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Godzilla Minus Zero

Autorenbild: Walter Gasperi
Walter Gasperi
vor 10 Stunden
3 Min. Lesezeit
"Godzilla Minus Zero": Packender Mix aus spektakulärem Monsterkino und melodramatischer Familiengeschichte
"Godzilla Minus Zero": Packender Mix aus spektakulärem Monsterkino und melodramatischer Familiengeschichte

Zwei Jahre nach der scheinbaren Vernichtung der Riesenechse Godzilla droht Japan 1949 durch den Flugdrachen Ghidorah erneut Vernichtung: Takashi Yamazaki verbindet spektakuläres, bildmächtiges Monsterkino mit einer melodramatischen Familiengeschichte und lässt überall Kriegstraumata durchbrechen.


Vor drei Jahren gelang Takashi Yamazaki mit dem angeblich nur für 10 bis 15 Millionen Dollar gedrehten "Godzilla Minus One" ein Sensationserfolg, der auch mit dem Oscar für die besten visuellen Effekte ausgezeichnet wurde. Spielte damals der Zweite Weltkrieg noch direkt herein, so könnte man meinen, dass Japan sich 1949 schon wieder im Aufbau befindet.


Doch "Godzilla Minus Zero", dessen geschätztes Budget von 20 bis 30 Millionen Dollar immer noch weit unter dem von US-Blockbustern liegt, setzt unvermittelt mit flüchtenden Menschen und der Zerstörung von Häusern ein, bis bald der Flugdrache Ghidorah sichtbar wird. Mitreißend ist dieser Auftakt, bei dem niemand und nichts in der Stadt Matsumoto vor dem Ungeheuer sicher zu sein scheint.


In Tokio arbeitet währenddessen die Katastrophenschutzbehörde unter der Leitung von Dr. Noda (Hidetaka Yoshioka) fieberhaft an einer Möglichkeit der Bekämpfung Ghidorahs. Direkt an "Godzilla Minus One" knüpft dieses Sequel nicht nur mit Noda an, sondern auch die anderen damaligen Protagonist:innen vom Wissenschaftler Murakami (Min Tanaka) bis zu dem Piloten Koichi (Ryunosuke Kamiki), der sich im ersten Teil vom Deserteur zum Helden entwickelte, seine Frau Noriko (Minami Hamabe) und deren kleine Adoptivtochter Akiko (Sae Nagatani) stehen im Zentrum.


Vor allem über diese Patchworkfamilie kommt der menschliche Faktor und viel Melodramatik in dieses Spektakelkino. Denn bald holt Noda den herausragenden Piloten Koichi in sein Team. Doch als auch Noriko eine ebenso wichtige wie gefährliche Aufgabe bei der Rettung Japans spielen soll, steht die Kleinfamilie im moralischen Dilemma zwischen Sorge um das private Glück und Einsatz für das Gemeinwohl. Für zu Tränen rührenden Momenten sorgt dabei vor allem die kleine Akiko, die zunehmend Angst hat, ihre Eltern zu verlieren.


Zu dieser Zerrissenheit kommen schwere Traumata bei anderen Figuren. Da wird Noda von Schuldgefühlen wegen seiner Tätigkeit in der Kriegsindustrie während des Zweiten Weltkriegs verfolgt, während Murakami sich in einem erschütternden Alptraum an den Atombombenabwurf auf Hiroshima erinnert, bei dem er seine ganze Familie verloren hat.


Während seine Rachevision an den Amerikanern in einem apokalyptischen Traum visualisiert wird, hält sich Yamazaki mit Monsterszenen in der Haupthandlung sehr zurück. Geschickt wechselt er zwischen Spektakel und ruhigen emotionalen Momenten, lässt auf die Zerstörungsorgie am Beginn lange und von Dialogen bestimmte Planungen für den Kampf gegen Ghidora folgen, ehe in einem atemberaubenden Luftkampf der Flugdrache besiegt werden soll.


Prächtig animiert ist dieses Monster und mitten drin ist man hier im Geschehen. Ihre volle Wirkung entfalten diese Szenen aber nur auf der großen Kinoleinwand und mit IMAX-Tonkulisse. Wie abzusehen misslingt dieser erste Angriff auf Ghidora aber nicht nur, sondern stärkt auch noch das Monster, das sich physisch weiterentwickelt und damit für zusätzliches Augenfutter sorgt. Doch auch die vermeintlich tote Riesenechse Godzilla taucht nach knapp einer Filmstunde wieder aus dem Meer auf.


Etwas enttäuschend fällt der Schlusskampf aus, bei dem einerseits nur noch Zerstörungswut dominiert, aber der Feinschliff fehlt, andererseits schon zum Lächerlichen tendiert, wie schnell die menschlichen Figuren nach schwersten Angriffen immer wieder nahezu unverletzt aufstehen. Doch davon abgesehen bietet Yamazaki Spektakelkino, das durch den Ernst und die Inbrunst der Inszenierung nie retortenhaft wirkt, sondern packt und bestens unterhält.


Keine schauspielerischen Spitzenleistungen darf man freilich erwarten, denn die Akteur:innen neigen immer wieder zum Overacting, doch darüber sieht man angesichts des heroischen Kampfs gegen die Supermonster leicht hinweg. Auffallend ist aber auch die US-Kritik, die nicht nur in Bezug auf den Atombombenabwurf geübt wird, sondern auch hinsichtlich der Nachkriegsgegenwart, in der die Besatzungsmacht das Handeln der Japaner:innen bestimmt, selbst sich aber nicht in Gefahr bringen will.


Interessant ist aber auch die Figur der genialen Meteorologin Aoyama (Masami Nagasawa), die bei der Bekämpfung Ghidoras eine zentrale Rolle spielt. Wenn sie an einem Trauma leidet, weil sie sich bei einer früheren Taifun-Prognose nicht gegen ihre Vorgesetzten, die die Gefahr herunterspielen wollten, durchsetzen konnte, entwickelt sich "Godzilla Minus Zero" zu einem für die japanische Gesellschaft doch beachtlichen Aufruf zu selbstbewusstem Auftreten und Zivilcourage gegenüber seinen Vorgesetzten.


Gleichzeitig ist Aoyama eine durch und durch anachronistische Figur, denn schwer vorstellbar ist, dass in der männlich dominierten japanischen Gesellschaft der Nachkriegszeit eine Frau zu einer führenden Meteorologin aufsteigen konnte. Vielmehr ist diese Figur wohl mit dem heutigen Ruf nach starken Frauenrollen im Film zu erklären. Ob dies freilich bei einem in der Vergangenheit spielenden Film sinnvoll ist, ist fraglich, prägen Filme doch ganz entscheidend Geschichts- und Gesellschaftsbilder, wie man besonders markant an Peter Ustinovs Verkörperung des Kaisers Nero in "Quo vadis" sieht.



Godzilla Minus Zero

Japan 2026

Regie: Takashi Yamazaki

mit: Ryunosuke Kamiki, Minami Hamabe, Min Tanaka, Hidetaka Yoshioka, Masami Nagasawa, Yuki Yamada

Länge: 136 min.



Läuft derzeit in den Kinos, z.B. im Cineplexx Hohenems.


Trailer zu "Godzilla Minus Zero"



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