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Die Wildnis ruft - The Yearling (1946)

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit
"Die Wildnis ruft": Visuell immer noch beeindruckender Jugendilm
"Die Wildnis ruft": Visuell immer noch beeindruckender Jugendilm

Clarence Brown erzählt in seinem 1946 entstandenen Jugendfilm vom Alltag einer Familie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Wildnis Floridas. Bei Plaion Pictures ist die visuell immer noch beeindruckende Literaturverfilmung in einem Mediabook auf DVD und Blu-ray erschienen.


Nicht erst heute regen erfolgreiche Bücher zu Verfilmungen an. Wie auf Margaret Mitchells 1936 erschienenen Roman "Vom Winde verweht" schon drei Jahre später die Verfilmung folgte, so sicherte sich auch Metro-Goldwyn-Mayer rasch die Filmrechte von Marjorie Kinnan Rawlings 1938 erschienenem und mit dem Pulitzer Preis ausgezeichneten Bestseller "Frühling des Lebens".


Schon 1941 wurde unter der Regie von Victor Fleming mit der Produktion des Films begonnen, doch nach Kriegseintritt der USA am 7. Dezember 1941 wurde das Projekt eingestellt. Nach Kriegsende wurden die Dreharbeiten unter der Regie von Clarence Brown aber wieder aufgenommen. Nach einem aufwändigen Casting wurde Claude Jarman Jr. für die Rolle des elfjährigen Jody ausgewählt und nicht zuletzt der Einsatz von zahlreichen dressierten Tieren ließ die Kosten auf die für die damalige Zeit astronomische Summe von vier Millionen Dollar ansteigen.


Pathos verbreitet der Auftakt, in dem der Protagonist Penny Baxter (Gregory Peck) im Voice-over als Ich-Erzähler in den Film einführt und die Leistung der Vorfahren rühmt, die das Land urbar gemacht haben. Penny selbst zog mit seiner Frau Ora (Jane Wyman) nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg in die Wildnis von Florida, wo sie eine Farm aufbauten. Im Mittelpunkt steht ihr elfjähriger Sohn Jody (Claude Jarman Jr.), der ein liebevolles, fast freundschaftliches Verhältnis zu seinem Vater hat, während die Beziehung zur Mutter, die unter dem Verlust von drei Kindern leidet, distanzierter ist.


Eingebettet in dieses Beziehungsgefüge erzählt Brown vom Alltag auf der Farm von einer Jagd auf einen Bären, der ein Schwein getötet hat, über den gefährlichen Biss einer Klapperschlange bis zur Bedrohung der Ernte durch eine lange Regenphase. Zum Konflikt zwischen Jody und seinen Eltern führt schließlich ein Rehkitz, das Jody aufzieht, das aber immer wieder das Tabak- und Maisfeld zertrampelt.


Keine realistische Schilderung des Landlebens will "Die Wildnis ruft" aber sein, sondern ein sanfter Jugendfilm. Wirkliche Bedrohung stellt sich hier nie ein, sondern immer wird das Gefühl verbreitet, dass alles gut enden wird. Dazu trägt nicht unwesentlich auch die mit einem Oscar ausgezeichnete grandiose Kameraarbeit des Trios Charles Rosher, Leonard Smith und Arthur Arling bei.


In satten Technicolorfarben fangen sie in Bildern, die teilweise wie Gemälde wirken, die grünen Wälder, braunen Felder, klaren Flüsse und den weiten Himmel ein und evozieren auch in den Innenszenen mit warmen Brauntönen immer ein heimeliges Gefühl der Geborgenheit und Harmonie. Das ist ein Sehgenuss, wie ihn heutige digitale Filme nur selten bieten.


In der Konzentration auf die Kleinfamilie und die Farm, die nur in wenigen Szenen für einen Besuch bei einer Nachbarsfamilie und in der Stadt verlassen wird, ist dabei auch eine Absage an die Zivilisation und eine Feier des ländlichen Lebens und der klassischen Familie zu lesen. Ganz im Gegensatz zum gleichzeitig blühenden Film noir, in dem die Traumata des Zweiten Weltkriegs gespiegelt wurden, soll hier mit der Beschwörung einer heilen Welt Optimismus verbreitet werden.


Persönliche Handschrift des Regisseurs lässt sich dabei kaum entdecken. Mehr klassisches Produzenten- als eigenwilliges Autorenkino wird geboten und auch die Figurenzeichnung lässt zu wünschen übrig. Mehr angedeutet als wirklich ausformuliert und damit erfahrbar wird der tiefe Schmerz der Mutter über den Tod ihrer Kinder, aber an visueller Kraft hat dieser Familien- und Jugendfilm in den 80 Jahren seit seiner Uraufführung eher gewonnen als verloren.


An Sprachversionen bieten die bei Plaion Pictures in einem Mediabook erschienene DVD und Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie englische und deutsche Untertitel. Als Extras gibt es den dreiminütigen "Tom & Jerry"-Cartoon "The Cat Concert", eine 30-minütige, nicht untertitelte englische Hörspielfassung des Films sowie den deutschen Vorspann, den englischen Kinotrailer und eine Bildergalerie.



Trailer zu "Die Wildnis ruft - The Yearling"



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