• Walter Gasperi

Jason und die Argonauten

Aktualisiert: März 31


Auf der Suche nach dem Goldenen Vlies müssen der griechische Held Jason und seine Gefährten zahlreiche Gefahren bestehen. – Don Chaffeys Fantasyfilm, der auch fast 60 Jahre nach seiner Uraufführung dank der brillanten Stop-Motion-Tricktechnik von Ray Harryhausen immer noch prächtige Unterhaltung bietet, ist bei Explosive Media (Vertrieb: Koch Films) mit vielfältigem Bonus-Material auf Blu-ray erschienen.


Die Attraktion dieses Films sind zweifellos die Kreaturen, die Ray Harryhausen schuf und denen er mit Stop-Motion-Technik Leben einhauchte. Ganz ohne Computeranimation musste der Amerikaner, der 1992 einen Oscar für sein Lebenswerk erhielt, auskommen, doch gerade diese Handarbeit verleiht "Jason und die Argonauten" zeitlosen Charme.


Geradlinig erzählt Don Chaffey die Geschichte von Jason, der als Baby der Ermordung durch König Pelias entkommt, und 20 Jahre später an den Hof des Königs zurückkehrt, um sich zu rächen, diesen aber nicht erkennt und von ihm ausgeschickt wird, um das Goldene Vlies zu beschaffen. Unterstützt wird Jason dabei von der Göttin Hera, denn originell baut Chaffey die Götterwelt auf einer zweiten Ebene ein. Wie mit Schachfiguren spielen diese vom Olymp aus mit den Menschen.


Auf der Fahrt mit der nach dem Schiffsbauer benannten Argo ins weit entfernte Kolchis, kann sich Harryhausen richtig austoben. Da werden die Griechen zunächst auf einer Insel vom riesigen Bronzemann Talos bedroht, dann müssen sie den blinden Seher Phineus von den aus Frauenkopf und Vogelkörper bestehenden Harpyen befreien. Phineas weist ihnen dafür den Weg nach Kolchis, auf dem sie auch noch eine Meerenge durchqueren müssen, die sich bei Durchfahrt eines Schiffes verengt und dieses zerstört.


Auf Kolchis schließlich will König Aietes das Goldene Vlies natürlich nicht herausgeben. Stellt er im Mythos Jason drei Aufgaben als Bedingung, um das Vlies zu erhalten, so will der Grieche es im Film mit Hilfe der Priesterin Medea rauben, muss dabei aber mit einer siebenköpfigen Hydra, die das Vlies bewacht, kämpfen. Ausgestanden sind die Gefahren auch danach nicht, denn Aietes setzt aus Drachenzähnen entstandene eiserne Skelette auf die Griechen an.


Viel Augenfutter und großzügiges Spektakel bietet der 1963 gedrehte Fantasyfilm. Mit Liebe zum Detail und viel Sorgfalt sind vor allem die Trickszenen inszeniert, gekonnt spielt Chaffey auch mit den Größenverhältnissen, bei denen die Menschen gegenüber den Göttern, aber auch gegenüber dem Bronzemann Talos winzig wirken und ihnen hilflos ausgeliefert scheinen.


Hinnehmen muss man dafür freilich, dass die Figurenzeichnung blass bleibt, auch Jason nicht zu einem schillernden Charakter aus Fleisch und Blut wird und sich Chaffey ganz auf oberflächliche Effekte konzentriert. Flott treibt er zwar die Handlung voran, bietet aber mehr einen großen Bilderbogen, bei dem sich eine spektakuläre Szene an die andere reiht, als konsequente Spannungssteigerung.


Unabgeschlossen endet der Film, der in der Gegend von Neapel und bei den Tempeln von Paestum gedreht wurde, mit der Flucht aus Kolchis. Geradezu angelegt scheint dieses Ende auf eine Fortsetzung, denn die Abrechnung mit Pelias fehlt hier ebenso wie die weitere Geschichte Medeas.


Gerade der Vergleich mit der sich anschließenden Geschichte der kolchischen Priesterin und – zumindest im Mythos – Königstochter ist interessant. Während "Jason und die Argonauten" nämlich ein reiner, sichtlich von den Irrfahrten des Odysseus inspirierter Männerfilm ist, steht bei "Medea" die Frau im Zentrum und der äußeren Action in diesem Film steht das innere Drama, in der von Euripides geschaffenen klassischen Tragödie um die von Jason betrogene Kindsmörderin im Mittelpunkt. – Für Harryhausen und das amerikanische Spektakelkino hätte diese Geschichte um Medea wohl nur wenig geboten, kein Wunder also, dass sich ihrer vor allem europäische Arthouse-Regisseure wie Pier Paolo Pasolini oder Lars von Trier annahmen.


An Sprachversionen bietet die bei Explosive Media (Vertrieb: Koch Films) erschienene Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie Untertitel in diesen beiden Sprachen. Die Extras umfassen – jeweils deutsch untertitelt – ein zehnminütiges Interview von John Landis mit Ray Harryhausen, ein 15-minütiges Feature "Hinter den Kulissen", das Einblick in Leben und Schaffen des Tricktechnikers bietet, sowie ein 25-minütiges Feature mit Interviews mit zahlreichen Visual Effect-Künstlern, die über ihre Begeisterung für und Beeinflussung durch Harryhausen berichten.


Dazu kommt nochmals ein 25-minütiges Feature über Leben und Schaffen des Filmmusikkomponisten Bernard Herrmann sowie – allerdings nur englisch – zwei Audiokommentare: einer von Ray Harryhausen sowie ein zweiter von Peter Jackson, der sich bei den Spezialeffekten der "Herr der Ringe"-Trilogie auf Harryhausen berief.


Trailer zu "Jason und die Argonauten"