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  • AutorenbildWalter Gasperi

Filmbuch: Versuch über John Ford – Die Westernfilme 1939 - 1964

Aktualisiert: 24. März


Dirk C. Loew analysiert auf 472 Seiten detailliert die 14 Western, die John Ford zwischen 1939 und 1964 drehte, arbeitet akribisch Hintergründe und Zeitbezüge heraus und deckt Entwicklungslinien im Werk des Meisterregisseurs auf.


Der Buchtitel "Versuch über John Ford" zeugt von Bescheidenheit und Vorsicht bei der Annäherung an einen ganz Großen der Filmgeschichte. Doch alles andere als ein Schnellschuss sind diese 472 Seiten.


Schon 2005 ist Dirk C. Loews überarbeitete Dissertation erstmals erschienen, und nach einer ersten Überarbeitung und Aktualisierung 2020 hat der Autor das Buch 2022 nochmals auf den neuesten Stand hinsichtlich Literatur und Terminologie gebracht, aber auch hinsichtlich Rechtschreibung und Formulierungen überarbeitet.


Ohne Verlag hat Loew sein Werk über Books on Demand veröffentlicht, verzichtet hat er dabei – wohl aus Kostengründen - auf Bilder. Das ist bei einem Filmbuch etwas bedauerlich, doch andererseits dürften die Werke von John Ford den Leser:innen vielfach so präsent sein, dass bei den detaillierten Beschreibungen die entsprechenden Bilder automatisch vor dem inneren Auge aufsteigen.


Überraschend ist beim ersten Blick, dass John Ford, der doch als DER Westernregisseur schlechthin gilt, zwischen 1939 und 1964 nur 14 Western drehte. Ganz auf diese fokussiert Loew und analysiert sie mit beeindruckender Akribie und Detailgenauigkeit.


Bestechend arbeitet der Autor dabei durchgängig zahlreiche Quellen ein und bezieht sich auch immer wieder auf die umfangreichen John Ford Papers, die er in der Lilly Library der Indiana University in Bloomington, Indiana studieren konnte.


Ausführlich stellt er die Analyse der Filme dabei in ihren Kontext. Auf den Blick auf die filmgeschichtliche Bedeutung John Fords und seine Entwicklung von der Stummfilmzeit bis in die 1930er Jahre lässt Loew eine kurze Schilderung der Geschichte des Western-Genres folgen. Prägnant zeigt der Autor dabei auch Querverbindungen zwischen der gesellschaftlich-politischen Entwicklung und dem Genre auf.


Ausgehend von gegensätzlichen Theorien über Film als Werk eines Kollektivs oder eines Autors setzt sich Loew auch ausführlich mit der Rolle John Fords als Schöpfer seiner Filme auseinander. Filmübergreifend bietet er dabei Einblick in Fords Arbeitsweise, wiederkehrende Motive und Themen sowie den Mythos des Westens, ehe die Analyse der einzelnen Filme folgt.


Auf jeweils 15 bis 30 Seiten zeichnet Loew dabei die Handlung und Produktionsgeschichte der einzelnen Filme von "Stagecoach" (1939) bis "Cheyenne Autumn" (1964) nach, unterzieht sie aber vor allem einer ausführlichen Analyse. Ungemein detailliert werden dabei auch die zeitgeschichtlichen Bezüge zum Zweiten Weltkrieg in "Stagecoach" (1939), zur amerikanischen Nachkriegsgesellschaft in "My Darling Clementine" (1946) und "Fort Apache" (1948), zum Koreakrieg in "Rio Grande" (1951) bis zur Krise der Familie, dem Generationenkonflikt und dem Rassismus in den Filmen ab "The Searchers" (1956) herausgearbeitet.


Gleichzeitig zeichnet Loew aber auch bestechend die Entwicklung von Fords Blick auf den Westen in den 25 Jahren zwischen "Stagecoach" und "Cheyenne Autumn" nach. In einer Fülle an Vergleichen zwischen Figuren und Szenen der einzelnen Filme wird aufgezeigt, wie der optimistische Blick und die Feier der Eroberung des Westens zunehmend von Desillusionierung und Pessimismus abgelöst wurden. Vor allem am Vergleich der ersten Kavallerie-Trilogie ("Fort Apache", "She Wore a Yellow Ribbon", "Rio Grande") mit der zweiten Kavallerie-Trilogie ("Sergeant Rutledge", "The Horse Soldiers", "Cheyenne Autumn") kann Loew diese Entwicklung festmachen. Denn an die Stelle der Feier der Kavallerie als Ersatzfamilie tritt sukzessive die Schilderung einer sehr heterogenen Gruppe mit inkompetenten Offizieren.


Trotz Loews immenser Sachkenntnis verfällt er aber nie in eine akademische Sprache, sondern immer flüssig zu lesen und in der präzisen Beschreibung von Szenen und Figuren sehr anschaulich bleibt "Versuch über John Ford", sodass auch großer Lesegenuss geboten wird. - Einzig hinsichtlich Rechtschreibung und Grammatik wäre eine nochmalige Überarbeitung wünschenswert.


Mit welcher Akribie und Sorgfalt aber davon abgesehen hier gearbeitet wurde, macht auch das ausführliche Literaturverzeichnis deutlich, das neben Werken zu Ford auch solche zum Western im Allgemeinen, zu Hollywood und dem US-Kino sowie zur Filmgeschichte und zur Geschichte der USA aufweist. Zusammen mit einer ausführlichen Filmographie rundet diese Bibliographie dieses herausragende Filmbuch ab.



Dirk C. Loew, Versuch über John Ford. Die Westernfilme 1939 -1964, 3. Aufl., Books on Demand, Norderstedt 2022, 472 S., € 35,50 (Kindle: 24,99), ISBN 978-3-8334-2124-2


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