur an drei Stellen kurz kreuzen, bricht immer wieder den Spannungsaufbau.


Zumindest teilweise werden diese Schwächen aber wieder durch das starke Spiel von Henry Fonda, der überzeugend die Gewissenskonflikte des Polizeipräsidenten vermittelt, und Richard Widmarks als Polizist, der sich nicht streng an die Regeln hält, sondern auch die Grenzen der Legalität überschreitet, um an Informationen zu kommen, wettgemacht. Stark ist dieser Polizeifilm, der eine Welle auslöste, deren prominentesten Beispiele Norman Jewisons „In the Heat of the Night“ (1967), William Friedkins „French Connection“ (1971) und Don Siegels „Dirty Harry“ (1971) sind, aber auch in der atmosphärisch dichten Verankerung in einem ungeschönt realistischen New York.


An Sprachversionen bietet die bei Koch Media erschienene Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie Untertitel in diesen beiden Sprachen. Die Extras beschränken sich auf eine 17-minütige Super-8-Kurzfassung des Films, den englischen und den deutschen Kinotrailer sowie eine Bildergalerie.