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  • AutorenbildWalter Gasperi

Leoparden küsst man nicht – Bringing Up Baby


(c) Film- und Fernsehjuwelen

Cary Grant als weltfremder Paläontologe, Katharine Hepburn als exzentrische junge Frau aus der Oberschicht. – Aus der Reibung dieses Duos sowie mit mehreren herrlich skurrilen Nebenfiguren und einem zahmen Leoparden entwickelte Howard Hawks 1938 einen der großen, zeitlosen Klassiker der US-Komödie. Bei Filmjuwelen ist das Meisterwerk mit umfangreichem Bonusmaterial auf DVD und Blu-ray erschienen ist.


Mindestens 20 Prozent schneller als die Filme seiner Kollegen seien seine eigenen Arbeiten, erklärte Howard Hawks (1896 – 1976) immer wieder. Ein Musterbeispiel für diese Rasanz ist seine 1938 entstandene Komödie "Leoparden küsst man nicht - Bringing Up Baby".


Slapstick und grandioser Wortwitz fügen sich hier zu einer mitreißenden Einheit. Überlappende Dialoge, aber auch die immer wieder hektisch agierenden und rennenden Protagonist:innen lassen keinen Moment des Stillstands aufkommen.


Dabei beginnt es doch ganz ruhig in einem Naturkundlichen Museum mit dem über die Position eines Dinosaurier-Knochens sinnierenden Paläontologen David Huxley (Cary Grant). Fast fertig ist die Rekonstruktion des mächtigen Skeletts. Das letzte Puzzle-Teilchen wurde soeben bei einer Grabung in Form eines Knochens gefunden und soll bald eintreffen. Zum beruflichen Erfolg kommt auf privater Seite die bevorstehende Hochzeit mit seiner Assistentin. Diese macht David aber auch gleich klar, dass die Arbeit über alles geht, der Brontosaurier ihr Kind sein werde und sie keine Zeit für Flitterwochen haben werden.


Weil es aber dem Museum an Geld fehlt, soll Huxley sich um einen Anwalt bemühen, dessen reiche Klientin eine Spende von einer Million Dollar in Aussicht gestellt hat. Doch beim Treffen mit diesem Anwalt auf dem Golfplatz wird David von der exzentrischen Susan (Katharine Hepburn) abgelenkt. Als sie auch noch sein Auto demoliert, will er möglichst nichts mehr mit ihr zu tun haben. Doch bei einer Abendveranstaltung treffen sie sich wieder. Während er vor ihr fliehen will, heftet sie sich an seine Fersen.


Bald muss er sich so auch noch um einen zahmen Leoparden namens Baby kümmern, den Susans Bruder von einer Expedition geschickt hat. Zudem verbuddelt der Hund von Susans Tante im weitläufigen Garten den wertvollen Saurierknochen, der soeben per Post geliefert wurde, und dann entkommt auch noch ein zweiter, nicht so zahmer Leopard aus einem Zirkus.


Je mehr freilich der weltfremde Paläontologe versucht, Ordnung zu schaffen, desto mehr verursacht er Chaos bei seinen Versuchen den Wirbelwind Susan zu stoppen. Da zerreißt sie ihm zwar auf der Abendgesellschaft versehentlich seinen Frack, doch er entkleidet sie fast, als er auf ihr langes Kleid steht. Herrlich aus dem Ruder läuft aber auch ein Essen im Landhaus von Susans millionenschwerer Tante und auch die Suche nach dem entflohenen Leoparden führt zu aberwitzigen Szenen.


In langen Einstellungen lässt Howard Hawks den groß aufspielenden Cary Grant und Katharine Hepburn viel Raum zur Improvisation. Atemberaubend schnell sind die Dialoge, die vor Wortwitz und brillanten Wortspielen sprühen, und meisterhaft versteht es Hawks in jeder Szene auf eine Pointe immer noch eins drauf zu setzen.


Aber nicht nur von diesem hinreißenden Duo lebt dieser zeitlose Klassiker, sondern auch von seinen originellen Nebenfiguren wie dem stocksteifen Anwalt, einem bewusst klischeehaft angelegten Psychiater, einem skurrilen Großwildjäger, der die biedere Tante Susans umwirbt, einem unfähigen Sheriff und einem trinkfreudigen Hausangestellten.


Leichthändig verbindet Hawks die Haupthandlung um David und Susan mit diesen Nebenfiguren und erzählt vor allem auch mit einer solchen Selbstverständlichkeit, dass man die haarsträubende Geschichte ohne Zögern akzeptiert. Ein Meisterstück der Konstruktion ist dabei nicht nur, wie in den Szenen ein Detail ins andere greift, sondern auch, wie sich die Handlung bis zum furiosen Finale, in dem in einem Gefängnis alle Figuren zusammengeführt werden, steigert.


Fürs Publikum der späten 1930er Jahre war diese Komödie, bei der Hawks auch lustvoll mit Geschlechterrollen spielt und Grant wie später in "I Was a Male War Bride" (1948) auch in Frauenkleider stecken konnte, in ihrer Rasanz und Exzentrik aber wohl zu viel. Denn an der Kasse fiel "Leoparden küsst man nicht" durch, gilt aber inzwischen längst als eines der großen Meisterwerke der US-Komödie. Auch 85 Jahre nach seiner Uraufführung besticht dieser Klassiker immer noch mit seiner bestechend ökonomischen Erzählweise, seinem Tempo und einer Pointendichte, an der sich auch heutige Komödienregisseure ein Beispiel nehmen sollten.


An Sprachversionen verfügen die bei Film- und Fernsehjuwelen erschienene DVD und Blu-ray über die englische Original- und die deutsche Synchronfassung, deutsche Untertitel und englische Untertitel sowie eine deutsche Audiodeskription. Die in der deutschen Kinofassung geschnittenen acht Minuten wurden dabei in Originalsprache mit deutschen Untertiteln wieder eingefügt.


Die Extras umfassen neben dem deutschen und dem originalen Kinotrailer ein 36-minütiges Audiointerview mit Cary Grant, das allgemein um die Schauspielkunst kreist, und ein 15-minütiges Audiointerview von Peter Bogdanovich mit Howard Hawks, das sich ganz auf "Leoparden küsst man nicht" konzentriert. Beide Interviews verfügen über deutsche Untertitel.


Dazu kommt Hans Christoph Blumenbergs sehr informativer und empathischer, deutsch gesprochener Dokumentarfilm "Howard Hawks – Ein verdammt gutes Leben" (1977/78), der in 57 Minuten, unterteilt in 19 Kapitel wie "Freundschaft", "Geschichtenerzähler", "Schauspieler", "Stil" oder "Landschaft", in Interviews mit Howard Hawks – aber ohne Filmausschnitte – ein eindrückliches Bild von Persönlichkeit, Schaffen und filmischem Selbstverständnis dieses Meisters des klassischen Hollywoodkinos vermittelt.


Aber auch zwei Audiokommentare fehlen nicht. Während Rolf Giesen nur punktuell auf Filmszenen eingeht, dafür ausführlich über die Entwicklung des Drehbuchs, die Biographie und Karriere der Hauptdarsteller:innen Cary Grant und Katharine Hepburn sowie von Regisseur Howard Hawks spricht, orientiert sich Peter Bogdanovich, der selbst mit "Is was, Doc" 1972 eine Hommage an Hawks´ Meisterwerk drehte, in seinem Audiokommentar stärker an den konkreten Filmszenen. Weitere Informationen über die Entwicklung des Drehbuchs und die Mitarbeiter:innen hinter und vor der Kamera liefert das Booklet von Oliver Bayan, das auch einige Pressestimmen enthält.



Trailer zu "Leoparden küsst man nicht - Bringing Up Baby"




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