• Walter Gasperi

Italienisch für Anfänger


Lone Scherfig führt mit sicherer Hand sechs Durchschnittsbürger, die unter Einsamkeit und Verlusterfahrungen leiden, bei einem Italienischkurs zusammen und lässt sie langsam aufblühen. Bei Studiocanal ist der bittersüße Dogma-Film aus dem Jahr 2000 auf DVD erschienen.


So einfach ist im Prinzip das Rezept der dänischen Dogma 95-Filme und so großartig kann ihre Wirkung sein: die Geschichte ist aus dem Leben gegriffen und unspektakulär, aber von unverbrauchten Schauspieler*innen gespielte Durchschnittsmenschen schaffen emotionale Nähe. Unruhige Handkamera, Verzicht auf künstliches Licht und Originalschauplätze sorgen für einen dokumentarisch-authentischen Look.


Pastor Andreas (Anders W. Berthelsen), der vor kurzem seine Frau verloren hat, tritt eine neue Stelle in einer Kopenhagener Vorstadt an und trifft dabei auf seinen verbitterten Vorgänger, der nach dem Tod seiner Frau den Glauben verloren hat. Äußerst spärlich ist der Besuch bei der Messe, mehr Interesse findet da schon ein Italienischkurs. Doch auch dieser droht aufgrund zu geringer Teilnehmerzahl eingestellt zu werden.


Für den unbeholfenen und introvertierten Hotelportier Jørgen (Peter Gantzler) dient der Besuch des Kurses mehr einer Flucht aus der Einsamkeit als dem Erlernen der Sprache. Mit ihm kommt der Kellner Hal-Finn (Lars Kaalund), der schon ganz gut Italienisch kann, aber aufgrund seines rüden Umgangs mit den Gästen des Stadionrestaurants seinen Job verliert. Die tollpatschige Bäckereiverkäuferin Olympia (Anette Støvelbæk) wiederum wird von ihrem Vater gedemütigt, während die Friseuse Karen (Ann Eleonora Jørgensen) sich um ihre alkohol- und krebskranke Mutter kümmert, auch wenn diese sie immer wieder beschimpft. Und dann gibt es noch die italienische Kellnerin Giulia (Sandra Indrio Jensen), die sich für Jørgen interessiert, während dieser sie nicht zu beachten scheint.


Gibt es zunächst kaum Berührungspunkte zwischen diesen Figuren, führt sie Lone Scherfig wunderbar leichthändig und selbstverständlich langsam zusammen. Einfühlsam ist ihr Blick auf die vom Leben geschlagenen Charaktere. Einsamkeit und Frust bestimmen zunächst ihren Alltag. Bald kommen noch Todesfälle dazu, doch diese ziehen Olympia und Karen nicht weiter hinunter, sondern lassen sie vielmehr mit neuen Erkenntnissen aufblühen.


Langsam wächst so nicht nur die Teilnehmerzahl des Italienischkurses, sondern auch das Grüppchen wächst zusammen, Freundschaften entwickeln sich, Paare bilden sich und von Dänemark geht es schließlich nach Venedig, wo auch erstmals Filmmusik einsetzt.


Ein kleiner Film ist "Italienisch für Anfänger" im Grunde, aber ein Film mit einem großen Herz, der vom ebenso genauen wie mitfühlenden Blick auf die Menschen und der sicheren Balance von Witz und Drama lebt. Im Grunde passiert nichts Spektakuläres, aber weil Scherfig ganz nah am Leben ist und die existentiellen Themen Glaube, Verlust, Einsamkeit, Trauer und Sehnsucht nach Glück anspricht, lässt sie die Zuschauer*innen bei dieser bittersüßen Tragikomödie mit den Figuren mitleiden und sich über deren Entwicklung mitfreuen. Weil dies so echt und natürlich wirkt, stört auch nicht, der – für einen Dogma-Film eher ungewöhnliche – Hang zum allzu Runden und Harmonischen, denn man gönnt diesen Menschen ihr Glück von Herzen.


An Sprachversionen bieten die bei Studiocanal erschienene DVD die dänische Originalfassung, zu der deutsche Untertitel zugeschaltet werden können, und die deutsche Synchronfassung. Die Extras umfassen ein kurzes, deutsch untertiteltes Interview mit Lone Scherfig, Textinformationen zu den Darsteller*innen und Dogma 95 sowie nicht verwendete Szenen, den deutschen und den dänischen Trailer und eine Bildergalerie.


Trailer zu "Italienisch für Anfänger"