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  • AutorenbildWalter Gasperi

Eiskalter Engel - Inexorable


Wer ist die geheimnisvolle junge Frau, die sich gezielt im Landschloss eines Erfolgsautors und seiner Gattin einnistet? – Fabrice Du Welz´ geschickt mit Geheimnissen spielender und formal starker Psychothriller ist bei Plaion Pictures auf DVD und Blu-ray erschienen.


Während Erfolgsautor Marcel (Benoît Poelvoorde) mit seiner sechsjährigen Tochter Lucie (Janaina Halloy) unterwegs zum Landschloss seiner Frau ist, bezieht eine junge Frau namens Gloria (Alba Gaïa Bellugi) im einfachen Hotel des nahen Dorfs Quartier. Abzusehen ist, dass diese beiden Erzählfäden zusammengeführt werden.


Denn als Lucies großer weißer Hund entläuft, bringt ihn Gloria zurück. Glücklich darüber bietet Marcels Frau Jeanne (Mélanie Doutey) Gloria sogleich an, sich doch zusammen mit Lucie um die Abrichtung des Hunds zu kümmern, und bald verdrängt die undurchschaubare junge Frau mit einer Lüge auch die Haushaltsangestellte.


Rasch durchschauen so die Zuschauer:innen im Gegensatz zur Familie, dass diese Gloria ein Geheimnis mit sich trägt und böse Absichten verfolgt. Indem der Belgier Fabrice Du Welz aber geschickt Informationen zurückhält, hält er die Spannung nicht nur aufrecht, sondern steigert sie sogar, wenn Gloria gezielt Keile zwischen die Familienmitglieder treibt.


Nicht neu ist die Geschichte eines Außenseiters, der mit gezielten Aktionen Zwietracht in einem scheinbar intakten Gefüge sät. Du Welz gelingt es aber doch dem Bekannten nicht zuletzt durch die formale Gestaltung Frische zu verleihen.


Treffend arbeitet er so beispielsweise mit dem Widerspruch zwischen in helles Sommerlicht und warme Farben getauchtem Setting und Blicken in lange, dunkle Gänge des großen Anwesens. Neben einem starken Sounddesign steigert aber auch das überzeugende Spiel von Alba Gaïa Bellugi in der Rolle der Gloria die Spannung. Mal wirkt diese junge Frau traurig und verunsichert, dann wieder abwesend und verstört. So undurchschaubar sie bleibt, so wird doch sukzessive klar, dass sie etwas mit Marcel, der seit seinem ersten großen Erfolg mit dem Roman "Inexorable" an einer Schreibblockade leidet, verbindet.


Langsam und ruhig entwickelt Du Welz die Handlung, steigert durch stringente Handlungsführung und Konzentration auf die Familie und Gloria als beinahe einzige Charaktere und das Landschloss als einzigen Schauplatz die Spannung aber sukzessive, bis nicht nur die Konflikte innerhalb der Familie eskalieren, sondern auch handfeste Gewalt losbricht.


In klassischer Thrillermanier deckt Du Welz dabei nicht nur Abgründe hinter einer heilen Fassade auf, sondern zeigt auch, wie diese Abgründe das scheinbar so intakte familiäre Gefüge erschüttern. Gleichzeitig geht es aber auch auf mehreren Ebenen um verantwortungslose Männer, die Frauen benützt und im Stich gelassen haben. Gloria wird nun aber zur Nemesis von Marcel und fördert seine verdrängte Vergangenheit zu Tage.


"Eiskalter Engel" kann dabei auch mit ausgefeilter visueller Gestaltung punkten. Stark ist vor allem die Farbdramaturgie, bei der Du Welz immer wieder mit dem Gegensatz von Rot und Blau arbeitet. Denn da will nicht nur Lucie gegen den Willen ihrer Mutter bei der Feier ihres siebten Geburtstags ein rotes und kein blaues Kleid tragen, sondern immer wieder taucht der Belgier auch Szenen in ein irrationales Rot, während andere Momente wieder die Dominanz von kaltem Blau kennzeichnet. – Offen bleibt, ob damit die Zerrissenheit Glorias zwischen Leidenschaftlichkeit und kalter Berechnung auf die visuelle Ebene übertragen werden soll.


An Sprachversionen bieten die bei Plaion Pictures (ehemals: Koch Films) erschienene DVD und Blu-ray die französische Originalfassung und die deutsche Synchronfassung sowie deutsche Untertitel. Die Extras beschränken sich auf den originalen sowie den deutschen Trailer sowie Trailer zu weiteren Filmen dieses Labels.


Trailer zu "Eiskalter Engel - Inexorable"


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