• Walter Gasperi

Major Dundee

Aktualisiert: Feb 5


Groß angelegt hatte Sam Peckinpah die Geschichte um einen Major, der 1864 einen Rachefeldzug gegen Apachen startet, doch vom Studio wurde der Film umgeschnitten und gekürzt. Bei Koch Media ist dieser trotz der Verstümmelung in seiner Schonungslosigkeit und Ambivalenz immer noch beeindruckende Western in einem Mediabook in der Kinofassung und einer 14 Minuten längeren Version mit informativen Extras auf Blu-ray erschienen.


Nach dem Erfolg von „Ride the High Country“ („Sacramento“, 1962) erhielt Sam Peckinpah für seinen nächsten Western ein größeres Budget. Als Epos im Stil von „Lawrence of Arabia“ legte er „Major Dundee“ an, doch noch vor Drehbeginn wurde das Budget wieder gekürzt. Statt des geplanten großen Films, sollte Peckinpah nur einen billigen Durchschnittswestern drehen. Peckinpah beachtete die neuen Vorgaben aber nicht, sondern arbeitete unbeirrt an seinem ursprünglichen Projekt weiter.


Kam es deswegen schon während der Dreharbeiten in Mexiko zu heftigen Meinungsverschiedenheiten, so wurde das Projekt nach Drehschluss vom Produzenten Jerry Bresler dem Regisseur entzogen, umgeschnitten und gekürzt. So fehlt, wie Glenn Erickson in seinem hervorragenden Audiokommentar anhand des originalen Drehbuchs darlegt, schon die zehnminütige Exposition und die Bilder von einem Massaker durch die Indianer werden nun völlig unpassend von einem fröhlichen Marschlied begleitet.


Schauplatz der Handlung ist New Mexico. Während an anderen Orten der USA 1864 noch der Bürgerkrieg tobt, kommandiert hier Major Dundee (Charlton Heston) ein Kriegsgefangenenlager mit Südstaatlern. Um die beim Überfall von Apachenhäuptling Sierra Charriba und seinen Leuten entführten Kinder zu befreien, stellt Dundee eine höchst inhomogene Truppe aus afroamerikanischen Soldaten, Zivilisten und gefangenen Südstaatlern zusammen.


Mehr als die Verfolgung der Indianer stehen so zunächst die Spannungen innerhalb der Truppe im Zentrum, zu denen auch noch ein persönlicher Konflikt zwischen Dundee und dem Südstaatler Captain Tyreen (Richard Harris), mit dem Dundee einst befreundet war, kommt.


Meisterhaft verankert Kameramann Sam Leavitt den in Panavision gedrehten Western in der Halbwüste New Mexicos und hebt sich auch dadurch von früheren Western ab, dass hier Grausamkeiten drastisch gezeigt werden. Die für die Filme Peckinpahs typischen Zeitlupenaufnahmen fehlen allerdings - vielleicht auch aufgrund der Eingriffe Breslers.


Eine klassische Peckinpah-Figur ist Dundee. Er wird nicht als Held gezeichnet, sondern scheint das riskante Unternehmen in erster Linie zu starten, um sich bei höheren Stellen für eine Beförderung zu empfehlen. Deutliche Parallelen weist diese Figur mit dem General in „Die glorreichen Reiter“ auf, zu dem Peckinpah das Drehbuch schrieb, den er aber nach den Differenzen bei „Major Dundee“ nicht selbst inszenieren durfte.


Es bleibt aber nicht beim unglamourösen und realistischen Blick aufs Militär, sondern wenn Dundee mit seinen Leuten Charriba über den Rio Grande nach Mexiko verfolgt, beabsichtigt Peckinpah damit wohl auch eine Kritik an den militärischen Interventionen der USA speziell in Lateinamerika.


Zur Grausamkeit der Indianer kommt hier die Brutalität der französischen Truppen, die den Habsburger Maximilian an die Macht bringen wollen und dabei Dörfer plündern und Bewohner ermorden. Bissig wird die angebliche Zivilisiertheit der Europäer kritisiert und aufgezeigt, wie die Opfer jedes Krieges die Zivilbevölkerung ist.


Aus der Bahn wirft den bis dahin packenden Film allerdings der Auftritt Senta Bergers als Wiener Witwe eines mexikanischen Arztes. Weder passt ihr gepflegtes Auftreten in diesen sonst schmutzigen Film noch sind die Liebesgeplänkel und die lyrischen Momente, die sich dabei entwickeln, glaubwürdig. Erst als wieder die Auseinandersetzungen mit Indianern und Franzosen ins Zentrum rücken gewinnt „Major Dundee“ wieder die Dichte und Durchschlagskraft der ersten Stunde.

An Sprachversionen bietet das bei Koch Media erschienene Mediabook die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie Untertitel in diesen beiden Sprachen. Neben der 122-minütigen Kinofassung wird auf einer zweiten Blu-ray die teilweise rekonstruierte 136-minütige Fassung angeboten, bei der die ergänzten Szenen deutsch untertitelt sind.


An Extras gibt es neben Trailer, Bildergalerie und isolierter Musikspur ein Featurette über Stunt-Aufnahmen zum Sturz von Pferden sowie Mike Siegels 75-minütiges Feature „Passion & Poetry“, in dem anhand von Interviews mit Schauspielern wie Senta Berger, Mario Adorf und James Coburn Einblick in die Dreharbeiten von „Major Dundee“ geboten wird.


Prunkstück der Extras sind aber zwei Audiokommentare. Nicht zu bremsen ist da beim einen Glenn Erickson, der eindrücklich und faktenreich die vielfältigen Veränderungen durch den Produzenten Jerry Bresler herausarbeitet, aber auch die drei Peckinpah-Biographen Paul Seydor, Garner Simmons und David Weddle liefern in einem zweiten Audiokommentar vielfältige Hintergrundinformationen. Abgerundet werden die Extras durch ein Booklet mit zahlreichen Bildern sowie zwei Texten von Erickson zu dem Film, der in seiner ursprünglich intendierten Fassung vielleicht ein großes Meisterwerk geworden wäre.


Trailer zu "Major Dundee"