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Getaway – Ihre Chance war gleich Null

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • vor 2 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit
"Getaway": Brillant inszenierter Thriller von Sam Peckinpah
"Getaway": Brillant inszenierter Thriller von Sam Peckinpah

Sam Peckinpah bot in seinem 1972 entstandenen Mix aus Thriller und Roadmovie dem "King of Cool" Steve McQueen als Bankräuber, der mit seiner von Ali McGraw gespielten Frau vor der Polizei und Gangstern durch Texas flüchtet, eine Paraderolle. – Bei Plaion Pictures ist die brillant inszenierte und immer noch hochspannende Jim Thompson-Verfilmung mit zahlreichen Extras in einem Mediabook auf Blu-ray erschienen.


Mit einer Großaufnahme erfasst die Kamera von Lucien Ballard ein Reh, das scheinbar auf einer idyllischen Wiese herumstreift, bis mit einem Rückwärtszoom nicht nur weitere Rehe und Hirsche ins Bild kommen, sondern auch sichtbar wird, dass sich diese innerhalb des von einem hohen Zaun gesicherten Areals eines Gefängnisses befinden.


So spielt Sam Peckinpah schon mit der ersten Einstellung mit dem Gegensatz von Gefängnis und Freiheit. Dieser kommt auch mit den Träumen des seit vier Jahren inhaftierten "Doc" McCoy (Steve McQueen) von seiner Frau Carol (Ali McGraw) ins Spiel. Nur so kann er dem tristen Gefängnisalltag entfliehen.


Als sein Antrag auf vorzeitige Haftentlassung abgelehnt wird, beauftragt er Carol, den korrupten Lokalpolitiker Jack Benyon (Ben Johnson) zu kontaktieren. Gegen Carols Liebesdienste, die aber im Film ausgespart werden, setzt er sich für die Freilassung McCoys ein, verlangt aber als Gegenleistung, dass Benyon eine Bank überfällt, um so eine Veruntreuung zu vertuschen.


Obwohl der Profi McCoy mit seinem eigenen Team arbeiten will, zwingt Benyon ihm zwei Helfer auf. Der Coup gelingt zwar, doch nicht nur ein Wachmann, sondern auch einer der Bankräuber kommt dabei ums Leben. Der zweite Helfer will nun McCoy töten, doch dieser durchschaut den Plan, verletzt den Gangster und flüchtet mit seiner Frau. Als auch das Treffen mit Benyon in eine Schießerei mündet, sind neben dem verletzten Gangster bald auch die Handlanger des Politikers sowie die Polizei hinter McCoy und seiner Frau her.


Getragen von den beiden blendend harmonierenden Hauptdarsteller:innen Steve McQueen und Ali McGraw, die sich während der Dreharbeiten verliebten und 1973 heirateten, baut Peckinpah immer wieder virtuos mit Parallelmontagen, die den Zuschauer:innen einen Wissensvorsprung verschaffen, Spannung auf. Spektakuläre Actionszenen, bei der selbstverständlich die für Peckinpah typische Zeitlupe eingesetzt wird, fehlen mit der Flucht nach dem Überfall oder einem blutigen finalen Showdown nicht, aber Hochspannung entwickelt auch eine weitgehend gewaltfreie Bahnhofs- und Zugszene.


Zur packenden Gangster- und Fluchtgeschichte kommt dabei auch eine Beziehungsgeschichte. Denn nach anfänglicher Wiedersehensfreude beginnt es zwischen Carol und McCoy zu kriseln, als dieser erfährt, dass sie mit Benyon als Gegenleistung für die Haftentlassung geschlafen hat. Mehrfach wechseln so Konflikte und romantische Momente und Carol erweist sich keineswegs nur als Love Interest, sondern als durchaus wehrhafte und knallharte Frau.


Typisch für Peckinpah wird auch der Gangster McCoy zum Sympathieträger aufgebaut. Seiner Professionalität und Loyalität steht nicht nur der korrupte Politiker Benyon und dessen Bande sowie der schmierige Gangster, sondern auch dessen unbedarfte Geisel gegenüber, die sich sofort mit ihm einlässt. So feiert "Getaway" auch den stoischen Einzelgänger, der seinen Weg geht und in Opposition zu einer US-Gesellschaft steht, der alle Werte längst abhandengekommen sind. - Nur fliehen kann man aus dieser Welt und sein Glück jenseits der Grenze der USA in Mexiko suchen.


An Sprachversionen bietet die bei Plaion Pictures in einem Mediabook erschienene Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie englische und deutsche Untertitel. Die Extras umfassen neben dem englischen und dem deutschen Trailer TV- und Radiospots sowie die isolierte Filmmusik von Jerry Fielding, die auf Druck von Koproduzent Steve McQueen nach Previews durch eine neue Musik von Quincy Jones ausgetauscht wurde. Auch ein Booklet mit einem Text von Tobias Hohmann, der detailreich die Entstehung des Films, die Dreharbeiten und die Postproduktion schildert, fehlt nicht.


Weiters gibt es einen deutschsprachigen Audiokommentar von Mike Siegel, der vielfältige Hintergrundinformationen bietet, wie beispielsweise die Schwierigkeiten die Rechte für eine DVD/Blu-ray-Veröffentlichung zu bekommen, sowie einen zweiten nicht untertitelten englischen Audiokommentar, in dem die Peckinpah-Experten Nick Redman, Paul Seydor, Garner Simmons und David Weddle nah beim Film bleiben.


Dazu kommt eine Bonus Blu-ray mit Mike Siegels neuer deutsch untertitelter, 55-minütiger Dokumentation "Passion & Poetry – Getaway in Texas", die mit Interviews mit Ali McGraw und den Peckinpah-Mitarbeiter:innen Gordon Dawson, Katy Haber und Bo Hopkins, Audiointerviews mit Sam Peckinpah, Steve McQueen und Ali McGraw sowie Filmausschnitten und schwarzweißen Fotos von den Dreharbeiten Einblick in die Entstehung des Films bietet. Ein ebenfalls deutsch untertiteltes, 30-minütiges Feature zum Komponisten Jerry Fielding vermittelt mit Interviews mit Katy Haber, Fieldings Witwe und Tochter ein Bild des 1980 im Alter von 58 Jahren Verstorbenen und seine Beziehung zu Peckinpah. Weiters gibt es die Bankraub-Szene mit der Musik von Jerry Fielding, Bildergalerien zu verschiedenen Szenen sowie zu internationalen Postern zum Film.



Trailer zu "Getaway"



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