• Walter Gasperi

Filmbuch: Mondbeglänzte Zaubernächte – Das Kino von Tim Burton


Christian Heger gelang 2010 mit seiner wissenschaftlich fundierten und gleichzeitig gut lesbaren Monographie ein Standardwerk zum großen Märchenerzähler Tim Burton. Im Schüren Verlag ist nun eine erweiterte Auflage erschienen, an der einzig die Ergänzungen zu Burtons Filmen seit 2010 nicht überzeugen.


Als Dissertation an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz entstand diese Monographie 2009, wurde dann für die Veröffentlichung überarbeitet und aktualisiert. Mit Akribie analysiert Heger nicht nur auf jeweils rund 15 Seiten die märchenhaft-fantastischen Spielfilme, die Burton bis 2010 drehte, sondern zeichnet auch ausführlich die das Werk prägende Biographie des 1958 geborenen Amerikaners nach.


Das Spannungsfeld von einer Kindheit in den Suburbs des kalifornischen Burbank und der frühen Leidenschaft für trashige Horrorfilme wird ebenso beleuchtet wie sein Status als Autorenfilmer und der gleichzeitige Einfluss seines über Jahre konstanten Teams wie dem Komponisten Danny Elfman oder dem Schauspieler Johnny Depp. Ausführlich geht Heger auch auf Burtons frühe Kurzfilme (1977 – 1986) wie "Vincent" und "Frankenweenie" ein und widmet auch seiner Tätigkeit als Produzent sowie seinen Werbeclips und Musikvideos einzelne Kapitel.


Detailreich arbeitet der Autor dabei immer wieder nicht nur die Querverbindungen zwischen Burtons Leben und den Außenseiterfiguren in seinen Filmen wie "Edward Scissorhands" (1990) oder "Charlie and the Chocolate Factory" (2005) heraus, sondern auch die vielfältigen Referenzen auf andere Filme und Gemälde, aber auch auf reale Personen, die seine Filme enthalten. Perfekt unterstützt werden diese Ausführungen durch die zahlreichen Abbildungen, die zwar recht klein und nur schwarzweiß sind, aber die Einflüsse aus Romantik und amerikanischem Horror- und Science-Fiction-Kino der 1950er Jahre bestechend sichtbar machen.


Bestens abgesichert ist – wie bei einer Dissertation nicht anders zu erwarten – Hegers Darstellung durch die Einarbeitung umfangreicher Literatur, gleichwohl bleibt diese Monographie immer leicht lesbar und ist spürbar das Werk eines echten Fans, der es aber auch an kritischer Distanz nicht missen lässt.


Immer noch ein Standardwerk zu Burton ist diese Publikation, deren Titel "Mondbeglänzte Zaubernächte" einem Gedicht von Ludwig Tieck entnommen ist, damit, von den in der zweiten Auflage hinzugefügten Erweiterungen sollte man sich allerdings nicht allzu viel erwarten.


Nahezu unmöglich war es zwar zweifellos die seit 2010 entstandenen Filme wie "Dark Shadows", "Big Eyes" und "Dumbo" in die anderen Kapitel einzuarbeiten, doch eine detaillierte Analyse dieser Filme wäre schon wünschenswert gewesen. Äußerst knapp werden hier nämlich auf insgesamt gerade einmal neun Seiten fünf Filme abgehandelt. Deutlich fällt dieser Epilog damit gegenüber den restlichen 400 Seiten ab und schmälert etwas den Gesamteindruck dieses ansonsten so bestechenden, ebenso informativen wie unterhaltsamen Buches, das durch ein Werkverzeichnis, das auch die frühen Kurzfilme und Werbeclips enthält, sowie ein ausführliches Literaturverzeichnis abgerundet wird.

Christian Heger, Mondbeglänzte Zaubernächte. Das Kino von Tim Burton, 2. erw. Aufl., Schüren Verlag, Marburg 2020, 446 S., ISBN 978-3-89472-554-9, € 38