• Walter Gasperi

Le bonheur des uns ...


Die Beziehung zweier befreundeter Pariser Paare verändert sich, als der überraschende Erfolg Léas als Schriftstellerin bei den anderen Eifersucht und Neid auslöst. – Getragen von einem vorzüglichen Schauspieler*innen-Quartett gelang Daniel Cohen eine leichthändige, typisch französische Komödie.


Glücklich ist die Mittdreißigerin Léa (Bérénice Bejo) mit ihrem Leben als Verkäuferin in einer Modeboutique in einem Pariser Shoppingcenter und in ihrer Ehe mit Marc (Vincent Cassel), der auf eine Beförderung in seinem Beruf in der Aluminiumindustrie hofft. Kein Problem ist es für sie, dass sie ihr dominanter Mann immer wieder von oben herab behandelt und ihr Unentschlossenheit und Unsicherheit vorwirft. Gegenpol zu Léa und Marc ist das befreundete Paar Karine (Florence Foresti) und Francis (François Damiens), denn hier ist die Frau die treibende Kraft und der gutmütige Francis richtet sich nach ihrem Willen.


Als die zurückhaltende Léa bei einem gemeinsamen Abendessen in einem Restaurant erklärt, dass sie an einem Roman schreibe, sind alle ziemlich überrascht, fühlen sich aber gleichzeitig herausgefordert. Noch mehr glaubt jetzt Marc durch einen Sprung auf der Karriereleiter seine Überlegenheit beweisen zu müssen, Karine dagegen, die sich für literarisch ungleich begabter als Léa hält, beginnt auch selbst zu schreiben, während Immobilienmakler Francis sich plötzlich zum Komponieren berufen fühlt.


Als zur Überraschung aller dann auch noch Léas Roman von einem renommierten Verlag publiziert wird, sie ins Fernsehen eingeladen wird und sich das Buch zum Bestseller entwickelt, stellen sich vor allem bei Marc und Karine Neid, Eifersucht und Minderwertigkeitskomplexe ein, an denen Ehe und Freundschaft zu zerbrechen drohen.


Unbedingt sich selbst und dem neuen Literatur-Star beweisen will sich das Trio, noch wichtiger wird für Marc so die Beförderung und während sich Francis nach Scheitern ihrer schriftstellerischen Pläne im Marathonlauf versucht, probiert es Francis bald als Bildhauer, dann als Bonsai-Züchter und schließlich entdeckt er seine Leidenschaft fürs Kochen. Die Risse in den Beziehungen scheinen sich freilich nicht mehr kitten zu lassen.


Schwungvoll und rund erzählt Daniel Cohen, der bei der Verfilmung seines Theaterstücks "L’Île flottante" nicht nur für Regie und Drehbuch verantwortlich zeichnet, sondern auch selbst die Rolle von Léas Chef in der Modeboutique spielt, wie Erfolg und das Glück der einen bei den anderen Neid und Eifersucht wecken und Beziehungen zerbrechen lassen.


Wirklich Neues wird hier kaum geboten, aber die schnellen und geschliffenen Dialoge, ein Blick für die Charaktere und vor allem ein lustvoll aufspielendes Schauspieler*innenquartett sorgen dafür, dass diese typisch französische Komödie dennoch niveauvoll unterhält und treffenden Einblick in menschliche Verhaltensweisen bietet. Bestens harmonieren Vincent Cassel als Alphamännchen Marc, der nicht damit fertig wird, dass seine Frau erfolgreicher ist als er selbst, und Bérénice Bejo als zurückhaltende Verkäuferin, die gar nichts großes anstrebt, sondern den Erfolg einfach nimmt wie er kommt. Großartig sind aber auch Florence Foresti als ehrgeizige Karine, die keinesfalls hinter ihrer Freundin zurückstehen will, und François Damiens als ihr gutmütiger Partner, der immer wieder versucht, seine Frau einzubremsen und die Freundschaft zu retten.


Rund schließt Cohen "Le bonheur de uns…" auch mit der Rückkehr zur Eröffnungsszene und lässt seine Komödie nachdenklich und ernst enden, wenn sich die Trauer über das Zerbrechen der Beziehungen über das Glück des beruflichen Erfolg legt.


Läuft derzeit in den Schweizer Kinos, z.B. im Kinok St. Gallen


Trailer zu "Le bonheur des uns ..."