• Walter Gasperi

Donnie Darko


Beim Kinostart 2001 war Richard Kellys Langfilmdebüt kein Erfolg beschieden, im deutschsprachigen Raum kam der Film gar nicht in die Kinos. Inzwischen gilt der Mix aus Coming-of-Age- und Science-Fiction-Film aber als Kultfilm. Bei Studiocanal ist das immer noch ebenso eigenwillige wie komplexe Werk in der Kinofassung und dem 20 Minuten längeren Director´s Cut mit vielfältigem Bonusmaterial digital remastered auf DVD und Blu-ray erschienen.


Was ist nur mit dem Teenager Donnie Darko (Jake Gyllenhaal) los? Zuerst erwacht er morgens mitten in abgelegener Berglandschaft auf einer Landstraße neben seinem Fahrrad, dann weckt ihn in der nächsten Nacht ein seltsames Wesen in Hasenkostüm, das sich Frank nennt, und lockt ihn als Schlafwandler aus dem Haus, wo es Donnie das Ende der Welt in 28 Tagen, 6 Stunden, 42 Minuten und 12 Sekunden ankündigt.


Vom 2. Oktober 1988 bewegt sich so die Handlung auf Halloween zu, im Hintergrund spielt auch der US-Präsidentschaftswahlkampf zwischen George Bush senior und Michael Dukakis herein.


Am Morgen erwacht Donnie auf einem Golfplatz und erfährt, als er zum Elternhaus in der Vorstadt einer US-Kleinstadt kommt, dass die Turbine eines Flugzeugs auf das Haus gestürzt ist. Genau sein Zimmer sei getroffen worden und nur aufgrund seiner Abwesenheit habe er überlebt.


Zwar ist Donnie in psychiatrischer Behandlung, doch scheint diese nicht viel zu bringen. Immer wieder erscheint dem Teenager nämlich Frank und fordert ihn bald zu einem heimlichen Vandalenakt in der Schule auf, bald zur Brandstiftung des Hauses eines Autors von Lebensratgebern (Patrick Swayze). Dazu stößt Donnie auch auf ein Buch über Zeitreisen, das eine ehemalige Lehrerin der örtlichen High-School geschrieben haben soll. Kapitelüberschriften und Passagen aus diesem Buch gliedern im Director´s Cut auch den Film.


Einerseits zunehmend undurchschaubarer wird so die Handlung, changiert bruchlos zwischen bissigem Blick auf die US-Kleinstadt mit einer Highschool, in der eine Lehrerin wegen ihrer modernen Methoden (Drew Barrymore) gefeuert wird, und einem angesehenen Autor, der als Chef eines Kinderpornorings enttarnt wird, und Mystery-Momenten. Und mit der Idee der Zeitreise kommt auch die Science-Fiction nicht zu kurz.


Gleichzeitig erzählt Kelly aber auch ganz klassisch von einer – abgesehen vom psychisch angeschlagenen Donnie – glücklichen US-Musterfamilie mit drei Kindern und einer ersten großen Liebe, bei der freilich auch wieder dunkle Töne hereinspielen. Denn die neue Schülerin Gretchen Ross (Jena Malone) erzählt von häuslicher Gewalt und einem Anschlag des Stiefvaters auf ihre Mutter. Aber auch in der Schule scheint Mobbing gegenüber einer übergewichtigen Chinesin an der Tagesordnung und auch Gretchen und Donnie bekommen die Aggressivität von zwei Mitschülern zu spüren.


An David Lynch erinnert, wie hier das Bild von der heilen US-Welt zunehmend in das einer normierten reaktionären Gesellschaft kippt, in der jede Abweichung und jeder Aus- und Aufbruch verurteilt wird. Aber "Donnie Darko" bleibt in seiner Vielschichtigkeit und Eigenwilligkeit doch ein gänzlich eigenständiges Werk, zu dem man nicht nur im US-Kino kaum etwas Vergleichbares finden wird.


Lange tut man sich so schwer mit diesem Film und kann sich keinen Reim darauf machen, was hier eigentlich abgeht, bis sich am Ende der Kreis zum Anfang schließt und zumindest einiges klar wird. Dennoch schadet eine zweite Sichtung sicher nicht.


In Gang kam Kellys Karriere mit diesem Film nicht. Mit "Southland Tales" (2006) und "The Box – Du bist das Experiment" (2009) folgten in den 20 Jahren seit "Donnie Darko" nur zwei weitere Filme, die sehr gemischt aufgenommen wurden.


An Sprachversionen bieten die bei Studiocanal digital remastered erschienene DVD und Blu-ray, die die 108-minütige Kinofassung und den 20 Minuten längeren Director´s Cut bieten, die englische Originalfassung und die deutsche Synchronfassung sowie deutsche Untertitel. Sehr umfangreich sind die deutsch untertitelten Extras, die neben kurzen Interviews mit zahlreichen Crew-Mitgliedern, mehreren Featurettes, Bildergalerie, Trailer und Storyboard/Film-Vergleich vor allem einen Audiokommentar von Richard Kelly und Kevin Smith, in dem ausgiebig auf die Unterschiede des Director´s Cut eingegangen wird, sowie weitere Audiokommentare von Kameramann Steven Poster sowie von Kelly und Jake Gyllenhaal zur Kinofassung umfassen.


Trailer zu "Donnie Darko"