• Walter Gasperi

Memoir of a Murderer


Ein an Alzheimer erkrankter Serienmörder glaubt in einem jungen Polizisten einen anderen Serienmörder zu erkennen, vor dem er seine Tochter beschützen muss. – Der südkoreanische Thriller, der eindrücklich die zunehmende Desorientierung des Protagonisten vermittelt, ist bei Busch Media auf DVD und Blu-ray erschienen.


Die Tochter muss ihren verwirrten Vater Byung-su (Sol Kyung-gu), der nicht mehr weiß, wo er wohnt, vom Polizeirevier abholen. Sie schenkt dem dementen Mann ein Diktiergerät, damit er alles auf Band aufnehmen und so ein bisschen Halt in seinem Leben finden kann.


Von diesem Ausgangspunkt aus lässt Won Shin-yeon seinen Protagonisten sich einerseits an seine frühen Jahre erinnern, andererseits entwickelt er die Handlung aber auch nach vorne. In den Erinnerungen Byung-sus bekommt man so Einblick in die Gewalttätigkeit seines Vaters, die ihn schließlich zum Gegenschlag ausholen ließ.


Doch bei diesem einen Mord blieb es nicht, vielmehr ermordete Byung-su in der Folge alle Menschen, die er aufgrund ihrer Taten für Abschaum hielt. Erst nach einem schweren Autounfall zog sich der Tierarzt vor 17 Jahren zurück und widmete sich ganz der Erziehung seiner Tochter.


Gleichzeitig löst eine nach diesem Unfall nicht behandelte Hirnverletzung nun die Demenz aus. Als er bei einem Auffahrunfall in einem Polizisten den Serienmörder zu entdecken glaubt, der aktuell von der Polizei gesucht wird, meldet er seinen Verdacht der Polizei. Diese glaubt ihm freilich nicht, während der Mörder ihm seinerseits zusetzt, nicht nur seine Kollegen auf die alten Morde aufmerksam macht, sondern auch mit Byung-sus Tochter anbandelt und mit deren Ermordung droht.


Mit dem Wechsel zwischen klaren Momenten Byung-sus und völliger Verwirrtheit setzt Shin-yeon auch den Zuschauer in einen Zustand, in dem er Einbildung und Realität zunehmend schwerer unterscheiden kann. Bald taucht so Byung-sus in einem Kloster lebende Schwester auf, die die Tochter für einige Tage aufnehmen soll. Wenig später erfährt man aber, dass diese Schwester schon vor Jahren gestorben ist – und sieht dies auch in einer Rückblende.


Obwohl Byung Sus Demenz fortschreitet, macht er es sich zur Hauptaufgabe und zum letzten Lebensinhalt, seine Tochter vor dem jungen Mann, der mit seinem kindlichen Gesicht so harmlos wirkt, zu beschützen. Doch immer wieder übermannt ihn dabei das Vergessen, sodass er von einem Moment zum anderen nicht mehr weiß, was er von seinem Gegenüber wollte, bis die Konfrontation in einem dramatischen Showdown in einer abgelegenen Hütte kulminiert.


Getragen vom starken Sol Kyung-gu in der Hauptrolle entwickelt sich so ein durchaus spannender Thriller, der auch mit visuell eindrücklichen Szenen wie dem wiederholt in Zeitlupe ins Bild gerückten traumatischen Autounfall Byung-sus oder einer Verfolgungsjagd durch einsame Landschaft punkten kann. Zur Konfrontation zwischen den beiden Kontrahenten, die routiniert und spannend inszeniert ist, sich aber auch in den Genrekonventionen bewegt, kommt als besonderer Aspekt die intensive, aber auch fragile Vater-Tochter-Beziehung.


Deses Pendeln zwischen den Themen Serienkiller, Demenz und Vater-Tochter-Beziehung sorgt aber auch dafür, dass "Memoir of a Murderer" eine klare Stoßrichtung und Fokussierung fehlt. Denn da wird einerseits die Situation des Dementen mehr als Aufhänger für die Story und Mittel für Twists und zur Verunsicherung des Publikums benützt, als dessen psychische Verfassung wirklich auszuloten. Andererseits bleibt auch jeder gesellschaftliche Hintergrund völlig ausgespart, sodass insgesamt das Potential des Stoffes nicht ausgeschöpft wird.


An Sprachversionen bieten die bei Busch Media Group erschienene DVD und Blu-ray die koreanische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie deutsche Untertitel. Die Extras beschränken sich auf Trailer zu weiteren Titeln dieses Labels.


Erhältlich ist der Film auch wieder in einem limitierten Mediabook, das auf einer Extra-Blu-ray den längeren Director´s Cut anbietet. Bei dieser Fassung verläuft die Handlung teilweise etwas anders.


Trailer zu "Memoir of a Murderer"